Hauptnavigation

Dienstag, 09.02.2010

Suche im gesamten WDR Web

  • Tipps zur vergrößerten Ansicht
  • Kontakt: Alle WDR E-Mail Adressen von A bis Z
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de
  • Hilfe
  • Multimedia

Themenrubriken

Spezialangebote


Panorama

Sie befinden sich hier: > WDR.de > Panorama > Mutprobe Bombenbau


Mutprobe Bombenbau

Jugendliche filmen gefährliche Sprengungen

Von Nils Rode

Eine Autobahnunterführung in Köln. Es knallt und ein Kühlschrank explodiert. Flammen schlagen meterhoch, im Hintergrund wird gegrölt. Alles zu sehen und zu hören auf einem Video, das zurzeit im Internet kursiert. Sprengungen zu filmen ist ein Trend unter Jugendlichen.

Internet-Video der KühlschrankbombeBild vergrößern

Explosive Videos im Internet

Sie basteln, mischen und zünden. Dabei filmen sie jeden Arbeitsschritt und natürlich die finale Explosion. Die Anleitung zum Bombenbau finden sie im Internet, die Zutaten im Baumarkt und das selbst gedrehte Video stellen sie anschließend stolz ins Internet. Manchmal sind jugendliche Gesichter auf den Filmen zu erkennen, die vollkommen sorglos mit extrem gefährlichen Bomben experimentieren.

Rainer Schirra, DynitecBild vergrößern

Rainer Schirra, Dynitec

"Trivialbomben kann man dazu nicht mehr sagen. Das sind Werke von Leuten, die zerstören wollen," sagt Rainer Schirra vom Troisdorfer Zündmittelhersteller Dynitec. Anleitung zum Bombenbau und Handel mit Sprengstoffen ist gesetzlich verboten, doch davon lässt sich niemand beeindrucken, schließlich wird gegen kaum einen Täter ermittelt. Solange niemand Anzeige wegen Zerstörungen oder Belästigungen erstattet oder die Täter zumindest beobachtet, kann die Szene unerkannt weiter bomben. Auf Anfrage räumt auch das Landeskriminalamt in Düsseldorf ein, dass es sich mit diesem Phänomen noch nicht beschäftigt hat.

Bauanleitungen aus dem Internet

Dabei ist das Bombenbasteln weit verbreitet. Wie weit, darauf deutet ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Köln. Einem ehemaligen Physikstudenten aus Bedburg wird vorgeworfen, in rund 850 Fällen Chemikalien per Internet vertrieben zu haben. Als zusätzliche Serviceleistung lieferte er die Anleitung zum Bombenbau mit. Ihm drohen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.

InternetvideoBild vergrößern

Im Bild und doch unerkannt

Jeden Monat werden in Deutschland rund 3.000 Bombenbauanleitungen ins Netz gestellt, vermutet Bert Weingarten. Seine Firma Panamp vertreibt Sicherheitssoftware und spezielle Internetfilter. "Alleine im Raum Köln und Düsseldorf wurden über diverse Server 27 solcher Bomben-Videos anonym ins Netz gestellt. Wir haben viele Hinweise gegeben, aber leider fehlt der staatlichen Internetfahndung jegliche Konzeption." Der Bund deutscher Kriminalbeamter sieht das ähnlich: zu wenig Fahnder, zu schlechte Technik und somit kaum eine Chance, die Urheber zu ermitteln.

Professionelle Sprengstoffe

Video

Backpulverraketen oder Silvesterböller - das war gestern, heute wird sogar mit Tri-Aceton-Triperoxid, kurz TATP, experimentiert. Dieser Stoff braucht weder Zünder, Zündschnur noch Zündelektronik und wird deshalb als Primärsprengstoff bezeichnet. Bei den Attentaten in London und Madrid kam er zur Anwendung. "Die Zutaten finden sie in jedem Baumarkt," sagt Rainer Schirra. "Die Flamme eines Streichholzes, etwas Druck oder Reibung reichen aus, und sofort kommt es zur Detonation."

Röntgenbild zweier Hände mit zerschmetterten KnochenBild vergrößern

Größte Gefahr für die Bastler

Wer die Sprengkraft auf den Videos sieht, ist erstaunt, dass bis jetzt noch keine größeren Zerstörungen durch diese Selbst-Laborate bekannt geworden sind. Mal ist es ein alter Kühlschrank, der in die Luft fliegt, mal sind es Rohre aus dem Baumarkt. Andere Verluste verschweigen die Hobbybastler. Denn die größte Gefahr besteht für sie selber, so Handchirurg Joachim Windolf von der Uni-Klinik Düsseldorf: "Besonders, wenn ein Sprengkörper zu früh explodiert, ist es leider so, dass nicht nur die Haut verbrennt, sondern je nach Sprengkraft auch Finger auf- oder abreißen." Einem Teenager musste er bereits die rechte Hand amputieren.

Mehr zum Thema

Stand: 15.11.2006, 18:50 Uhr


Programmhinweise, weitere Themen und Fotos



Archiveinsturz in Köln


Photosynth






Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.