Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs am Dienstag (03.03.09) ist nicht der erste Zwischenfall im Zusammenhang mit dem Bau der Kölner U-Bahn. Seit Baubeginn 2004 kam es immer wieder zu Gebäudeschäden, Unfällen und Baupannen. Eine Chronik.
Nach jahrzehntelangen Planungen begehen die Kölner Verkehrsbetriebe und die Stadt Köln den "virtuellen Spatenstich" für die Nord-Süd-Stadtbahn. Nach Angaben der Bauherren ist die Bahn das "größte Bauprojekt im deutschen Personennahverkehr".
Die Bauarbeiten beginnen. Vorher führen die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) eine Beweissicherung an den Gebäuden entlang der Bautrasse durch. Das bedeutet: Der Zustand der Häuser wird vor und nach dem Bau dokumentiert, um eventuelle Veränderungen auszugleichen. Die KVB gibt zu, dass durch die Bauarbeiten "Risse an der Gebäudestruktur" auftreten können, sagt aber gleichzeitig: "Die Erschütterungen schaden dem Haus nicht." In der Tat beschweren sich im Laufe der Bauarbeiten immer mehr Anwohner über Schäden an ihren Häusern.
In der Nacht zum 29. September 2004 läuten die Alarmglocken der Kirche St. Johann Baptist. Der 37 Meter hohe Kirchturm war in Schieflage geraten und neigt sich über 70 Zentimeter zur Seite. 65 Anwohner werden evakuiert, 25 Kubikmeter Beton werden zur Stabilisierung unter das Gebäude gepumpt. Der Turm wird mit Stahlstreben gestützt. Die Untersuchungen ergeben: Der Turm war eingesackt, weil unter der Kirche ein Versorgungstunnel für die Nord-Süd-Bahn gegraben wurde. Erst am 26. Oktober 2005 können die Stützen entfernt werden, der Turm wird wieder aufgerichtet. Die Reparatur kostet etwa eine Million Euro.
Das Ende der Schieflage
Der schiefe Kirchturm von Köln
Im November 2004 beklagt man in einem weiteren Gotteshaus Schäden am Gebäude. In der Kirche St. Maria im Kapitol lösen sich Teile des hölzernen Kirchenhimmels, zudem tauchen nach Angaben der Kirche neue Risse in den Wänden auf. Auch hier sollen die Erschütterungen der benachbarten U-Bahn-Bauarbeiten die Schäden verursacht haben. Die KVB bestreitet allerdings jeden Zusammenhang. Medienberichten zufolge einigen sich KVB und Erzbistum Köln später jedoch über eine Schadensabwicklung.
Die Bauarbeiten in der Südstadt belasten zunehmend die Anwohner in der Severinstraße. Die dort angesiedelten Geschäftsleute klagen über Umsatzeinbußen, aufgrund der jahrelangen Baumaßnahmen verliere der Standort an Attraktivität. Die KVB verspricht den Einzelhändlern daraufhin Entschädigungen für eventuelle Umsatzeinbußen, dennoch machen viele Ladenlokale dicht.
Im August 2007 sinkt der Ratsturm des historischen Rathauses um sieben Millimeter ein. Im Ratskeller platzt Putz von den Wänden, und es entstehen Risse in den Wänden. Der Turmkeller, der für Hochzeiten genutzt wird, bleibt vorerst für die Öffentlichkeit geschlossen. Sachverständige kommen hinterher zum Ergebnis, dass die Arbeiten an der U-Bahn-Haltestelle unter dem Alter Markt die Senkung auslöste. Die KVB übernimmt die Reparaturkosten.
Nach dem Einsturz des Stadtarchivs werden die Bauarbeiten im engeren Umfeld der Unglücksstelle vorerst gestoppt. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma zeigt sich zunächst skeptisch und verweist auf die vielen beschädigten Häuser entlang der Bautrasse. Er fordert, dass der gesamte U-Bahn-Bau in Köln noch einmal genau untersucht werden müsse. An anderen U-Bahn-Baustellen im Stadtgebiet wird die Arbeit am Tag nach dem Unglück jedoch wieder aufgenommen. Bislang werden die Kosten für den Bau mit 950 Millionen Euro beziffert - 320 Millionen mehr als geplant.
Stand: 04.03.2009, 14:06 Uhr
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