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Andrea Riccardi erhält Karlspreis 2009

Auszeichnung für Begründer einer geistlichen Bewegung

Der Begründer der geistlichen Bewegung Sant' Egidio, Andrea Riccardi, erhält im kommenden Jahr den 50. Internationalen Karlspreis zu Aachen. Das teilte am Samstag (06.12.08) das Karlspreis-Direktorium in Aachen mit.

Andrea Riccardi, Gründer der katholischen Laienorganisation Sant'Egidio; Rechte: dpaBild vergrößern

Andrea Riccardi

Riccardi sei ein großer Europäer, der sich im Sinne der Nächstenliebe und -hilfe in den Dienst seiner Mitmenschen stelle, begründete das Karlspreisdirektorium1 die Wahl. "Riccardi und Sant' Egidio schaffen für die europäische Gesellschaft den sozialen Kitt", sagte Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD). Mit dem Preisträger setze der Karlspreis ein Zeichen für das soziale Europa und die Rolle Europas für Frieden in der Welt.

Der Preis wird am 21. Mai 2009, an Christi Himmelfahrt, verliehen. "Wir werden einen nicht unpolitischen, aber etwas anderen Karlspreis erleben", kündigte Linden mit Blick auf den in der langen Liste von Politikern ungewöhnlichen Preisträger an.

"Dem Nächsten helfen"

"Was Riccardi mit der Gemeinschaft tut, ist die Stärkung der Zivilgesellschaft", sagte Linden. Der 58-jährige Römer hatte die Gemeinschaft 1968 im römischen Stadtteil Trastevere gegründet, um armen Menschen mit Essen und Bekleidung zu helfen. Heute gebe die weltweite Laienbewegung mit 50.000 Mitgliedern auch jungen Menschen eine Perspektive. "Riccardis Grundsatz 'Keiner ist so arm, dass er nicht dem Nächsten helfen kann' ist der Spirit seines Handelns", sagte Linden.

"UNO von Trastevere"

Das Direktorium würdigte den Historiker auch als Friedensstifter in der Welt. Sein größter Verdienst sei sein Beitrag zum Frieden in Mosambik 1992 nach 18-jährigem Bürgerkrieg. In zwei Jahre langen Verhandlungen hätten Riccardi und andere Mitglieder der Bewegung ein Stück gegenseitiges Vertrauen zwischen den Bürgerkriegsparteien und die Grundlage für den Frieden geschaffen.

Riccardi habe "abseits der diplomatischen Hauptstraßen" viele andere diplomatische Aufgaben in den Konfliktherden der Welt übernommen - so in Algerien, Burundi, Guatemala, Uganda, im Kongo und im Kosovo. Dabei habe er die europäischen Werte Frieden, Freiheit und Würde in die Welt getragen. "Man nennt ihn und die Gemeinschaft die UNO von Trastevere", sagte Linden. In Italien fordere Riccardi im Gegenkurs zur Berlusconi-Regierung die Integration von Flüchtlingen in die italienische Gesellschaft. Er kümmere sich um Flüchtlinge auch bei Besuchen in den Camps.

Lob für interkulturellen Dialog

Der Karlspreis würdigt auch den interreligiösen und interkulturellen Dialog von Sant' Egidio beim jährlichen Friedenstreffen der Weltreligionen. Dabei suchten die Mitglieder nach Konfliktlösungen "und versuchen mit Erfolg, zum Frieden beizutragen", sagte Linden. Der Karlspreis wolle die Bedeutung dieses Dialogs unterstreichen.

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1 Internationaler Karlspreis zu Aachen

Der Internationale Karlspreis zu Aachen wurde Weihnachten 1949 von Bürgern der Kaiserstadt gestiftet. Er wird seit 1950 jedes Jahr am Himmelfahrtstag vergeben. Ausgezeichnet wird damit die europaweit beste Leistung im Dienst der Verständigung und der internationalen Zusammenarbeit.

Zum Namensgeber des Preises wurde Karl der Große, der als erster Einiger Europas gilt. Er wählte Ende des achten Jahrhunderts Aachen zu seiner Lieblingspfalz. Der Preis besteht aus einer Medaille und der Summe von 5.000 Euro. Auf der Vorderseite der Medaille ist das älteste erhaltene Aachener Stadtsiegel abgebildet.

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Stand: 06.12.2008, 16:46 Uhr


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