Einen Tag nach dem Großbrand in einem Chemiewerk in Köln-Worringen hat die Stadt Entwarnung gegeben. Die Messwerte seien im grünen Bereich, sagte eine Sprecherin der Stadt am Dienstag (18.03.08). Die Brandursache und die Höhe des Schadens sind immer noch unbekannt.
An drei Stellen in der Umgebung des betroffenen Chemie-Unternehmens waren in den frühen Morgenstunden Grenzwerte für das giftige
Acrylnitril1 leicht überschritten worden. Deshalb wurden die Anwohner in Worringen aufgefordert, auch am Dienstag (18.03.08) noch Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Am Abend konnte die Stadt Köln aber die "vorbeugenden Maßnahme zum Gesundheitsschutz" wieder aufheben. Die Windgeschwindigkeit in Bodennähe hatte sich im Laufe des Vormittags auf bis zu 25 Stundenkilometer aus Richtung Nord-Westen verdoppelt. In höheren Luftschichten erreichte sie bis zu 40 Stundenkilometer, erklärte die Stadt Köln. "Dadurch verdünnt sich das Acrylnitril in der Umgebungsluft", erklärte eine Sprecherin des Chemie-Unternehmens gegenüber WDR.de.
Die Polizei informierte am Ortseingang die Bürger, dass sie "auf eigene Gefahr" nach Worringen fahren. Die Bewohner wurden - auch per Lautsprecherdurchsagen - gebeten, Fenster und Türen verschlossen zu halten und ihren Aufenthalt im Freien zu begrenzen. Drei Menschen waren am Montag wegen Haut- und Augenreizungen ärztlich behandelt worden. Weitere Personen mit Beschwerden hätten sich bislang nicht gemeldet, erklärte die Stadt Köln.
Anwohnern erteilt das Bürgertelefon der Feuerwehr Köln bei Bedarf Auskünfte unter Tel. 0700-0221-1111 (maximal 12 Cent pro Minute aus dem Netz der Dt. Telekom AG).
Die Firma Ineos hat eine Hotline geschaltet unter Tel. 02133-5199333.
Der Großbrand war am Montag von einer 15 Meter hohen Stichflamme in einer undichten Ethylen-Gasleitung ausgelöst worden. Dabei entwickelte sich eine große Rauchwolke, die nach Angaben der Feuerwehr in mehreren hundert Metern Höhe über das Stadtgebiet von Köln hinweg zog. Zunächst hätten Messungen keine Überschreitung von Grenzwerten ergeben. Das Feuer war am frühen Dienstagmorgen gelöscht worden. Die letzten Flammen konnten mit Hilfe eines Schaumteppichs erstickt werden. Das Unternehmen versucht nun, den Acrylnitril-Tank abzudecken, damit die giftige Substanz nicht weiter entweichen kann. Derzeit werden die Maßnahmen zur Kühlung des Tanks fortgesetzt.
Die Ursache des Großbrandes ist nach wie vor unklar. "Der Produktionsausfall ist nicht so schlimm", erklärte eine Sprecherin von Ineos. Die Höhe des Schadens könne allerdings noch nicht beziffert werden. Insgesamt waren rund 1.200 Feuerwehrkräfte im Einsatz gewesen. Feuerwehrchef Stephan Neuhoff sprach vom größten Brandeinsatz in Köln seit Ende des Zweiten Weltkrieges.
Es ist der zweite Chemieunfall in einer Woche. Bei einem Störfall im Bayer-Werk Wuppertal waren am vergangenen Mittwoch (12.03.08) 23 Personen leicht verletzt worden, als bei Reparaturarbeiten giftiges Ammoniak austrat.
Beide Unfälle haben nun auch ein politisches Nachspiel: Die Landtagsfraktion der Grünen beantragte am Dienstag, dass dass sich der Umweltausschuss des Düsseldorfer Landtags mit den Fällen beschäftigen muss. Bei der Ausschusssitzung am 9. April solle die Landesregierung Auskünfte zu den Unfällen und zu möglichen Gefahren durch Chemieanlagen in Nordrhein-Westfalen geben.
Acrylnitril ist ein leicht entzündlicher, giftiger Stoff. Dämpfe und Flüssigkeit können auch über die Haut aufgenommen werden. Sie reizen die Schleimhäute, die Haut und besonders die Augen. Acrylnitril kann Nerven, Atmungssystem und Verdauungsorgane schädigen. Im Tierversuch löste der Stoff Krebs aus. Er wird unter anderem bei der Produktion von Kunststoffen, Medikamenten und Farbstoffen verwendet.
Schwerpunkt: Großbrand in Köln-Worringen
Warnung nach Großbrand [WDR extra]
Acrylnitril
Datenbank für gefährliche StoffeStand: 18.03.2008, 20:07 Uhr
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