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Wie sicher ist der U-Bahn-Bau?

Unfälle auch in Amsterdam und München

Gibt es überhaupt einen sicheren U-Bahn-Bau? Diese Frage kam nach der Katastrophe von Köln, bei der am Dienstag (03.03.09) das Historische Stadtarchiv einstürzte, immer wieder auf. Denn der Kölner Einsturz ist nicht der erste Unglücksfall beim Tunnelbau in Großstädten.

Blick auf das eingestürzte Historische Stadtarchiv in der Innenstadt von Köln,; Rechte: dpa / wdr [m]Bild vergrößern

Blick auf den Krater

Amsterdam, München, Köln - sie haben seit Dienstag (03.03.09) eine neue Gemeinsamkeit: Unglücksfälle beim U-Bahn-Bau. Zufall? Oder gibt es möglicherweise ein kalkuliertes Risiko beim Tunnelbau? Dem widerspricht Markus Bauer, Geschäftsführer eines Baugeologischen Instituts in München, heftig. "Unfälle sind keineswegs Normalität. Sie sind nicht vorgesehen und auch nicht in Kauf genommen," sagt der Experte WDR.de. Doch gerade in Amsterdam werden die Ereignisse in Köln genau verfolgt.

Amsterdam: Vier Grachtenhäuser abgesackt

Abgesacktes Grachtenhaus in Amsterdam; Rechte: WDR/WardenbachBild vergrößern

Abgesacktes Grachtenhaus

Mit Schrecken hat Amsterdam auf das Kölner Unglück reagiert. Die Nachricht kam fast zeitgleich mit einem Untersuchungsbericht über die Ursachen von vier abgesackten Wohnhäusern in Amsterdam. Im Juni 2008 hatten sich vier historische Häuser an der Vijzelgracht um mehrere Zentimeter gesetzt. In den darauffolgenden Wochen lag der Rekord bei 23 Zentimetern. Die Folgen: Türen ließen sich nicht mehr öffnen, die Bewohner mussten ihre Wohnungen sofort räumen. Ursache war der Bau der U-Bahnlinie unter der Altstadt - und der schwierige Amsterdamer Boden. Er war durch Löcher in Beton- oder Spundwänden an der Baustelle regelrecht davon geflossen.

Die Baustelle wird vom weltweit größten Computer-Monitoringsystem überwacht: 80 spezielle Kameras schicken Lichtstrahlen auf mehr als 4.000 Spiegelchen an den Fassaden entlang der etwa vier Kilometer langen Baustrecke. Kommt der Strahl nicht im ursprünglichen Winkel zurück, ist klar: Hier hat sich die Fassade bewegt. Doch auch das hat an der Vijzelgracht nichts gebracht: Ähnlich wie in Köln hatte sich erst unbemerkt ein Hohlraum gebildet, bevor die historischen Häuschen innerhalb von Minuten nachgaben und absackten. Verletzt wurde niemand, aber seitdem liegt die Baustelle still.

München: Bus stürzte in U-Bahn-Krater

Bus in Krater einer U-Bahnbaustelle 1994; Rechte: dpaBild vergrößern

Einsturzstelle in München 1994

Auch in München kam es 1994 zu einem tragischen Unglück. Während der Bauarbeiten an einer neuen U-Bahn-Strecke stürzte durch eindringendes Wasser die Decke eines Tunnels ein. Ein Bus, der an einer roten Ampel wartete, rutschte mit dem Heck voran in den entstandenen Krater. Zwei Fahrgäste und ein Bauarbeiter kamen dabei ums Leben.

Geologe Markus Bauer hält einen generellen Baustopp von U-Bahn-Projekten dennoch für Unfug: "In Köln ist das Historische Stadtarchiv ja in eine Baugrube gestürzt. Derart tiefe Gruben gibt es auch beim Bau von Tiefgaragen oder Hochhäusern. Folglich müsste man solche Projekte dann auch beenden," so der Experte. Deshalb hält er die Entscheidung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), ihre U-Bahn planmäßig weiter zu bauen, für vernünftig.

Berlin baut weiter Tunnel

"Das Unglück von Köln hat keine konkreten Auswirkungen auf den Berliner U-Bahn-Bau," sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz zu WDR.de. Die Tunnel der neuen Berliner U-Bahn-Linie 55, die unterirdisch neben Reichstag und Brandenburger Tor verlaufen, seien fertig gegraben. Im Moment werde am Innenausbau gearbeitet, im Sommer solle die U-Bahn dann fahren, so Reetz. "Berlin ist sowieso auf Wasser gebaut, deshalb ist bei allen Projekten ein Wassermanagement dabei." Auch die Erweiterung der Linie 5, die für das kommende Jahr vorgesehen ist, soll plangemäß gebaut werden.

Stand: 06.03.2009, 13:42 Uhr


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Archiveinsturz in Köln


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