Von Jennifer Bender
Der Altenberger Dom strahlt wieder. Zwölf Jahre hat die schwierige Restaurierung gedauert. Einsturzgefährdeten Pfeilern und gefrorenem Weihwasser zum Trotz: Die Arbeiten haben sich gelohnt.
Gefahr von Steinschlag, offene Giebel, verwitterte Fugen, Wurzeln im Mauerwerk und eine "klatschnasse Kirche": Das war der Altenberger Dom vor der Restaurierung. "Den Dom gesundbeten? Das konnte man getrost vergessen", so Restaurator Andreas Stürmer vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Bald 20 Jahre sind seit den ersten Gedanken an eine Sanierung des Altenberger Doms im Bergischen Land vergangen. Über ein Jahr erstrahlt das gotische Bauwerk, das katholische und evangelische Christen gleichermaßen nutzen, nun wieder in neuem Glanz. An diesem Freitag (25.08.06) sind die Arbeiten offiziell beendet.
Andreas Stürmer war federführend für die Restaurierung des Gotteshauses verantwortlich. Und mit ihm arbeiteten Statiker, Steinmetze, Bauforscher, Geologen, Zimmerleute, Dachdecker und weitere Spezialisten des Bau- und Liegenschaftsbetriebs und der Denkmalbehörde Köln an dem großen Projekt.
Es hat sich einiges getan am Altenberger Dom. Das ist unübersehbar, auch wenn sich Stürmer wünschen würde, dass kein Dombesucher die Neuerungen bemerkt. Denn eigentlich sollte das bei jeder Kirchenrestauration oberste Priorität genießen, dass man eben nichts davon sieht, meint er. Die Ausbesserungen am Dom waren zwingend erforderlich, sichtbare Korrekuren blieben unumgänglich.
Die grauen und rötlichen Töne des Innenraumanstrichs hat das Team erneuert, eine farbliche Veränderung gab es nur bei den vorderen beiden Säulen am Eingang: Hier hat man sich für einen weißen Anstrich entschieden. Grund dafür ist ein Gutachten der Bauforscher: Sie haben herausgefunden, dass die beiden Eingangssäulen beim Bau im Jahre 1259 weiß gewesen sein müssen. Durch die weiße Farbe kommt das Westfenster nun noch besser zur Geltung, viel heller erscheint der Blick vom Chor auf den Eingangsbereich.
Die restlichen Ausbesserungen fallen dann nur noch wachsamen Augen auf: Fünf neue Querstangen im Chor, im Fachjargon "Zugstangen" genannt, sollen die Statik des Gebäudes verbessern. Der Gewölbedruck war sehr hoch und die Mauern standen schief. "Durch die Zugstangen wird der Status quo eingefroren", so Stürmer. Ihm war zu Beginn nicht klar, wie stark das Bauwerk verformt ist. Bis zu 16 Zentimeter Ausweichung wurden gemessen. Doch rückgängig machen kann und will er die minimale Neigung nicht. "Solche Bauwerke bewegen sich nunmal. Ihnen die Bewegungsfreiheit zu nehmen wäre fatal", sagt Stürmer.
Solche Zugstangen sollen auch im Außenbereich der Kirche Stabilität erzielen. Zusammen mit mehreren Konterplatten entlasten sie die historische Konstruktion deutlich. Während der Arbeiten hatte Stürmer auch Angst vor einem teilweisen Einsturz einzelner Domabschnitte. Zeitweise mussten alte Stützen entfernt und neue angebracht werden. Für den Restaurator brenzlige Situationen, die ohne Zwischenfälle gemeistert wurden. Ein "Wahnsinnsstützkorsett" hat den Dom nun fest im Griff.
Die Restauratoren verbleiten Außenfugen, damit kein Regenwasser zwischen die Steine gelangen kann. Neue Fallrohre leiten das Wasser jetzt nach unten. So bleiben die traditionellen Wasserspeier oben am Dom zwar erhalten, eine Funktion haben sie jedoch nicht mehr. Immer wieder seien kleinste Samenkörner mit dem Wind in Strebepfeiler und Wasserspeier gelangt, hätten diese irgendwann mit ihren Wurzeln verstopft und ein undichtes Entwässerungssystem zur Folge gehabt, so Stürmer.
Mauerwerk wurde ebenfalls ausgewechselt. Da nicht immer die entsprechenden Steine gefunden werden konnten, ersetzten sie Trachyte und Tuffsteine mit Muschelkalksteinen. "Materialtourismus" nennt der er das.
Eine besondere Herausforderung war das berühmte Westfenster der Kirche. Es gilt als das größte gotische Kirchenfenster nördlich der Alpen. Für die Ausbesserungen haben es die Restauratoren komplett heraus genommen - im Winter. Gesprungenes Glas wurde verklebt und verwitterte Schichten abgetragen. Eine Schutzverglasung soll das Fenster jetzt vor äußeren Einflüssen schützen. Stürmer erinnert sich an die Bauphase: "Da das Westfenster gefehlt hat, wurde es extrem kalt im Dom, schlussendlich ist uns das Weihwasser eingefroren".
Missgeschicke dieser Art sind dem Team selten passiert und auch der normale "Kirchenbetrieb" wurde nicht außergewöhnlich strapaziert, sagt der Restaurator. An Baugerüste mussten sich die Dombesucher in den vergangenen Jahren allerdings gewöhnen. Keinen Tag sah man den Dom "gerüstfrei". Zwischenzeitlich existierte sogar eine Art Plateaugerüst im Dom, direkt über dem Eingang. "Unten war die Messe und oben haben wir gearbeitet", erzählt Stürmer. Aber die Besucher hat es nicht gestört, ist er sich sicher. Heute sind sie entschädigt: "Beim Anblick des Doms wissen sie, dass sich die Strapazen gelohnt haben".
Altenberger Dom
Katholische Pfarrgemeinde Altenberg
Evangelische Kirchengemeinde Altenberg
Internetauftritt des Landschaftsverbandes RheinlandStand: 25.08.2006, 00:00 Uhr
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