Von Jörg Schieb
Ob bei MySpace, Facebook oder Xing: Die Menschen geben im Web immer mehr über sich preis - freiwillig. Ein neuer Suchdienst aus USA trägt diese Informationen zusammen und legt Profile an, die öffentlich zugänglich sind. So wird man sich in Zukunft noch leichter als heute über Personen informieren können.

Wohl jeder hat schon mal seinen Namen in eine Suchmaschine eingetippt - und sich womöglich gewundert, was der Suchdienst so alles über einen in Erfahrung bringt. In der Regel deutlich mehr als gedacht. Keine Hexerei, sondern die üblichen Nebenwirkungen des Web-2.0-Zeitalters: Denn wer in unzähligen Mitmachangeboten wie MySpace, Facebook oder Xing alles Mögliche über sich preisgibt, wohlgemerkt freiwillig, darf sich nicht wundern, wenn Suchmaschinen das zusammentragen und auf Knopfdruck jedem verraten.
Allerdings sind die Suchmaschinen nicht immer so schlau, wie man denkt. Wer zum Beispiel nach "Kohl" sucht, bekommt auch Kochrezepte präsentiert. Klar, denn Google, Yahoo und Kollegen wissen natürlich nicht, ob man nach Infos einer Person fahndet oder etwas über Gemüse wissen will. Doch je seltener der Name, desto leichter lassen sich Infos im Web finden. Jetzt sogar noch leichter, denn der neue Suchdienst spock.com ist auf das Aufspüren von Informationen über Menschen spezialisiert. Einfach Name eingeben, und spock.com liefert die entsprechenden Infos.
spock.com ist eine Suchmaschine für Informationen über Personen. Der Dienst durchforstet vor allem soziale Online-Netzwerke wie Myspace, Facebook oder Xing und trägt alle Informationen zusammen, die hier öffentlich zugänglich sind. Auf diese Weise sollen bereits mehr als 100 Millionen Profile entstanden sein, die jeder einsehen kann. Wer in keinem dieser sozialen Netzwerke registriert ist, wird erst mal nicht erfasst. Deutsche Benutzer sowieso nicht, das ist erst für später geplant. Es sei denn, man gehört zu der Riege der Bundeskanzler. Aber: spock.com ist ein neues Konzept, eine neue Art, nach Informationen zu suchen. Über prominente Leute gibt es schon jetzt reichlich Infos und Dossiers. Nicht zuletzt als Marketing-Gag.
Doch niemand muss befürchten, durch spock.com gleich zum gläsernen Surfer zu werden. Denn jeder kann sich bei der Personen-Suchmaschine anmelden und so Einfluss darauf nehmen, was andere über ihn bei spock.com zu lesen bekommen. Entwarnung also für jene, die das Schlimmste befürchten: Wer nicht möchte, dass spock.com ihn kennt oder etwas preisgibt, braucht das dem Dienst nur mitzuteilen, schon ist alles vergessen. Allerdings muss man das auch wissen.
Aber auch spock.com ist ein Mitmachmedium. Es sammelt nicht nur Informationen über Personen, sondern reichert sie auch an. Besucher können das Profil jeder Person in der Datenbank beeinflussen. Sie können mit "Ja" oder "Nein" entscheiden, ob gespeicherte Merkmale eines Profils tatsächlich stimmen. Je öfter mit "Ja" gestimmt wird, desto prominenter wird ein Userprofil bei einer Suchanfrage platziert. Denn bei spock.com kann man nicht nur nach Namen suchen, sondern auch nach Wohnort oder Eigenschaften.
spock.com verwertet Informationen, die sowieso öffentlich im Netz zu finden sind. Allerdings kann durch Zusatzinfos, die User eingeben oder durch Bewertungen ein neues Profil entstehen. Immer mehr Menschen merken, wie unerfreulich es sein kann, im Web auffindbar zu sein. So manche Veröffentlichung in einem Forum, in einem Gästebuch oder auf einer Webseite bereut man irgendwann. Etwa, wenn Monate oder Jahre später die Personalabteilung einer Firma im Web fahndet und dort wenig Schmeichelhaftes über einen findet. Das Netz vergisst eben nichts. Durch neue Suchdienste wie spock.com werden solche "Sünden" der Vergangenheit zudem immer leichter auffindbar.
Kein Wunder, dass es mittlerweile Spezialdienste wie Reputation Defender gibt. Da wird einem eine "weiße Weste" versprochen. Wer unbedingt möchte, dass eine bestimmte Information im Web getilgt wird, vor allem, wenn über einen etwas geschrieben wurde, kann sich an den Anbieter wenden. Gegen entsprechende Bezahlung unternimmt Reputation Defender dann den Versuch, den Eintrag verschwinden zu lassen. Das klappt allerdings keineswegs immer, wie ein Test des WDR-Magazins "Markt" kürzlich gezeigt hat. Wer also nicht will, dass zu viel über ihn im Netz steht, sollte selbst zurückhaltend sein.
Jörg Schieb informiert jeden Freitag in seiner Rubrik Angeklickt während der Aktuellen Stunde (WDR Fernsehen, 18.50 bis 19.30 Uhr) über aktuelle Trends aus der Computerwelt. Außerdem: Angeklickt WebTV, die Computersendung fürs Web.
Suchmaschine für Personen
Vorwoche: Der böse Gast im Gästebuch
AngeklicktStand: 27.08.2007, 06:00 Uhr
Programmhinweise, weitere Themen und Fotos