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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Panorama > Erster Geldautomat ging vor 30 Jahren in Betrieb


Der Mann im Geldautomaten

Vor 30 Jahren ging in Köln der erste Geldautomat ans Netz

Von Nina Magoley

Nicht mehr wegzudenken aus unserem Leben ist der Geldautomat heute. Vor 30 Jahren aber, als in der Kölner Kreissparkasse bundesweit der erste seiner Art ans Netz ging, war das Wunderding manchem zunächst ziemlich suspekt.

Erster Geldautomat; Rechte: Wincor NixdorfBild vergrößern

So sah er aus, der erste Automat ....

Helmut Ewering muss heute noch lächeln, wenn er daran denkt: Wie damals, im Dezember 1978, diese alte Dame in der Kassenhalle vor ihm stand, voller Sorge. Wie oft denn die Mitarbeiter in diesem Kasten ausgetauscht würden, wollte sie wissen. Es müsse doch furchtbar sein, da drin zu sitzen. Mit ihrem Finger deutete sie auf das, was in diesen Tagen Publikumsmagnet in der Bankfiliale am Kölner Neumarkt war: das bundesweit erste Exemplar eines Geldautomaten, der an das Datennetz der Bank angeschlossen war und mittels einer Plastikkarte Bargeld ausspuckte.

Ewering hatte damals gerade seinen Dienst bei der Kreissparkasse angetreten und nun die ehrenvolle Aufgabe, die ersten hundert Kunden in die Geheimnisse des Geldautomaten einzuführen. Außerdem gehörte er mit zu dem Team, das die neue Maschine zuvor wochenlang auf seine Funktionalität getestet hatte.

Wunderding aus Westfalen

Schalterhalle der Kreissparkasse Köln; Rechte: WDR/Magoley, NinaBild vergrößern

Schalterhalle der Kreissparkasse Köln

Mitten in der Schalterhalle der Bank stand das neue Wunderding - ein echter Westfale übrigens - und sah eigentlich nicht viel anders aus als heute: Entwickelt beim damaligen Computerhersteller Nixdorf in Paderborn, enthielt der Automat bereits ein kleines Display für vier Zeilen, eine Zahlentastatur und vier Geldkassetten. "Wichtig war, dass das Geld auch in kleinen Scheinen heraus kam", erklärt Ewering, "sonst hätte sich der Kunde anschließend an den Schalter gestellt, um zu wechseln".

Kunden erklärten sich gegenseitig die Technik

Helmut Ewering; Rechte: WDR/Magoley, NinaBild vergrößern

Helmut Ewering

"Manche standen davor und staunten nur", erinnert sich der heute 59-Jährige. Andere wollten direkt zur Tat schreiten und ihre ersten Scheine ziehen. "Erstaunlich viele Ältere waren dabei", erzählt Ewering, einige hätten sich dann sogar selber am Automaten postiert und stundenlang anderen Kunden die neue Maschine erläutert. Dabei war die Bedienung von Anfang an relativ einfach: Wie heute noch, bekam der Kunde eine Plastikkarte, die er in einen Schlitz stecken musste. Über eine Tastatur wurde erst die persönliche Geheimzahl, dann die gewünschte Summe eingegeben. "Innerhalb von 35 Sekunden hielt man sein Geld in der Hand", schwärmt Ewering immer noch begeistert.

Karte führt Kunden in Versuchung

Ein Vorgängermodell stand sogar schon zehn Jahre früher in der Kreissparkasse Tübingen: Dort konnten 1968 ausgewählte Kunden bis zu 400 DM abheben - mit einem speziellen Schlüssel und Lochkarten. Auch in Köln bekam 1978 nicht jeder sofort eine Karte für den Automaten. Offenbar sah sich die Bank damals noch in einer besonderen Verantwortung. Jeder Kunde, der eine Automatenkarte beantragen wollte, wurde zunächst "sehr intensiv" beraten, erzählt Ewering: "Wir haben uns die Kontoverbindungen angesehen - ob der Kunde überhaupt bereit zum Umgang mit der Geldkarte ist." Außerdem wurde erklärt, "dass man mit der Karte pfleglich umgehen muss, dass man die Geheimzahl niemandem zeigen darf". Schien jemand der Versuchung des schnellen Geldes nicht gewachsen und hob zu oft zu viel Geld ab, rief die Bank ihn zum klärenden Gespräch.

"Nach 22 Uhr kein Bedarf an Geld"

Frau am ersten Geldautomaten; Rechte: WDRBild vergrößern

Pionierin am Geldautomaten

Doch zunächst wagten sich Bankkunden ohnehin nur zögerlich an den Geldroboter. Die meisten zogen es offenbar vor, weiterhin persönlich am Schalter bedient zu werden. Erst von 1982 an nahm die Zahl der Automaten zu. Auch andere Banken hatten inzwischen begonnen, umzurüsten. Immerhin 134 Stück waren in ganz Deutschland bereits in Betrieb. Allerdings gab es Automatengeld bis dahin nur während der Schalterzeiten. Bei der Kölner Kreissparkasse hatte man die neuen Geräte zwar immerhin schon im Foyer platziert. Nach 22 Uhr aber blieben auch dort die Türen verschlossen, erzählt Ewering, der heute Bereichsdirektor bei der Kreissparkasse ist. "Man war einfach der Ansicht, dass die Menschen nach 22 Uhr keinen Grund mehr haben, Geld abheben zu müssen."

Wie im Gangsterfilm

Erst seit 1983 sind Geldautomaten auch von der Straße aus zugänglich. Auch das war vielen Menschen zunächst unheimlich, erinnert sich die Kölnerin Ute Rübesamen, die gerade ihren Einkaufbummel starten will und dazu erst noch Geld ziehen muss. "Das erste Mal", sagt sie, sei sie sich vorgekommen "wie in einem Gangsterfilm": Mit dem Auto seien sie und ihr Freund abends vor die Bank gefahren, "er hat erst geschaut, ob die Luft rein ist, dann konnte ich ran". Doch solche Stimmung währte nicht lange. Der Siegeszug der automatisierten Geldausgabe nahm schnell seinen Lauf.

Bankautomat: Meilenstein der Arbeitsgeschichte

Geldautomaten in der Kreissparkasse Köln; Rechte: WDR/Magoley, NinaBild vergrößern

Geldautomaten heute

Es gab allerdings auch Gegner der neuen Technik: Geldautomaten vernichten Arbeitsplätze, lautete die Kritik. Arbeitswissenschaftler Holger Schäfer, Konjunkturexperte am Institut der deutschen Wirtschaft, findet das unverständlich: "Bankautomaten sind ein Stück technischer Fortschritt, genau wie die Einführung des Automobils. Dessen Entwicklung wurde auch nicht behindert, weil dadurch möglicherweise Pferdepfleger arbeitslos wurden." Technischer Fortschritt und Rationalisierungsprozesse in der Industrie habe in der Vergangenheit fast immer zu mehr Wohlstand geführt, "auch der Bankautomat." Bei der Kreissparkasse Köln, beteuert Helmut Ewering, habe durch die Einführung des Geldautomatens "kein einziger seine Arbeit verloren". Frei gewordenen Mitarbeiter seien damals in die persönliche Kundenberatung versetzt worden.

Technik bis heute kaum verändert

Tatsächlich läuft heute die Geldauszahlung in deutschen Banken zu fast 90 Prozent am Automaten ab. 55.000 Geräte sind insgesamt im Einsatz, fast 92 Millionen Kundenkarten im Umlauf. Kaum ein Kunde stellt sich noch an den Bankschalter, um Bares abzuheben. 46.000 Mal pro Tag gehen heute Kunden allein an die Automaten der Kreissparkasse Köln - 6,7 Millionen Abhebungen sind es deutschlandweit täglich. Die Technik hat sich dabei in den 30 Jahren kaum verändert. Zwar kann man inzwischen am Geldautomaten auch sein Handy aufladen oder Geld auf die Karte speichern lassen, auch die Bildschirme sind größer geworden. "Der Ablauf aber ist mehr oder weniger der gleiche geblieben", stellt Helmut Ewering stolz fest. "Das hatten wir schon ganz gut ausgearbeitet."

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Stand: 12.12.2008, 02:00 Uhr


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