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Superwahljahr für Katholiken

Pfarrgemeinderatswahlen 2009 in NRW

Von Marion Linnenbrink

Rund 7 Millionen Katholiken waren am Wochenende (7./8.11.09) in NRW aufgerufen, die neuen Pfarrgemeinderäte zu wählen. Seit zwei Jahren verändert sich das Kirchenleben. Fusionen und Kooperationen von Pfarreien sorgen für Ängste, aber auch Aufbruchstimmung.

Stephan Engels, Berater im Diözesanrat des Kölner Erzbistums; Rechte: Stephan EngelsBild vergrößern

Stephan Engels

Das Telefon von Stephan Engels steht in den letzten Wochen nicht mehr still. Der Berater im Diözesanrat des Kölner Erzbistums ist erster Ansprechpartner für alle Pfarrgemeinden im Hinblick auf die anstehenden Wahlen. "Typische Fragen sind: Wie organisieren wir die Wahl? Wie ist es bei uns - im Erzbistum Köln - mit den neuen Wahlbezirken? Wie regeln wir das? Wie finden wir die Kandidaten?" Natürlich erreichen ihn auch viele Anfragen per Mail. Auf einer Internetseite haben die fünf Bistümer in NRW, also Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn alle notwendigen Formulare für die Organisatoren der Pfarrgemeinderatswahlen zum Herunterladen aufgelistet.

Pfarrgemeinderatswahlen seit 40 Jahren

Beendigung des zweiten Vatikanischen Konzils 1965; Rechte: akg-imagesBild vergrößern

Konzil beschloss mehr Mitsprache

Seit über 40 Jahren haben die Gläubigen in den katholischen Kirchengemeinden in Deutschland eine Art Mitspracherecht. Denn nach Beschluss des "Zweiten Vatikanischen Konzils" (1962 - 1965) wurden in den Pfarrgemeinden Räte eingeführt. Diese Pfarrgemeinderäte werden - ähnlich wie der Stadtrat von den Bürgern - von den Mitgliedern der Pfarrgemeinde gewählt. Im Vier-Jahres-Rhythmus sind die im Schnitt 12-köpfigen Gremien beauftragt, mit den Seelsorgern - also Pastoren, Diakonen oder Pfarrvikaren - zusammen das Gemeindeleben zu gestalten.

Reformen verändern Pfarrzuständigkeiten

Der Dom in Aachen mit der Pfalzkapelle (27.04.07); Rechte: WDR/Matthias KehreinBild vergrößern

Nur noch 70 Pfarrgemeinderäte für Aachen

Damit sind die anstehenden Wahlen für die Pfarrgemeinderäte in NRW am kommenden Wochenende eigentlich nichts Neues. Eigentlich. Aber seit zwei Jahren durchzieht eine umfassende Reform die Bistümer. Das heißt vor allem: Gemeinden wurden zusammengelegt. In den Bistümern Essen und Aachen werden nur noch rund 50 beziehungsweise 70 Pfarrgemeinderäte gewählt. Im Vergleich dazu gibt es in Paderborn noch 773 Pfarreien und ebenso viele Räte. In einer Übergangssituation befindet sich Köln: Hier gibt es noch 182 sogenannte Seelsorgebereiche, die jeweils ein Gremium wählen lassen. Vor vier Jahren gab es noch 710 selbständige Gemeinden.

Beispiel Erzbistum Köln

Über 1,8 Millionen Katholiken sind allein im Erzbistum Köln aufgerufen rund 2.500 Männer und Frauen in die Pfarrgemeinderäte zu wählen. Vor vier Jahren gab es noch doppelt so viele Sitze in diesen Kirchengremien. Und trotzdem war die Suche nach den Kandidaten in der einen oder anderen Gemeinde in diesem Jahr schwierig. Denn die Aufgaben in den neuen, größeren Gemeinden sind neu definiert, schrecken mitunter ab. Dazu kommt, dass einige den Umbruch zum Ausstieg nutzen, wie Stephan Engels vom Diözesanrat weiß: "Was wir wahrnehmen ist, dass an so einem Umbruch viele Menschen auch sagen: Gut, ich habe das 10, 15, 20 Jahre gemacht, jetzt sollen das mal andere machen." Wo Kandidaten fehlen, wurden im Notfall einfach die Plätze in den Pfarrgemeinderäten verringert. Im Durchschnitt sind es zehn bis zwölf, jetzt aber manchmal auch nur acht.

Erste Erfahrungen in Bergisch Gladbach

Gläubiger in einer Kirche in Köln-Nippes; Rechte: WDR/Simin KianmehrBild vergrößern

Größere Gemeinden, mehr Arbeit

In Bergisch Gladbach zum Beispiel gibt es schon erste Erfahrungen mit der neuen Struktur. Hier wurde schon im März gewählt. Aus vier Pfarreien ist nun die Gesamtpfarre St. Laurentius geworden. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Norbert Kemper hatte anfangs mit Skepsis zu kämpfen, jetzt ziehen aber nach seiner Einschätzung alle an einem Strang und es gibt auch schon Veränderungen im Gemeindeleben: "Seit der Wahl im Frühjahr spricht man nicht mehr von den einzelnen Gemeinden, sondern nur noch von Sankt Laurentius. Was zusammengehört, muss auch zusammenwachsen - könnte man sagen." Er freut sich auf die neue Arbeit.

Kaum Änderungen beim Kirchenvorstand

Neben den Pfarrgemeinderäten werden an diesem Wochenende auch die Kirchenvorstände gewählt. Dies ist der weltliche Part der Kirchengemeinde und erfüllt ähnliche Aufgaben wie der Vorstand eines Sportvereins. Die Kandidaten für den Kirchenvorstand fanden sich meist schneller, denn sie übernehmen wichtige Verwaltungsfunktion in der Pfarre - und sie entscheiden über das Geld.

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Stand: 07.11.2009, 10:03 Uhr


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