Die eine Mannschaft besteht aus evangelischen Pfarrern, die andere aus muslimischen Imamen - und geleitet wird das Fußballspiel von einem jüdischen Schiedsrichter. Hinter dem sportlichen Vergleich stand die Botschaft: Sucht den Dialog.
Grün sind die Trikots der Imame - die Farbe ihrer muslimischen Religion. Die deutschen Geistlichen spielen in rot und blau, den "evangelischen" Farben. Auf der Brust aller Spieler aber prangt der gleiche Aufdruck: "Anstoß zum Dialog". "Wir wollen einander mit Respekt begegnen, gegenseitige Vorurteile im Gespräch abbauen", so lesen es Vertreter beider Mannschaften am Mittelkreis vor. Die "Dortmunder Selbstverpflichtung", die da vorgetragen wird, ist den Kirchenmännern mindestens ebenso wichtig, wie der sportliche Vergleich. "Wir bitten gemeinsam um Geduld, wenn wir auf dem Weg zueinander nur langsam vorankommen", heißt es weiter.
Schon im vergangenen Jahr hatten die Pfarrer aus Dortmund gegen die Imame Fußball gespielt. Unter bundesweitem und auch türkischem Medieninteresse unterlagen die evangelischen Kicker seinerzeit 4:7. Ein Rückspiel war für die frommen Sportler Ehrensache. Doch diesmal sollte der Dialog noch weitere Kreise ziehen: Vor dem großen Match fand bereits nachmittags ein Jugendturnier statt. Muslimische und christliche 12- und 13-Jährige sollten - in zum Teil gemischten Mannschaften - ein gemeinsames Erlebnis haben. "Wir wollen die Jugendlichen zusammen bringen", sagt Kadir Bübül von der Islamischen Gemeinde Hörde. Zwar gingen sie auch gemeinsam zur Schule oder in den Sportverein, aber hier sollten sich die jungen Menschen "noch besser kennen lernen."
Im Alltag sind Christen und Muslime ständig zusammen, in der Schule, bei der Arbeit. Doch den Initiatoren geht es um mehr als um ein friedliches Nebeneinander. "Wir wollen ein Zeichen setzen und einen anderen Zungenschlag in die Diskussion bringen", sagt Pfarrer Friedlich Stiller. Kritische Haltungen, wie sie in den Handreichungen seiner Kirche zum Islam zum Ausdruck kommen, teilt er nicht. "Es ist gerade wichtig, dass wir ein anderes Signal setzen." Dem 46-Jährigen geht es um Spiel und sportlichen Ehrgeiz. "Sonst hat Dialog oft mit viel Stress und Befürchtungen zu tun, ist immer problemorientiert", weiß er aus jahrelanger Erfahrung als evangelischer Islambeauftragter in Dortmund.
Dann endlich pfeift der jüdische Unparteiische das Spiel an. Das Feld direkt neben dem Westfalenstadion ist etwas kleiner als ein richtiger Fußballplatz, die Spieldauer mit sechzig Minuten etwas kürzer. Dafür fallen mehr Tore, als bei den meisten Begegnungen: Schon nach zwei Minuten liegen die Imame mit 1:0 vorn. Sie hatten Mitte der Woche sogar gemeinsam trainiert, um den Erfolg aus dem Vorjahr zu wiederholen. Mit großem Einsatz - und fast immer fair - wird um jeden Ball gekämpft. Die wenigen kleineren Fouls bezeichnet der Kommentator am Spielfeldrand als "lässliche Sünde". Im Laufe des Spiels aber macht sich bemerkbar, dass die Dortmunder Christen drei amtierende deutsche "Pfarrer-Meister" in ihren Reihen haben: Zur Halbzeit führen sie 3:1.
"Das ist hier einfach eine andere Atmosphäre", sagt in der Halbzeitpause Ögun Arpaci, Initiator von Seiten des türkischen Kulturvereins. "Wir können uns hier bewusst begegnen und Vorurteile abbauen." Die Zuschauer erleben in der zweiten Spielhälfte einen 6:1-Sieg der Pfarrer. Aber neben dem Fußball genießen sie den Austausch, die türkische Pizza und das süße Gebäck. Möglichst viel voneinander zu wissen und etwas gemeinsam zu tun, das ist somit nicht nur das erklärte Ziel der Pfarrer und Imame, sondern auch ihr Wunsch für ihre Gemeindemitglieder. Im kommenden Jahr jedenfalls soll es wieder ein Fußballspiel mit umfangreichem Begleitprogramm geben. Die Niederlage nehmen die Imame entsprechend sportlich. "Wenn wir immer gewinnen würden", sagt Ögun Arpaci, "fehlte den Pfarrern ja die Motivation."
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