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Dienstag, 09.02.2010

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Emsdetten: Amoklauf war lange geplant

Ex-Schüler hatte vier Gewehre und 13 Sprengkörper dabei

Der Amokläufer von Emsdetten soll seine Tat schon vor längerer Zeit im Internet angekündigt haben. Der 18-Jährige war am Montagmorgen (20.11.06) in seine ehemalige Realschule gestürmt und hatte fünf Menschen durch Schüsse verletzt, bevor er sich selbst tötete. Am Dienstag soll seine Leiche obduziert werden.

Spezialeinsatzkräfte an der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten; Rechte: WDRBild vergrößern

Spezialeinsatzkräfte an der Geschwister-Scholl-Schule

Auf einer Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Polizei teilten die Ermittler am Montagnachmittag mit, dass der Amokläufer sich selbst getötet habe. Als Spezialeinsatzkräfte die Geschwister-Scholl-Realschule stürmten, sei der Täter bereits tot gewesen. Weil an seinem Körper drei Rohrbomben befestigt waren, konnte die Leiche erst nach Stunden geborgen werden. Fünf Sprengkörper habe man in einem Rucksack in der Nähe der Leiche gefunden, vier weitere im Auto des Täters, teilte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer am Montagabend mit. Eine der Rohrbomben sei in der Nähe des Täters im zweiten Obergeschoss der Realschule explodiert. Die Leiche des jungen Mannes wird am Dienstag obduziert.

Offenbar hatte der an seiner Schule als Sonderling bekannte junge Mann seine Tat lange geplant und auch im Internet angekündigt. Zudem soll er ein Anhänger Gewalt darstellender Computerspiele gewesen sein. Das hat unter Politikern eine Debatte ausgelöst: Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) forderte, konsequent gegen Spiele vorzugehen, die Gewalt verherrlichen. Die Grünen dagegen sagten, jetzt müsse man mehr darüber reden, Medienkompetenz und eine sinnvolle Computernutzung zu fördern.

Abschiedbrief: "Ihr habt Euch über mich lustig gemacht"

Polizeieinsatz an der Geschwister-Scholl-Realschule in EmsdettenBild vergrößern

Besorgte Eltern vor der Schule

Bei seinem Überfall habe der 18-Jährige vier Gewehre bei sich getragen. Gegen den jungen Mann lief nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Für Dienstag hatte ihn deshalb das Jugendgericht Rheine vorgeladen.

Der stets in schwarz gekleidete Ex-Schüler brachte auf mehreren Internetseiten seinen Hass gegenüber der Schule zum Ausdruck. Den Lehrern warf er vor, in sein Leben eingegriffen und ihn auf einem "Schlachtfeld" zurückgelassen zu haben. Außerdem kündigte er Vergeltung an: "Ich will Rache" schrieb er und: "Ihr müsst alle sterben". Den ebenfalls gefundenen Abschiedsbrief hält Staatsanwalt Schweer für authentisch. Darin heißt es: "Ihr habt Euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor." Der Brief schließt mit den Worten: "Ich bin weg..."

Kein Opfer in Lebensgefahr

Nach Darstellung der Polizei war der Täter am Montagmorgen gegen 9.30 Uhr auf das Gelände der Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten eingedrungen, habe eine Waffe gezogen und auf mehrere Personen geschossen. Drei Jungen, ein Mädchen und ein Hausmeister hätten teils schwere Schussverletzungen erlitten, schwebten aber nicht in Lebensgefahr. 16 Polizeibeamte wurden von Rauchgasbomben verletzt, die der Täter an mehreren Stellen in der Schule gezündet hatte. Insgesamt mussten 37 Menschen behandelt werden, die meisten von ihnen wegen Schock oder Rauchvergiftungen. Auch die Eltern des Täters wurden wegen Schockzuständen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Für die Betroffenen hat die Stadt Emsdetten eine Hotline eingerichtet:
02551/69 28 88
0800/30 40 30 3

Stand: 21.11.2006, 06:48 Uhr


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