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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Panorama > Kurz vor der Sprengung des Volkswohl Bund Hochhauses


Die Unruhe vor dem großen Knall

Vor der Sprengung des Volkswohl Bund Hochhauses

Von Markus Rinke

Sonntagmittag (17.02.08) wird mitten in Dortmund ein Hochhaus gesprengt. Rund 500 Menschen, die unmittelbar in der Nähe wohnen, haben bereits ihre Wohnungen verlassen. Einige von ihnen warten nun bei Kaffee und Brötchen auf den großen Knall.

Leere Strasse; Rechte: WDR/RinkeBild vergrößern

Leere Straßen am Morgen

Rund zwei Stunden vor der Sprengung, die WDR.de im Live-Stream 1 zeigt, sind die Straßen rund um das Volkswohl Bund Hochhaus menschenleer. Die Evakuierung der umliegenden Häuser ist abgeschlossen. Und auch außerhalb der Gefahrenzone ist es noch ruhig. Auf dem Friedensplatz, der beste Sicht auf das Spektakel bietet, gibt es noch Plätze in der ersten Reihe. Die Schaulustigen werden wohl erst kurz vor der Zündung eintreffen, die für 12 Uhr geplant ist.

Rund 500 Menschen wohnen in unmittelbarer Nähe des Hochhauses. Sie alle mussten am Morgen ihre Häuser verlassen. Mehr oder weniger gelassen reagieren sie auf die Sprengung. "Das ist schon ein lustiges Gefühl, aber auch ein mulmiges", sagt Annett Löpelt. "Man kann ja nie sicher sein, wir wohnen direkt daneben." Auch ihre Tochter ist da, die die Sprengung wohl gerne sehen würde, aber die Kälte schreckt noch ab. "Wenn hier eine Leinwand ist, dann schauen wir uns das hier auch an - bei der Kälte gehen wir nicht auf den Friedensplatz."

Anwohner werden gut versorgt

Anwohner werden von den Johannitern betreut; Rechte: WDR/RinkeBild vergrößern

Am Mittag gibt es Bockwurst

Im Gymnasium, wo bis zu 400 Leute untergebracht werden können, sind am Morgen erst ca. 50 Menschen eingetroffen. Obwohl die Versorgung durch die Johanniter keine Wünsche offen lässt. Brötchen, Kaffee und Tee - für alle ist gesorgt. Und am Mittag gibt es dann noch Erbsensuppe mit Bockwurst.
Ein Mitarbeiter der Johanniter ist denn auch verwundert, dass so wenige gekommen sind: "Es ist viel ruhiger als geplant" - aber zum Mittag rechnen die Betreuer mit mehr Leuten. Die Kälte und der Hunger wird sie wohl ins Warme treiben. Ab zwei Uhr mittags dürfen die Anwohner dann wieder zurück in ihre Häuser.

Sprengstoff in Vlies und Maschendraht eingepackt

Blick in den Rohbau; Rechte: PrivatBild vergrößern

Vlies und Maschendraht gegen fliegende Steine

Doch noch sind die Geschäfte und Häuser in der unmittelbaren Umgebung abgedeckt. In den Etagen, wo die Sprengladungen eingesetzt sind, hängt ebenfalls der Vlies. Dieser dicke, rauhe Stoff ist zusätzlich noch mit Maschendraht gesichert, um den Sprengstreuflug einzudämmen. Insgesamt 50 Kilogramm Sprengstoff stecken in fast 1.000 Bohrlöchern. Fast 5.000 Tonnen Schutt werden in sich zusammenfallen.

Kippen und kollabieren

Das Hochhaus; Rechte: WDR / RinkeBild vergrößern

Der Turm soll kippen und kollabieren

Wenn alles richtig funktioniert, sind innerhalb von dreieinhalb Sekunden drei Explosionen zu hören. Zuerst wird außen im Bereich des Skelettbaus gesprengt, zwei und dreieinhalb Sekunden später im Aufzugs- und Treppenturm. Sprengmeister Martin Hopfe will so erreichen, dass der Turm kippt und gleichzeitig kollabiert, also in sich zusammenfällt. Mehrere Monate hat sich Martin Hopfe mit dem Bau beschäftigt und die Sprengung vorbereitet: "Man versucht sich reinzudenken, was sich der Architekt gedacht hat, und man versucht sich immer wieder klar zu machen, wie das Gebäude einstürzt."

Sichere Technologie

Probleme im Plan sieht der Experte allenfalls mit Sprengstreuflug und Staub. Dabei führt unter dem Gebäude eine U-Bahn her. Der Betrieb wurde zur Sicherheit ab 10.00 Uhr eingestellt. Undenkbar ist für Martin Hopfe außerdem, dass der Turm in die falsche Richtung kippt: "Wir gehen davon aus, dass die Technologie sicher ist und dass sie funktioniert." Außerdem, so hat der Sprengmeister früher schon mal verraten, macht mehr als 50 Prozent der Arbeit die Erfahrung aus. Und davon hat Martin Hopfe reichlich. Immerhin ist er seit 25 Jahren im Geschäft.

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Stand: 17.02.2008, 11:01 Uhr


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