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Königliche Hilfe gegen Demenz

Silvia von Schweden eröffnet Demenzstation in Köln

Von Annika Franck

Vor 13 Jahren gründete die schwedische Königin Silvia eine Stiftung für Demenzkranke. Am Samstag (17.10.09) wurde in Köln die erste Einrichtung nach dem Silviahemmet-Prinzip in Deutschland eröffnet - von der Monarchin persönlich.

Königin Silvia bei der Ankunft in Köln; Rechte: ddpBild vergrößern

Leicht verspätet: Königin Silvia

Am Anfang stand eine Irrfahrt: "Wir sind mit einem fabelhaften GPS in der falschen Klinik gelandet", erklärte Königin Silvia von Schweden bei ihrer Ankunft im Kölner Hildegardis Krankenhaus. Dabei lächelte die Königin so charmant ins Blitzlicht der Kameras, dass ihre Verspätung schon vergessen war. Seit 15 Jahren kümmert sich die deutschstämmige Monarchin um die Belange dementer Patienten und gründete 1996 die Stiftung Silviahemmet1. Am Samstag eröffnete sie die erste Demenz-Station nach dem Silviahemmet-Prinzip in Deutschland.

Die Königin erinnert sich noch an ihren ersten Besuch in einer Stockholmer Tagesklinik: "Eine Frau bat mich, neben ihr Platz zu nehmen und fragte mich, wo ich wohne. Ich antwortete: 'Im Schloss'. Sie fragte: 'Hast du vielleicht den Kronprinzen gesehen? Er hat so schöne Locken.' Mir wurde klar, dass das Gedächtnis dieser Frau 1960 stehen geblieben war. Sie wusste nicht, dass der Kronprinz inzwischen ein leicht ergrauter König und mit mir verheiratet ist und wir drei erwachsene Kinder haben." Von Demenz habe sie damals keine Ahnung gehabt. "Ich habe aber festgestellt, dass ich die kranken Menschen respektieren muss."

Unterstützung in allen Stadien der Krankheit

Nonnen mit schwedischen Fähnchen. Rechte: ddpBild vergrößern

Zurückhaltende Begeisterung

Die Entfremdung, den Verfall und das unaufhaltsame Abgleiten eines geliebten Menschen in eine eigene Welt hat die Königin zudem bei ihrer Mutter, die 1997 starb, hautnah miterlebt. "Sie litt an Demenz, und es hat mich sehr betroffen gemacht, als ich meine Mutter so gesehen habe", sagte die Monarchin. "Die Angehörigen sind eine Brücke zwischen zwei Welten, damit sich die Patienten sicher und geborgen fühlen." Dafür bräuchten aber auch die Angehörigen viel Wissen über Stadien, Verlauf und Behandlung der Krankheit. Ziel der Stiftung ist es, durch gezielte Ausbildung der Pflegekräfte und Betreuer von Demenzkranken - dazu gehören auch die Angehörigen - in allen Stadien der Krankheit die bestmögliche Behandlung und Unterstützung zu geben.

Auch Taxifahrer gehören zum Team

Königin Silvia durschneidet rotes Band. Rechte: dpaBild vergrößern

Feierliche Einweihung durch königliche Hand

Auf der neuen Station Silvia des Kölner Malteser-Krankenhauses St. Hildegardis werden bis zu acht Patienten betreut, deren akute Erkrankung in der Regel nicht mit der Demenz zu tun hat. Gerade für diese Patienten sind ritualisierte Abläufe in ihrem Alltag wichtig, und genau das soll auf der Station gewährleistet sein. "Uns hat der ganzheitliche Ansatz von Silviahemmet überzeugt: Geschult werden eben nicht nur die Pflegekräfte, sondern auch Ärzte, Reinigungskräfte, Köche, Angehörige - und die Taxifahrer, die die Patienten in die Einrichtung fahren", erklärt Ursula Sottong vom Malteser Hilfsdienst ihre Faszination. "Vor allem der Teamgedanke hat mich begeistert." Dabei steht immer der Patient im Mittelpunkt, an ihm orientieren sich die Menschen, die sich um ihn kümmern und ihm im Alltag begegnen - was nach Ansicht vieler Experten in Deutschland bisher viel zu selten geschieht.

Eigentlich klingt es ganz einfach

Königin Silvia spricht mit Demenz-Patientin. Rechte: dpaBild vergrößern

Königin Silvia mit einer Patientin der neuen Station

"Die Behandlung und Pflege von Demenzkranken bedeutet Stress, der häufig von Angehörigen und auch dem Pflegepersonal unterschätzt wird", sagt Claudia Kaminski, Sprecherin des Malteser Hilfsdienstes. Wenn aber alle Beteiligten über den Verlauf der Krankheit Bescheid wüssten, könnten sie beispielsweise auch besser damit umgehen, wenn der Patient innerhalb weniger Minuten immer wieder die gleiche Frage stelle. "Für die Angehörigen ist es wichtig zu wissen, dass man das alles nicht alleine schaffen muss", betont Kaminski. So helfe eben auch der Taxifahrer, der einen Patienten regelmäßig in eine Einrichtung bringt, bei der Behandlung. "Er beobachtet die Tagesform seines Mitfahrers. Bei der Übergabe in der Klinik oder der Einrichtung kann er dann dem Personal dort berichten, wie der Patient an diesem Tag drauf ist." Diese "einleuchtende Einfachheit", wie man teilweise vor allem durch bessere Kommunikation das Leben der Patienten erleichtern kann, hat Kaminski fasziniert.

Schulung für das gesamte Krankenhaus

Die schwedische Stiftung kümmert sich vor allem um die Ausbildung und Supervision auch der Malteser in Köln: "Das gesamte Krankenhaus wurde geschult", erklärt Ursula Sottong. Der erhöhte Personalbedarf auf der neuen Station, den die Methode erforderlich macht, soll über geschulte ehrenamtliche Kräfte abgedeckt werden. Sie helfen beim Essen, Backen und Kochen und kümmern sich um die Freizeitgestaltung wie Nähen und Basteln.

Langfristig planen die Malteser als deutscher Kooperationspartner der Stiftung eine möglichst flächendeckende Versorgung nach dem Silviahemmet-Prinzip zumindest in ihren Einrichtungen. Zunächst wird im Malteser-Krankenhaus Bonn, einer Altenhilfe-Einrichtung in Rheinbach sowie bei mobilen Pflegediensten in Aachen und Düsseldorf auf die schwedische Methode umgestellt.

Immer mehr Menschen betroffen

Königin Silvia sitzt vor Mensch ärgere dich nicht Spiel. Rechte: dpaBild vergrößern

Wichtig: Zeit zum Spielen

"Unser System muss den Erkrankten ermöglichen zu leben", sagt Sottong. Dabei weisen Experten immer wieder darauf hin, dass künftig deutlich mehr Menschen von Demenz betroffen sein werden: Derzeit gibt es deutschlandweit rund 1,2 Millionen Betroffene. Die Fachleute rechnen aber mit mehr als zwei Millionen Erkrankten im Jahr 2030 - weil immer mehr Menschen immer älter werden. Immerhin sind die Angebote für demente Patienten in NRW nach Einschätzung des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) gut vernetzt. Die elf Demenzzentren im Land "wissen sehr gut Bescheid über alle Angebote", betont KDA-Sprecherin Christine Sowinski. Verbesserungsbedarf bestehe vor allem noch bei der Information der Betroffenen: Die wissen häufig nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn ein Familienangehöriger oder der Partner möglicherweise erste Zeichen von Demenz zeigt. "Eine frühe Diagnose ist essentiell wichtig", betont auch Königin Silvia bei ihrer Stippvisite in Köln.

Der prominente Gast aus Schweden enthüllte zudem den "Meilenstein" für eine Silviahemmet-Tageseinrichtung für zehn bis zwölf Patienten samt Schulungszentrum am Hildegardis-Krankenhaus. Beides soll 2010 gebaut und 2011 eröffnet werden. Allerdings ist die Finanzierung der rund 800.000 Euro noch nicht gesichert.

Stichwörter

1 Silviahemmet

Silviahemmet ist Schwedisch und bedeutet so viel wie "Silviaheim". Das Konzept überträgt den Ansatz der Palliativpflege auf Patienten, die an Demenz leiden. Sie sollen eine aktive, umfassende Behandlung erhalten, auch wenn ihre Krankheit nicht heilbar ist. Dieser Behandlungsansatz umfasst beispielsweise Kontrolle von Schmerzen, aber auch die Behandlung psychologischer und spiritueller Probleme.

In der ursprünglichen Silviahemmet-Tagesklinik in der Nähe des königlichen Schlosses in Stockholm lesen die Patienten sich gegenseitig vor. Es wird gemeinsam gekocht und gegessen. So soll der geistige Verfall verlangsamt und das Leben der Patienten so angenehm wie möglich gestaltet werden. Bei dem Ansatz spielt auch die Raumgestaltung eine Rolle: Da die Farben Rot und Gelb am längsten im Gedächtnis bleiben, bildet die Farbgestaltung der Räume ein stützendes Element in den Silviahemmet-Einrichtungen - beispielsweise sind die Lichtschalter rot.

Die Silviahemmet-Stiftung wurde 1996 von der schwedischen Königin Silvia gegründet. Die Stiftung leistet vor allem Unterstützung bei der Ausbildung etwa der sogenannten Silvia-Schwestern nach diesen Prinzipien. In Schweden ist die Stiftung Träger des nationalen Kompetenzzentrums Demenz.

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Stand: 17.10.2009, 13:57 Uhr



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