Von Jörg Schieb
Das nach den Ereignissen in Erfurt in die Diskussion geratene Computerspiel Counterstrike kommt nicht auf den Index. Das hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährende Schriften (BPjS) jetzt überraschend nach eingehender Prüfung und Anhörung von Experten bekannt gegeben. Das Spiel war in die Kritik geraten, nachdem bekannt geworden war, dass es vom Amokschützen Robert S. mit Vorliebe gespielt worden ist.

Counterstrike: Im Visier der Kritiker
Damit darf das Kampfspiel auch weiterhin frei verkauft und beworben werden. Begründung der Behörde: Bei dem Spiel Counterstrike könne sehr wohl zwischen Realität und Spiel unterschieden werden. Hauptinhalt des Spiels sei nicht das Töten, sondern vielmehr "strategische Vorgehensweisen und die Möglichkeit, in Spielergemeinschaften zu kommunizieren ".

"Auf Effekthascherei verzichtet"
Bei Counterstrike schließen sich die Spieler über das Internet oder in einem lokalen Netzwerk (LAN) zu Teams zusammen. Die einen sind die Guten (Polizeitruppen), die anderen die Bösen (Terroristen). Die Guten müssen in der grafisch aufwendig präsentierten virtuellen Welt Geiseln befreien, die Bösen wollen sie genau daran hindern. Ein im Grunde simples Prinzip, weshalb Counterstrike-Fans auch von einer "modernen Form von Räuber und Gendarm" sprechen.
Gewinnen kann nur, wenn sich die Mitglieder eines Teams optimal untereinander abstimmen. Kurz: Teamwork ist wichtig. Das verschafft ein Gruppenerlebnis. Einzelgänger haben keine Chance. Deshalb gilt Counterstrike vor allem auf so genannten LAN-Partys als ausgesprochen populär. Nahezu jedes Wochenende treffen sich überall in Deutschland zahlose zumeist jugendliche Fans des Spiels, um an vernetzten Rechnern mit- und gegeneinander zu spielen.

Besonders populär auf LAN-Partys
Auch wenn die Bundesprüfstelle Counterstrike nun nicht auf den Index gesetzt hat: Als harmlos gilt es trotzdem nicht. Die Leiterin der Behörde, Elke Monssen-Engberding, betonte ausdrücklich, dass sich das zwölfköpfige Gremium die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Counterstrike gehöre keinesfalls in die Hände von Kindern und Jugendlichen.
Eine "verrohende Wirkung" sei gleichwohl nicht gegeben, da die Macher des Spiels auf unnötige Effekthascherei verzichtet hätten. In anderen Spielen geht es deutlich grausamer zu. Da spritzt nicht nur literweise Blut, da können die Spieler ihren virtuellen Gegnern sogar gezielt Gliedmaßen abschießen. So etwas gibt es bei Counterstrike nicht.
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Kabinett verschärft JugendschutzStand: 16.05.2002, 12:23 Uhr
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