Mindestens 46 Schüler der japanischen Schule in Düsseldorf haben sich mit der sogenannten Schweinegrippe angesteckt. Auch in Köln ist bei acht Schülern des Irmgardis-Gymnasiums das neue Grippevirus H1N1 nachgewiesen worden.
Am Freitagmorgen (12.06.09) teilte das Gesundheitsamt in Düsseldorf mit, dass sich die Zahl der erkrankten Kinder auf 46 erhöht hat. Sie befänden sich mit ihren Familien zuhause in Quarantäne. Zwei von ihnen sollen schwerer erkrankt sein, eines sei zur Behandlung in der Uniklinik gewesen, so der Leiter der Düsseldorfer des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, Heiko Schneitler. An der Schule wurden am Vortag hunderte Eltern und Kinder auf das neue H1N1-Virus getestet. Bis Freitagmittag sollten alle Tests ausgewertet sein.
Insgesamt gehen rund 530 Kinder in die japanische Schule, fast 50 Lehrer sind dort beschäftigt. Erkrankt sind vor allem Kinder der sechsten Klassen. Die Schulleitung erklärte, die Schule werde bis mindestens Ende nächster Woche geschlossen bleiben. Wie die Krankheit eingeschleppt wurde, war vorerst unklar. Es gebe auf jeden Fall zwei Infektionsketten, sagte Schneitler. Zunächst sei ein Sechsjähriger erkrankt, dessen Familie kürzlich Urlaub auf Malta gemacht hatte. Davon unabhängig habe es Infektionen bei Schülern der sechsten Klasse gegeben, die vergangene Woche mehrtägige Ausflüge mit dem Bus gemacht hatten. Danach hätten einige von ihnen über Fieber, Schnupfen und Heiserkeit geklagt.
Im Kölner Irmgardis-Gymnasium findet vorerst nur am Freitag (12.06.09) kein Unterricht statt. Eine 13-jährige Schülerin hatte am vergangenen Wochenende über Fieber und Husten geklagt. Nach dem Besuch beim Arzt hatten erste Test auf das neue Grippevirus H1N1 hingedeutet. Bis zum Mittwochabend (10.06.09) wurde bei vier weiteren Schülern des Gymnasiums der Erreger festgestellt. Am Freitag (12.06.09) war die Zahl der Erkrankten auch hier gestiegen, wenn auch nicht so dramatisch wie in Düsseldorf.
Von einem milderen Verlauf als bei der üblichen winterlichen Grippe sprach der Leiter des Kölner Gesundheitsamtes, Jan Leidel. Er rechnet mit einer weiteren Ausbreitung der Krankheit an der betroffenen Schule. Die Schulleiterin betonte, mit dem Unterrichtsausfall am Brückentag vor allem zur Beruhigung der besorgten Eltern beitragen zu wollen. Die Gesundheitsdezernentin der Stadt, Marlies Bredehorst (Grüne), sprach von einer beginnenden
Pandemie1 mit mildem Verlauf.
Um die mögliche Aubreitung der Krankheit zu untersuchen, kommt ein Expertenteam des Robert-Koch-Instituts aus Berlin nach Köln. Mittlerweile sind Dutzende von Fällen in NRW diagnostiziert worden. Auch zwei Touristen, die am Dienstag (09.06.09) aus Los Angeles gekommen waren und nach der Landung am Düsseldorfer Flughafen über Unwohlsein geklagt haben, sind mit dem Erreger infiziert. Sie werden in der Uniklinik behandelt.
Mit einer bundesweiten Verbreitung der Schweinegrippe rechnet Dr. Ortwin Adams: "H1N1 hat das Potenzial, sich flächendeckend auszubreiten. Seit Jahrzehnten hat sich erstmals wieder ein neuer Influenza-Erreger entwickelt, gegen den niemand immun ist", erklärt der Mediziner vom virologischen Institut der Universität Düsseldorf. Derzeit breite sich die Krankheit vor allem in Australien rasant aus. "Dort ist jetzt Winter und in der kalten Jahreszeit ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch." Die Sommerurlauber könnten die Viren vom anderen Ende der Welt nach Deutschland einschleppen. Adams rät Reisenden, die nach Amerika oder Australien fliegen, Menschenansammlungen zu meiden. "Das gilt ganz besonders in Mexiko." Warum dort überdurchschnittlich viele Erkrankte gestorben sind, ist auch dem Mediziner ein Rätsel. "Dafür gibt es bisher keine Erklärung."
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Schweinegrippe zur Pandemie erklärt und die höchste Alarmstufe sechs ausgerufen. Das teilte das schwedische Sozialministerium in Stockholm am Donnerstag mit. Die Schweinegrippe gilt damit als Krankheit mit weltweiter Ausbreitung.
Derzeit hat die WHO rund 28.000 Fälle der neuen Grippe in 74 Ländern registriert. 141 dieser Erkrankten sind gestorben. Mit der Alarmstufe sechs fordert die WHO alle Mitgliedsländer auf, ihre Gesundheitssysteme auf eine intensive Bekämpfung der Grippe umstellen. Auch sollen Impfstoffe verstärkt produziert und gelagert werden.
Während eine Epidemie auf eine bestimmte Region beschränkt ist, kann eine Pandemie weltweit ausbrechen. Sie ist demnach eine globale Epidemie. Pandemien können große Teile eines Landes oder Erdteils befallen. Es gibt aber auch Gebiete, die verschont bleiben können, zum Beispiel Inseln oder abgelegene Regionen.
Beispiele für Pandemien sind die Spanische Grippe (1918-1920) oder Aids (seit etwa 1980). Begünstigt wird die Ausbreitung vor allem durch den Flugverkehr. Das Wort Pandemie leitet sich auf dem Griechischen ab: "Pan" bedeutet "alles", "demos" heißt übersetzt "Volk". Das Wort "Pandemie" bezeichnet also etwas, das alle Menschen betrifft.
Stand: 12.06.2009, 09:28 Uhr
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