Auch nach dem Rücktritt seiner Vorstands-Chefin Heide Simonis gibt es weiter Kritik an der Spenden-Werbung des Kinder-Hilfswerks: Politiker mahnen mehr Transparenz an. Das zuständige Zentralinstitut will das Spendensiegel von Unicef überprüfen.
![Gesicht, Unicef-Emblem; Rechte: dpa/WDR[m]Mueller](/themen/panorama/24/unicef/_img/unicef_spendenwege_160q.jpg)
Mehr Transparenz nötig?
"Höhere Transparenz" beim Hilfswerk hat die Vertreterin der CDU im Unicef-Komitee, Anke Eymer, gefordert. Es sei "bedauerlich", dass das Komitee erst aus den Medien von den aktuellen Problemen erfahren habe, sagte Eymer der Zeitung "Tagesspiegel".
Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) wolle jetzt das Spendensiegel für Unicef überprüfen, berichten die "Stuttgarter Nachrichten" in ihrer Dienstagsausgabe (05.02.08). Das DZI wolle "schauen, ob die Vorwürfe irgendwelche Konsequenzen" für das Spendensiegel hätten. In der Zeitung "taz" kritisiert am Dienstag auch der "Deutsche Fundraising-Verband" Unicef: Es sei "nicht verantwortlich gegenüber dem Spender", wenn nach oben hin völlig offene Provisionen an Spenden-Werber gezahlt würden, zitiert das Blatt den Verbandschef.
Bereits am Montag (04.02.08) hatte die "Frankfurter Rundschau" aus einem Brief der Wirtschafts-Prüfungsgesellschaft KPMG zitiert. Darin werfen die Prüfer Unicef vor, den KPMG-Kontrollbericht nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben zu haben. Die Wirtschaftsprüfer hätten Unregelmäßigkeiten bei Unicef festgestellt, dies habe das Kinderhilfswerk aber verschwiegen. Der Brief war der Zeitung anonym zugespielt worden.
In der Zusammenfassung der Untersuchung sei "sehr klar von Verstößen die Rede", schreibt Dieter John von KPMG in dem Brief. Unicef hatte zuvor erklärt, laut der KPMG-Prüfung habe es "keine Verschwendung von Geldern, keine Unregelmäßigkeiten oder gar Satzungs- oder Gesetzesverstöße" gegeben. Nach Angaben des Kinderhilfswerks ist dieser Konflikt inzwischen ausgeräumt.
Im Mittelpunkt der Kritik steht nach wie vor Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs. Der Übergangs-Vorsitzende Reinhard Schlagintweit nahm ihn am Montag (04.02.08) jedoch in Schutz: Er habe "nicht das geringste Verständnis" für die Anschuldigungen. "Ich finde es unappetitlich, dass aufgrund von anonymen Briefen immer wieder die gleichen Anschuldigungen erhoben werden", sagte er WDR.de in Anspielung auf den Bericht der "Frankfurter Rundschau". Schlagintweit hat den Unicef-Vorsitz nach dem Rücktritt von Heide Simonis am Samstag (02.02.08) vorübergehend übernommen.
Zum Rücktritt von Simonis sagte der Interimschef, die Beziehungen zu ihr hätten sich zuvor "so sehr verschlechtert, dass die Trennung unumgänglich war". Wer Unicef Deutschland in Zukunft führen wird, sei noch völlig offen. In etwa zehn Tagen werde der Vorstand zusammentreffen, um einen neuen Vorsitzenden zu suchen.
Die zurückgetretene Vorsitzende Heide Simonis hatte am Montag (04.02.08) ebenfalls schwere Vorwürfe gegen das Kinderhilfswerk erhoben. Der KPMG-Bericht zeige klare "Verstöße gegen Unterschriftenregeln, Vier-Augen-Prinzip und Schriftform von Verträgen". Dies seien Regeln, die "unverzichtbar" seien, "damit man Abläufe nachvollziehen kann", so Simonis in der "Frankfurter Rundschau".
Gegen Geschäftsführer Garlichs ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln wegen eines Anfangsverdachts der Untreue. Übergangsvorsitzender Schlagintweit sagte WDR.de, dieser habe "viel geleistet, aber er hat auch Fehler gemacht". Er sei sich sicher, dass bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nichts herauskommen werde.
Bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern von Unicef sind die Ansichten geteilt, ob nach Simonis auch Garlichs seinen Posten räumen muss. Carmen Creutz, die die gut 120 Unicef-Regionalgruppen im Vorstand vertritt, sagte, bei Regionaltreffen habe es sowohl Forderungen nach einem Rücktritt von Simonis als auch von Garlichs gegeben.
Der Unicef-Vorsitzende Schlagintweit im Interview [NDR]
Unicef-Vorsitzende Simonis tritt zurück [tagesschau.de]
Unicef: Krisensitzung in Köln
Unicef sieht sich entlastetStand: 04.02.2008, 21:56 Uhr
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