Karneval 2009
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Karneval 2009
Kölner Rosenmontagszug mit provokanten Themen
Mit seinen Wagen will das Festkomitee Kölner Karneval "immer kritischer werden", verkündete sein Präsident am Dienstag (17.02.09). Er meinte auch einen Wagen für den Rosenmontagszug, der die Bundeskanzlerin barbusig zeigt. Doch der Rückzieher folgte bald darauf.
Als das Festkommitee den Wagen mit der überdimensionalen Kanzlerin am Dienstag Journalisten vorführte, war Merkel noch splitternackt - bis auf zwei Bundesadler auf den Brustwarzen. Man habe der Kanzlerin ein "Problemzonen-Lifting" verpasst, unschöne Themen wie Neuverschuldung würden herausgeschnippelt, zeigten sich die Kölner Karnevalisten nach eigener Einschätzung "ziemlich frech".
Am Mittwoch (18.02.09) wurde die Rolle rückwärts bekannt: Bis Rosenmontag wird der Kanzlerin ein Bikini aufgemalt. Denn "wir wollen keine derartige Effekthascherei", erklärte Zugleiter Christoph Kuckelkorn einer Lokalzeitung.
Das entzückt die Düsseldorfer Narren, die schon immer für sich in Anspruch genommen haben, die frecheren Wagen zu zeigen. Der Kölner Rückzieher sei "gegen die Spielregeln", ruft Jaques Tilly, der die Wagen in Düsseldorf entwirft, rheinaufwärts. "Für diese Darstellungen ist der Karneval doch erfunden worden."
Im übrigen spielen die Kölner Wagen - ob Bankenkrise oder Lokalpolitik - alle irgendwie auf das diesjährige Motto an: "Unser Fastelovend - himmlisch Jeck". Zum Umgang der Kölner mit den großen Demonstrationen des letzten Jahres ist Zugleiter Kuckelkorn besonders stolz auf das Motiv "Mutter Courage". Mutter Colonia macht auf dem Wagen mit einer Zeitung dem Teufel des Extremismus den Garaus.
Viele typisch kölsche Motive gibt es, aber auch Silvio Berlusconi bekommt sein Fett weg: "Für Freunde alles - für Feinde das Gesetz". Uncle Sam hat alle Hände voll damit zu tun, einstürzende Wolkenkratzer aufzuhalten, und Barack Obama muss das Chaos seines Vorgängers beseitigen.
Am Mittwoch (11.02.09) präsentierte das Festkomitee des Kölner Karnevals einen zunächst geheim gehaltenen Wagen, auf dem das umstrittene US -Gefangenenlager Guantanamo thematisiert wird. Unterstützung bei der Realisierung des Themas erhielt das Festkomitee von der Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International. "Ich hätte nicht gedacht, dass ein solches Thema im Kölner Karneval möglich ist. Wir freuen uns außerordentlich darüber", sagte Dawid Bartelt von Amnesty International.
Vor 60 Jahren gab es für die Kölner wieder den ersten Rosenmontagszug nach dem Zweiten Weltkrieg, der die Stadt arm und in Trümmern hinterlassen hatte. Aus diesem Grund wird in diesem Jahr ein Motivwagen fast originalgetreu nachgebaut, der damals mit dem Slogan "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien" auf die in drei Besatzungszonen aufgeteilte Bundesrepublik anspielte.
Zugleiter Kuckelkorn betont bei der Präsentation der Entwürfe auch, dass die Vereine in Köln sich die Themen ihrer Wagen zu eigen machen. In Städten wie Düsseldorf seien die Wagen im Rosenmontagszug dagegen völlig eigenständig. Eine Umfrage unter den Karnevalsvereinen habe ein "klares Votum für provokantere Themen" erbracht. So wird zum Rosenmontagszug ein sparsamer Patient an den Jecken vorbeifahren, der sich angesichts leerer Krankenkassen-Töpfe selbst seine Gedärme flickt. Die Diskussion um Body-Scanner am Flughäfen findet sich auf einem Peepshow -Wagen der "Spanner-Air-Lines" wieder.
Stand: 18.02.2009, 11:24 Uhr
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