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Sprengung des Volkswohl Bund Hochhauses in der Dortmunder Innenstadt
Von Markus Rinke
Bei Lieselotte Hoeber ist es derzeit selbst am Mittag dunkel in der Küche. Früher hat die Dortmunderin auf das Volkswohl Bund Hochhaus geschaut. Doch den vertrauten Blick gibt es nicht mehr - schon am Freitag (15.02.2008), zwei Tage vor der Sprengung.
"Das tut mir schon leid, der gehört doch zu unserem Leben", sagt Lieselotte Hoeber. Sie sitzt in ihrer Küche auf dem Stuhl am Fenster. Wo sie über Monate die Abbrucharbeiten verfolgt hat. Doch das geht jetzt nicht mehr. Am Donnerstag (14.02.2008) haben Arbeiter von einem Gerüst aus schwere Vlies-Matten aufgehängt. Sie sollen umher fliegende Gesteinsbrocken auffangen. Die Vorbereitungen für die Sprengung des 61 Meter hohen Gebäudes sind fast abgeschlossen.
Ein bisschen mulmig ist der Rentnerin auch, wenn sie an die Sprengung denkt: "Hauptsache, die Wohnung bleibt heile." Spiegel und Bilder wird sie vorsorglich von der Wand nehmen. Und auch ihre Andenken auf den Regalen wird sie auf den Boden stellen.
Denn ihre Wohnung ist nicht einmal 50 Meter Luftlinie von der Ruine entfernt. Wie rund 500 Anwohner in der unmittelbaren Nachbarschaft muss sie ihre Wohnung am Sonntag (17.02.08) bis 10.00 Uhr verlassen haben. Der Volkswohl Bund hat für sie ein Gymnasium angemietet. Doch lange möchte sich Lieselotte Hoeber dort nicht aufhalten: "Das Spektakel möchte ich draußen erleben."
Vor allem der Friedensplatz, auf der Grafik unterhalb der Kamera 2, ist für Schaulustige geeignet. Aber auch die Straßen rund um die Ruine bieten sich als Aussichtspunkte an. Hinter der Sperre für den Autoverkehr ist noch Platz. Eng wird es erst, wenn die Begeisterung so groß ist wie bei der Sprengung des Sparkassen-Turms in Hagen 2004. 40.000 Menschen waren in die Stadt gepilgert. Kommen so viele nach Dortmund, hat nicht jeder einen Aussichtsplatz, räumt ein Sprecher der Stadt ein. Doch das sei unwahrscheinlich.
Anders als der lange Oskar in Hagen ist das Gebäude in Dortmund kein Wahrzeichen. Auch wenn Lieselotte Hoeber das anders sieht. Als sie vor 35 Jahren in die Wohnung eingezogen ist, war der Turm gerade fertig gestellt: "Wenn wir von einer Reise zurückgekommen sind, dann war das immer unser Ziel. Wenn man von Süden nach Dortmund kommt, hat man den Turm immer früh gesehen."
Dass der Turm dabei nicht zu den schönen Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört hat, war nicht so wichtig: "Von vorne war der schon ziemlich dunkel, aber wir hatten ja die helle Seite." Auf eines freut sich Lieselotte Hoeber aber auch: Darauf, wenn der Vlies nach der Sprengung abgenommen wird. Dann hat sie einen ganz neuen Ausblick bis in den Stadtkern. Zumindest so lange, bis das neue Hochhaus gebaut wird.
"Gut, dass der Schandfleck weg ist"Stand: 15.02.2008, 09:00 Uhr
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