Von Susanne Schnabel
50 Weihnachtsmänner trafen sich im vergangenen Jahr im Eifelstädtchen Kommern. In diesem Jahr hoffte man am ersten Adventswochenende im Freilichtmuseum Kommern auf einen Massenauflauf der heiligen Nikoläuse. Man hoffte vergebens. Sterben echte Nikoläuse aus?
Lediglich drei Herren im Kostüm des heiligen Nikolaus von Myra kommen zum rheinischen Nikolaustreffen nach Kommern. "Wahrscheinlich ist es schwer, ein solches historisches Kostüm zu bekommen", mutmaßt Johannes Ley, Vorsitzender des Museumsfördervereins. "Die rot-weißen Weihnachtsmann-Kostüme gibt es ja bereits für wenige Euro an jeder Ecke." Ley hatte sich die Nikolausaktion einfallen lassen. Hans-Peter Braun und Franz-Josef Schmitz sind dem Aufruf gefolgt und unterstützen Johannes Ley dabei, die vielen staunenden Kinder im Freilichtmuseum zu beschenken.
"Der sieht aber gar nicht aus wie der Weihnachtsmann", stellt die fünfjährige Laura fest, und ihre Mutter Nicole Heller erklärt: "Das ist ja auch der Nikolaus, der echte." Die Euskirchenerin findet, dass dieses Kostüm viel edler und feierlicher aussehe als die rot-weißen Outfits, "aber echte Nikoläuse sieht man doch kaum noch. Auf allen Produkten, selbst auf der Salami, lacht einen der Weihnachtsmann an. Ich bin froh, dass meine Tochter hier mal den echten Nikolaus sieht, denn immerhin hat es den wirklich gegeben."
Nikolaus und Weihnachtsmann könnten Zwillingsbrüder sein: beide haben einen langen weißen Bart, sind Männer "in den besten Jahren" und haben eine Vorliebe für rote Kleidung. Verwechseln darf man sie trotzdem nicht. Der Nikolaus geht auf eine historische Figur zurück, den Bischof von Myra, der im vierten Jahrhundert in der heutigen Türkei wirkte. Der Weihnachtsmann hingegen hat sich erst im 19. Jahrhundert in den USA entwickelt. Zur Verbreitung des "Santa Claus" in Deutschland hat vor allem die Coca-Cola-Werbung mit dem Weihnachtsmann seit den 1930er Jahren beigetragen.
"Nikolaus statt Weihnachtsmann!", fordert das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken in Paderborn. Anliegen ist es, den heiligen Nikolaus als Freund der Kinder und Helfer von Menschen in Not stärker in das Bewusstsein zu rücken. Drastischer formuliert es ein Kirchenmann aus Bayern. Der Weihnachtsmann sei "nur ein hässlicher alter Sack" im Gegensatz zum Heiligen Nikolaus, findet Winfried Röhmel, Pressesprecher des Münchener Erzbischöflichen Ordinariats. Zwar führe die Kirche keinen Kulturkampf gegen den Weihnachtsmann, dennoch bezweifle er, dass der "Weihnachtsmann als Riesenzwerg" eine große Reputation in Deutschland habe. Vielmehr hänge er den Menschen inzwischen zum Halse heraus. Hinter dem Schenken des Nikolaus stehe der soziale Gedanke des Gebens, da, wo es nötig sei. "Im christlichen Glauben gehören die Gottes- und die Nächstenliebe zusammen. Dies wird in Gestalt des Heiligen Nikolaus verkörpert", sagt Röhmel. Deshalb erlebe Bischof Nikolaus zurzeit auch eine Renaissance.
Anscheinend nicht in Kommern. Auch wer sich in Supermarktregalen umschaut, sieht vor lauter Weihnachtsmännern den Nikolaus nicht mehr. Dennoch, Franz-Josef Schmitz aus Mechernich wird nicht müde, jedes Jahr Kinder als Nikolaus zu überraschen. Sein aufwändig gearbeitetes Kostüm aus Samt, mit Rüschen und Bordüren verziert, befindet sich seit Jahrzehnten in Familienbesitz. Mit glänzenden Augen berichtet der 71-Jährige von seinen Ausflügen in die Kindergärten. "Da ist er, rufen die Kinder aufgeregt, wenn sie mich sehen und ich erzähle ihnen immer die Geschichte des Bischofs. Sein Name war Nikolaus, Schutzpatron der Schifffahrt."
Wie wurde aus dem Nikolaus der Weihnachtsmann?
Der Mann mit der goldenen Kugel
Nikolaus oder Weihnachtsmann?
Weihnachtsmannfreie Zone
Freilichtmuseum KommernStand: 04.12.2006, 06:00 Uhr
Programmhinweise, weitere Themen und Fotos