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Grenzübergreifendes Netzwerk gegen Krankenhauskeime
Deutsche und niederländische Fachärzte starteten am Donnerstag (19.11.09) in Enschede ein Projekt im Kampf gegen gefährliche Krankenhauskeime. Dr. Alexander Friedrich von der Uniklinik Münster zu den Problemen mit der Hygiene, den Keimen und dem Geld.
Seit mehreren Jahren arbeiten deutsche und niederländische Ärzte in der Grenzregion zwischen Münster und Twente gemeinsam daran, gefährliche Krankenhauskeime (
MRSA1)einzudämmen. Während diese Bakterien in den Niederlanden kaum noch in Kliniken zu finden sind, steigt ihre Zahl in Deutschland stetig an. In einem gemeinsamen Netzwerk haben die Mediziner bislang ihre Erfahrungen ausgetauscht. Mit dem neuen Projekt, dass vom Land NRW mit 1,6 Millionen Euro gefördert wird, gehen sie deutlich weiter: Gegenseitige Kontrollen, ein Frühwarnsystem, Fortbildungen des Krankenhauspersonals. Dr. Alexander Friedrich, Mikrobiologe der Uniklinik Münster, gehört zu den Gründern des Projektes.
WDR.de: Warum gibt es in den niederländischen Krankenhäusern so viel seltener Krankenhauskeime als hierzulande?
Friedrich: Da gibt es drei wichtige Gründe: Das ist zum Einen der Einsatz von Antibiotika, der in den Niederlanden sehr viel seltener durchgeführt wird, als bei uns - eben nur dann wenn es wirklich notwendig ist. Das Zweite ist: Hygienemaßnahmen im Krankenhaus werden konsequent umgesetzt und stehen nicht nur auf dem Papier. Und zum Dritten wird der Patient, der mit den Krankenhauskeimen
MRSA1 infiziert wurde, nicht nur im Krankenhaus versorgt, sondern auch beim Hausarzt. Das ist so in Deutschland nicht möglich. Eine Ausnahme ist hier nur das Euregiogebiet: Dort werden Patienten auch vorsorglich gegen MRSA behandelt, damit sie erst keine Infektion bekommen. Dies sind die Erfolgsgründe warum es in den Niederlanden so wenige MRSA in den Krankenhäusern gibt und wir in Deutschland bis zu 20 Mal mehr solcher Fälle haben.
WDR.de: Das klingt nach relativ einfachen Maßnahmen, die auch in Deutschland ergriffen werden könnten. Warum passiert das nicht?
Friedrich: Nun ja, es klingt erst mal nur so einfach. Zunächst müssen erst einmal Ärzte fortgebildet werden. Und es muss Ärzte geben, die sich mit der Antibiotika-Behandlung besonders auskennen. In den Niederlanden gibt es in allen Akutkrankenhäusern mehr als nur einen Facharzt für Mikrobiologie, der vor Ort dafür sorgt, dass es zu keinen MRSA-Infektionen kommt. In Deutschland haben nur fünf bis zehn Prozent der Krankenhäuser einen solchen Facharzt. Wenn jetzt aber alle Krankenhäuser einen solchen Facharzt haben wollen, müssten die erst mal ausgebildet werden. Das dauert viele Jahre.
Das Zweite ist die Umsetzung der Krankenhaushygiene. Die ist auf dem Papier sehr gut, das sagen selbst die Niederländer. Aber sie wissen auch, dass wir sie zum Teil gar nicht umsetzen können. Ich kann ja nicht nur sagen, wascht euch die Hände, sondern ich muss auch fragen, ob ich genug Hände für die vielen Patienten habe. Eine niederländische Pflegekraft versorgt ein bis zwei Patienten auf der Intensivstation, hier sind es drei bis vier.
WDR.de: Am Ende also vor allem eine Frage des Geldes?
Friedrich: Selbstverständlich. Ich kann MRSA und andere Infektionskrankheiten am Besten bekämpfen, wenn ich vorbeuge. Dazu gehört neben der Hygiene aber auch das entsprechende Personal. Dazu muss ich investieren. Das ist schwierig, denn ich stecke Geld in eine Sache, die zunächst keinen Gewinn bringt. Insgesamt rechnet sich das nur für die Gesamtheit der Krankenhäuser, nicht für jedes Einzelne.
WDR.de: Wäre es nicht aber ein Wettbewerbsvorteil für die deutschen Krankhäuser, sich besser im Kampf gegen MRSA aufzustellen?
Friedrich: Da hat sich in Folge der öffentlichen Diskussion tatsächlich schon etwas getan. MRSA ist aber nur ein Teil des Gesamtproblems, es geht ja um Antibiotika resistente Bakterien insgesamt. Und da gibt es Krankenhäuser, die sagen, dass sie mehr machen wollen, als sie müssen. Diese Kliniken werden letztendlich auch belohnt: Sie tun Gutes und können darüber reden. Das ist auch ein Grund, warum es unser Projekt gibt. Wir haben ein entsprechendes Qualitätssiegel. Damit kontrollieren die Gesundheitsämter und die Niederländer, ob wir auch das tun, was wir sagen. Wer alles umsetzt, bekommt das zeitlich begrenzte Siegel. So können die Krankenhäuser zeigen, dass sie mehr für ihre Patienten tun als sie müssten.
Das Interview führte Robert Franz
MRSA steht für multi-resistenter Staphylococcus aureus. Er ist ein kugelförmiges Bakterium, das meist in Trauben angeordnet ist. Der Erreger lebt auf der Haut oder in der Nase des Menschen und kann dort keinen Schaden verursachen. Es kommt erst dann zu einer Infektion, wenn er in eine Wunde gelangt oder das Immunsystem geschwächt ist. In diesem Fall kann er sehr gefährlich werden. Entzündungen der Haut und Knochen, Infektionen des Herzens und der Lungen bis hin zu einer Blutvergiftung mit tödlichem Ausgang sind dann möglich. Die Behandlung ist sehr schwierig, da die meisten Antibiotika mittlerweile wirkungslos sind. MRSA gilt als einer der häufigsten Erreger in Krankenhäusern.
Stand: 19.11.2009, 17:16 Uhr
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