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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Computer > Schieb der Woche: Ungewollte Werbung für blaue Pillen


Der böse Gast im Gästebuch

Ungewolltes Spam auf Webseiten

Von Jörg Schieb

Es kann jeden treffen, der eine eigene Webseite oder ein Blog betreibt: Spam im Gästebuch, im Kommentarbereich oder im Onlinforum. Dann erscheint auf der Homepage unerwünschte Werbung für alles Mögliche. Wie kürzlich auf der offiziellen Homepage des NRW-Landtagsabgeordneten Gerhard Lorth.

Jörg Schieb; Rechte: WDR

Gerhard Lorth ist Abgeordneter im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Und wie jeder gute Politiker, der Bürgernähe demonstrieren will, hat natürlich auch der CDU-Abgeordnete eine eigene Homepage. Mit Namen, Fotos und ein paar aktuellen Infos. Wer auf den Button "Lorth vor Ort" klickt, erfährt, wo man ihn in den nächsten Tagen antreffen kann. Live. Ein Blick ins Gästebuch förderte bis heute Morgen jedoch ganz andere Infos zutage: Da wurde unter anderem für blaue Pillen und schmuddelige Webseiten geworben.

Spam auf Webseiten und in Blogs an der Tagesordnung

Spam auf der Webseite von Gerhard Lorth; Rechte: Lorth/WDRBild vergrößern

Spam auf der Webseite von Gerhard Lorth

Ein klarer Fall von Spam. Mittlerweile ist das Gästebuch des Abgeordneten geschlossen. Das war auch dringend nötig, denn das Gästebuch quoll regelrecht über mit solchen Einträgen, die sich in der Urlaubszeit angesammelt hatten. Manche waren mehrere Wochen alt. Seriöse Einträge von Bürgern gab es eher weniger. Womit wir bei einem großen Problem wären: Wer Spam nur für unerwünscht zugeschickte Reklame per E-Mail hält, der täuscht sich. Spam ist ein viel größeres Problem, das quasi jeden betrifft, der im Web eine Möglichkeit zum Mitmachen anbietet.

Spammer müllen so ziemlich alles mit ihren Nachrichten voll, egal ob Gästebücher auf Webseiten, Kommentarbereiche in Blogs oder Diskussionsforen, selbst professionelle Videoportale wie Youtube werden mit Reklame jeder Art überhäuft. Da im Web-2.0-Zeitalter Mitmachen ausdrücklich angesagt ist - die User können möglichst viel und möglichst oft Nachrichten, Infos oder Beiträge im Web hinterlassen -, dürfen sich Spammer freuen: Es gibt nämlich immer mehr Gelegenheiten.

Betreiber von Onlineangeboten müssen sich schützen

Arbeitsplatz wird mit Spam zugemüllt; Rechte: SymantecBild vergrößern

Spam: Nicht nur per E-Mail, auch im Web

Wer als Betreiber einer Webseite nicht technisch auf der Höhe bleibt und die Gästebucheinträge nicht laufend kontrolliert, der ist hoffnungslos verloren: Innerhalb weniger Stunden können sich Hunderte solcher, meist englischsprachiger Nachrichten im eigenen Angebot befinden. Das Angeklickt-Forum auf der Computerseite von WDR.de zum Beispiel ist erst frei von solchen Nachrichten, seitdem sich neue User anmelden und einen Sicherheitscode eingeben müssen und zudem die ersten Postings vom Administrator abgenickt werden.

Automatisches Blocken von Spam-Einträgen

Populäre Blog -Software wie Wordpress verfügt über eine praktische Ergänzung namens Akismet, die automatisch bereits bekannte Spam-Einträge abblockt. So landet die Werbung erst gar nicht im eigenen Blog. Sehr praktisch. Solche Filter sind wirklich dringend nötig, um wenigstens das Gros der Spam -Nachrichten zu blocken. Der Abgeordnete Lorth war in diesem Sinne blauäugig: Es gab nicht den geringsten Schutz für sein Gästebuch. Keinen einzigen. Da ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis das Gästebuch missbraucht wird. Kein Einzelfall. Im Gegenteil: Genau so dürfte es den meisten gehen, die eine private Webseite oder ein privates Blog betreiben und sich technisch nicht so gut auskennen.

Rechtsprechung nicht einheitlich

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Jeder Betreiber eines Blogs, Forums oder Gästebuchs muss aufpassen. Denn neben ärgerlichen Einträgen, die sich im weitesten Sinne als Spam bezeichnen lassen, sind natürlich auch Einträge möglich, die juristisch heikel sein können. Wird zum Beispiel jemand in einem Eintrag beleidigt, kann das rechtliche Konsequenzen haben, wenn so etwas nicht schleunigst wieder entfernt wird.

Allerdings gibt es keine einheitliche Rechtsprechung. Während manche Gerichte der Meinung sind, als Betreiber müsse man solche Einträge erst nach Kenntnisnahme entfernen (etwa wenn sich jemand beschwert), meinen andere Richter, Betreiber von Onlineangeboten müssten selbst dafür Sorge tragen, dass so etwas gar nicht online geht - was leider von einer ausgesprochenen Unkenntnis des modernen Mediums Internet zeugt.

So oder so: Wer selbst mit einem Angebot im Web vertreten ist, muss aufpassen. Leider.

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Immer mehr Menschen investieren eine Menge Zeit und notieren Privates, Berufliches oder auch schon mal Indiskretes in persönlichen Onlinetagebüchern. Manche Blogs sind eine gute Informationsquelle, andere sind überflüssig oder verdeckte Werbung. Wir zeigen, wo Sie gute Weblogs finden, und wie Sie selbst eins ins Internet stellen können.

Jörg Schieb informiert jeden Freitag in seiner Rubrik Angeklickt während der Aktuellen Stunde (WDR Fernsehen, 18.50 bis 19.30 Uhr) über aktuelle Trends aus der Computerwelt. Außerdem: Angeklickt WebTV, die Computersendung fürs Web.

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Stand: 20.08.2007, 06:00 Uhr



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