Nachdem die Sparkasse Köln/Bonn offenbar sensible Vertriebsdaten bei einem externen Berater ausgelagert hatte, prüft die Landesdatenschutzbeauftragte den Vorfall. Gegen den Berater ermittelt unterdessen die Staatsanwaltschaft.
Die Düsseldorfer Aufsichtsbehörde will die Sparkasse zur Stellungnahme auffordern. Das sagte Bettina Gayk, Sprecherin der Landesdatenschutzbeauftragten, gegenüber WDR.de. Demnach soll das Geldinstitut aufklären, wie ein externer Berater in den Besitz anscheinend hochsensibler Daten kommen konnte. Danach werde geklärt, ob ihre Behörde Ermittlungen einleiten werde, so Gayk weiter. Die Sparkasse erklärte unterdessen, die Vorfälle in enger Kooperation mit der Behörde untersuchen zu wollen.
Das Geldinstitut werde "alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen", um vertrauliche Unterlagen zurückzubekommen. Das teilte die Sparkasse am Donnerstag (02.07.09) nach einer Sitzung des Verwaltungsrats in Köln mit. Der Unternehmensberater habe eine Frist zur Rückgabe am Donnerstag verstreichen lassen.
Am Mittwoch (01.07.09) hatte der WDR berichtet, dass der Reutlinger Unternehmensberater über eine Daten-Sammlung der Sparkasse verfügt. Die Sparkasse betont, es habe ein Vertragsverhältnis zu dem Berater bestanden, der damit zur Verschwiegenheit verpflichtet sei.
Der Unternehmensberater sollte nach eigenen Angaben bis März 2009 den Vertrieb für die Sparkasse Köln/Bonn optimieren. In diesem Zusammenhang habe er Zugriff auf 25 Festplatten mit Daten bekommen. Darunter sollen unter anderem hochsensible Mitarbeiter- und Kundendaten sowie Vorstands- und Verwaltungsprotokolle sein.
Außerdem verfügt der Unternehmensberater eigenen Angaben zufolge über Unterlagen, aus denen hervorgeht, welcher Kunde welches Produkt gekauft hat. Dabei seien die Namen der Kunden nicht anonymisiert worden. Eine Vertraulichkeitserklärung, wie sonst üblich, habe er nie unterzeichnen müssen.
Über einen Anwalt ließ die Sparkasse Köln/Bonn am Mittwoch (01.07.09) dem WDR mitteilen, die Zusammenarbeit mit dem Berater sei auf Einzelauftragsbasis auf der Grundlage von E-Mails und Telefonaten erfolgt. Und der Datenschutz als Teil der allgemeinen Geschäftsbedingungen sei damit automatisch berücksichtigt. Die Sparkasse prüft nun juristische Schritte gegen den Unternehmensberater. "Wir bedauern außerordentlich, dass hier der Eindruck entstanden ist, die Sparkasse Köln/Bonn würde nicht sorgfältig mit Daten ihrer Kunden und Mitarbeiter umgehen", erklärte der Vorstandsvorsitzende Artur Grzesiek.
Der Unternehmensberater selbst ist bereits vor Monaten in das Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Der Kölner Staatsanwalt Günther Feld bestätigt gegenüber WDR.de ein seit April laufendes Ermittlungsverfahren gegen den Reutlinger Berater sowie gegen den ehemaligen Sparkassenchef und heutigen Vorstandsvorsitzenden der NRW Bank, Dietmar P. Binkowska. Konkret geht es dabei um Art und Gestaltung der Zusammenarbeit, der Verdacht lautet auf Untreue.
Feld zufolge reagierte die Staatsanwaltschaft, nachdem im Frühjahr eine anonyme Anzeige eingegangen war, die entsprechende Hinweise lieferte. Medienberichte, in denen von "Scheinaufträgen" für nicht erfüllte Beratungsleistungen in Höhe von "mehreren 100.000 Euro" die Rede ist, will der Staatsanwalt mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht bestätigen.
In Kölner Zeitungen hieß es, der Sparkassenmanager Binkowska habe Bedingungen und Rechnungen persönlich abgewickelt und den Reutlinger Geschäftsfreund so vor der Insolvenz seiner Firma bewahren wollen. Offiziell habe der Berater als Binkowskas "Coach" fungiert. Artur Grzesiek, Binkowskas Nachfolger als Sparkassen-Vorsitzender, hatte das Arbeitsverhältnis mit dem Reutlinger Unternehmer laut Kölner Stadt-Anzeiger bereits vor Monaten beendet.
Stand: 02.07.2009, 16:38 Uhr
Programmhinweise, weitere Themen und Fotos