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Samstag, 13.03.2010

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Gefahren in der Bahn: Was tun?

Experten: Es gibt keine klaren Regeln

Von Marion Kretz-Mangold

18 Fahrgäste eines Regionalexpresses wurden durch dichten Qualm verletzt, Hunderte gerieten in Panik - und nun wächst wieder die Angst der Bahnfahrer. Aber wie groß ist die Gefahr wirklich? Und was kann man tun, wenn wieder etwas passiert?

Fahrgäste und Rettungskräfte; Rechte: WDR/Wiebold TVBild vergrößern

Nach Notentriegelung ins Freie

Die Bremse hat gequalmt, weil sie blockiert war: Das war, zumindest vorläufigen Erkenntnissen zufolge, die Ursache des Unglücks, bei dem am Samstag (27.06.09) 18 Menschen Rauchgasvergiftungen erlitten haben. Klar scheint auch, dass es nicht gebrannt hat: "Es hat keine Flammen gegeben", so der Sprecher des Eisenbahnbundesamtes, das die Ermittlungen leitet. Das wussten die 150 Fahrgäste im Regionalexpress, der von Köln nach Aachen unterwegs war, aber nicht. Dass der Zugführer die Türen nicht öffnete, machte es noch schlimmer: Panik brach aus. Schließlich entriegelten die Fahrgäste selber die Türen und flüchteten ins Freie, während vier Bundespolizisten, die zufällig mitfuhren, zum Feuerlöscher griffen.

Überfahren oder vergiftet werden?

Rettungsfahrzeug und Zug; Rechte: WDR/Wiebold TVBild vergrößern

18 Verletzte kamen in Krankenhäuser

Typisch Bahn - das war der Tenor vieler Kommentare von WDR.de-Usern. Und sie lieferten Beispiele dafür, warum sie sich unwohl fühlen, wenn sie im Zug unterwegs sind: verbarrikadierte Türen, fehlende Feuerlöscher, Brandgeruch.

Das müsste eigentlich Wasser auf die Mühlen von Pro Bahn NRW sein, die Fahrgastorganisation, die immer wieder hart mit der Bahn ins Gericht geht. Aber Oliver Stieglitz' Kritik fällt vorsichtig aus, auch, weil er den genauen Hergang noch nicht kennt. So sagt er: "Wo Reibung ist, ist Gestank." Die Bremsen liefen manchmal heiß, da sei der Geruch vom Bremsabrieb nicht ungewöhnlich. "Aber es darf natürlich nicht sein, dass man einen solchen Brand nicht bemerkt." Er versteht zwar, dass der Zugführer die Türen nicht geöffnet hat: "Da steigen die Leute aus und werden vom Zug überfahren, der entgegenkommt." Aber vielleicht hätte man sie zur anderen Seite herauslassen können, wenn es da keine Gleise gab. "Das ist auf jeden Fall besser, als den Rauch einzuatmen."

"Die Bahn hat ein echtes Türen-Problem"

Oliver Stieglitz von ProBahn; Rechte: privat

Stieglitz: Forderungen an die Bahn

Das Eisenbahnbundesamt hat angekündigt, das gesamte Notfallmanagement zu überprüfen. Wie den Passagieren ein Gefühl der Sicherheit vermitteln werden könnte, weiß Pro-Bahn-NRW-Experte Stieglitz jetzt schon. "Es wäre wohl zuviel von der Bahn verlangt, überall Rauchmelder anzubringen", überlegt er. Aber "es wäre sicherlich gut, wenn man die Fenster öffnen könnte." Das sei aber wegen der Klimaanlagen nicht möglich. Für gravierender hält er, dass gerade in den Doppelstock-Wagen viele Türen blockiert seien. "Von fünf Wagen ist immer mindestens einer dabei, wo die Tür kaputt ist. Dabei sind die Fahrzeuge gar nicht so alt." Sein Fazit: "Die Bahn hat ein echtes Türenproblem".

Vorher selber schlau machen

Notbremse; Rechte: WDR, ddpBild vergrößern

Wissen, wo die Bremse ist

Stieglitz nimmt die Bahn in die Pflicht, fordert auch, dass in allen Zügen Personal eingesetzt wird - "als Service, aber auch aus Sicherheitsgründen". Wenn das aber nicht da ist und die Fahrgäste selber entscheiden müssen? Manche zögern schon, die Fenster einzuschlagen, weil sie vielleicht haftbar gemacht werden könnten. "Das muss man abwägen, da gibt es keine allgemeingültigen Regeln." Aber: "Wenn man sich Sorgen macht, dann muss man sehen, wo sind die Feuerlöscher oder die Gegensprechanlagen, welche Scheiben kann ich einschlagen?" Wenn man jeden Tag mit dem Zug unterwegs sei, "dann kann man sich auch schlau machen".

Das schlimme Beispiel Eschede

Die Unglücksstelle bei Eschede; Rechte: dpaBild vergrößern

101 Tote bei Eschede

Stieglitz gibt zu, dass man vor lauter Panik falsch reagieren könne. Aber ein gewisses Maß an Verantwortung mag er den Fahrgästen nicht absprechen. Zum ICE-Unglück von Eschede mit 101 Toten etwa, bei dem sich ein Radreifen durch den Fußboden gebohrt hatte, die Passagiere aber erst einmal den Schaffner holten, statt selber die Notbremse zu ziehen, sagt er: "Da sind sie ein Stück mitverantwortlich."

Das Beispiel Eschede führt auch Markus Hecht an, Professor an der TU Berlin. Der Experte für Schienenfahrzeugtechnik will sich nicht zu möglichen Sicherheitsmängeln äußern, "weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich mir nur selber schade und sich eh nichts ändert". Er ist sich aber sicher, dass die Katastrophe von Eschede hätte vermieden werden können, wenn die Passagiere sich getraut hätten, die Notbremse zu ziehen. Allerdings "ist das für Fahrgäste und Betriebspersonal schwierig zu entscheiden". Seine Schlussfolgerung: "Es wäre wünschenswert, wenn es Richtlinien zum Verhalten im Notfall gäbe." Und die könnte man auch den Passagieren an die Hand geben - wie im Flugzeug.

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Stand: 29.06.2009, 11:50 Uhr



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