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Jugendliche trinken exzessiver

Drogen- und Suchtbericht 2008 der Bundesregierung

Dem aktuellen Drogenbericht der Bundesregierung zufolge konsumieren Jugendliche zwar weniger Tabak und Cannabis, dafür trinken sie aber deutlich mehr und exzessiver. WDR.de sprach mit Niklas Quecke, der in der Essener Suchtstation Kinder und Jugendliche betreut.

WDR.de: Die Drogenbeauftragte des Bundes, Sabine Bätzing, hat am Montag (05.05.08) in Berlin den Drogenbericht 2008 vorgestellt. Danach ist der Konsum von sogenannten Alkopops drastisch gesunken. Gleichzeitig sind die Konsummengen von Alkohol bei Kindern und Jugendlichen stark angestiegen. Ein Widerspruch?

Jugendliche trinken Alkohol und rauchen; Rechte: dpaBild vergrößern

Jugendlichen trinken mehr Alkohol

Niklas Quecke: Nein, das ist kein Widerspruch. Alkopops sind verteuert worden. Insofern nehmen sich die Jugendlichen das, was sie am ehesten bezahlen können. Das ist dann meistens hochprozentiger Schnaps, weil da in Relation zum Preis mehr Alkoholgehalt drin ist. Sie können sich also schneller betrinken mit einer Flasche Wodka als mit einer Flasche Alkopop.

WDR.de: Dann hat also die Erhöhung der Steuer auf Alkopops gar nichts gebracht oder sogar das Gegenteil erwirkt?

Quecke: Das könnte so sein. Der Gesetzgeber hat mit Recht verboten, hochprozentigen Alkohol an Jugendliche auszugeben. Die Jugendlichen besorgen ihn sich aber dennoch, am Kiosk oder im Supermarkt. Oder sie schicken Ältere los, um sich alkoholhaltige Getränke zu besorgen.

WDR.de: Ab wann gelten Jugendliche als abhängig?

Niklas Quecke; Rechte: WDR/LVRBild vergrößern

Niklas Quecke

Quecke: Die Häufigkeit allein ist kein Kriterium für eine Abhängigkeit. Es gibt sieben bis acht Kriterien, die eine Abhängigkeit im wissenschaftlichen Sinne definieren: starker Suchtdruck zum Beispiel, die Vernachlässigung anderer Interessen wie Hobbys oder der Schule. Die mangelhafte oder verloren gegangene Steuerbarkeit der Menge der Substanz oder auch der Zeitpunkt für den Konsum von Alkohol oder Cannabis sind ebenfalls Signale für eine Abhängigkeit. Aber jeder, der regelmäßig an Wochenenden trinkt, ist hochgradig gefährdet, in eine Sucht zu geraten.

WDR.de: Warum ist der Konsum von Alkohol und anderen Substanzen für Kinder und Jugendliche besonders gefährlich?

Quecke: Alkohol ist ein starkes Nervengift. Das jugendliche Gehirn ist in der Entwicklung. Wenn da toxische Substanzen, dazu zählt auch Cannabis, eingenommen werden, beeinträchtigen sie die Funktionen des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit. Jugendliche vergiften sich beim "Binge Drinking" (Konsum von fünf oder mehr alkoholischen Getränken hintereinander, Anm. d. Redaktion) und beim Cannabis-Konsum. Das hat sehr langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns und auch des sozialen Verhaltens.

WDR.de: Das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Schulen hat offensichtlich erste Früchte getragen: Jugendliche rauchen weniger im Vergleich zum Vorjahr. Lässt sich das Verbot noch ausdehnen?

Mädchen zündet sich eine Zigarette an; Rechte: WDRBild vergrößern

Weniger Jugendliche rauchen

Quecke: Ich möchte bezweifeln, dass man nach so einer kurzen Zeit - das Rauchverbot an Schulen ist ja erst vor einigen Jahren eingeführt worden - von einem Ergebnis des Rauchverbotes sprechen kann. Aus meiner Sicht hat der Rückgang des Rauchens den wesentlichen Grund, dass Zigaretten so teuer geworden sind. Die Gesetzeslage mit dem neuen Jugendschutzgesetz ist gut und eigentlich ausreichend. Es hapert eher an der Kontrolle.

WDR.de: Es gibt verschiedenen Aufklärungs- und Präventionsprogramme der Ministerien. Was kann man noch tun, um Jugendliche vom Drogenkonsum fernzuhalten?

Quecke: Ein wesentlicher Faktor ist die Aufmerksamkeit der Eltern. Wenn sie mitbekommen, dass ihr Kind Alkohol oder andere Drogen konsumiert, sollten Eltern frühzeitig intervenieren: wohlwollend, aber deutlich.

Das Gespräch führte Anja Funk

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Stand: 05.05.2008, 15:34 Uhr



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