Während eines Festgottesdienstes zur Einweihung des neuen Kölner Kunstmuseums Kolumba sagte Kardinal Meisner, Kultur, die von der Gottesverehrung abgekoppelt werde, drohe zu entarten. NRW -Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff kritisierte diese Wortwahl.
Wörtlich sagte der Kardinal am Freitag (14.07.09) im Kölner Dom: "Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte." Diese Wortwahl rief Irritationen und heftige, deutliche Kritik hervor. So sagte der nordrhein-westfälische Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU): "Dass Kardinal Meisner sich zu einem solchen Sprachgebrauch hinreißen lässt, ist erschreckend und zeigt, dass er keinerlei Zugang zu Kunst und Kultur hat. " Im "Kölner Stadt-Anzeiger" sagte er, das Wort "entartete Kunst" stehe für eines der schlimmsten Kapitel der deutschen Geschichte und einen katastrophalen Umgang mit Kunst und Kultur. Bereits Meisners Äußerungen zum neuen, von Gerhard Richter entworfenen Fenster im Kölner Dom hätten "bewiesen, dass es wenig Sinn macht, mit ihm über Kunst zu diskutieren. Und das sage ich nicht nur als Kulturstaatssekretär, sondern auch als Katholik".
Im Domradio verteidigte der Kardinal später seine Wortwahl: Er habe mit der Aussage lediglich deutlich machen wollen: "Wenn man Kunst und Kultur auseinanderbringt, dann leidet beides Schaden. Das war die schlichte Aussage dieser Passage." Und sein Sprecher Stephan Schmidt interpretierte die Äußerung am Freitagabend wie folgt: Meisner lasse keineswegs alte Ideologien zu neuer Ehre kommen. Das Wort "entartet" habe er als rhetorisches Mittel verwendet, um die Ideologen des 20. Jahrhunderts mit ihren eigenen Begriffen zu schlagen. Der Erzbischof habe in seiner Predigt bewusst Bezug auf die grausamen Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts genommen, betonte der Sprecher. Damit habe er verdeutlichen wollen, was in einer Gesellschaft passiere, die Gott vergesse. "Der Erzbischof will gerade nicht den Ideologen des 20. Jahrhunderts die Deutungshoheit über das, was Kultur ist, überlassen.", sagte Schmidt.
Kardinal Meisner hatte im August für Wirbel gesorgt: Dem Einweihungsgottesdienst (25.08.07) für das neue Domfenster von Gerhard Richter blieb er demonstrativ fern. Er hätte sich lieber eine figürliche Darstellung gewünscht. Das Richter-Fenster passe besser in eine Moschee, so der Kardinal.
Die Nationalsozialisten hatten moderne Kunst als "entartet" diffamiert und unter anderem die Künstler Max Beckmann, Ernst Barlach, Max Ernst, Paul Klee und August Macke mit einem Berufsverbot belegt und ihre Werke in einer Ausstellung in herabwürdigender Weise präsentiert.
"Ein Fenster für die Ewigkeit"
Kardinal Meisner gegen Richter-Fenster
Richter weist Meisner-Kritik an Kölner Domfenster zurück
domradio.deStand: 14.09.2007, 20:27 Uhr
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