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82-Jähriger plante offenbar Amoklauf

Maskierter Angreifer war schwer bewaffnet

Bewaffnet mit einer Maschinenpistole ist ein maskierter 82-Jähriger am Donnerstagabend (30.07.09) in Bielefeld-Sennestadt in eine Versammlung der Zeugen Jehovas geplatzt. Der Mann wurde überwältigt. Er hatte offenbar geplant, in die Menge zu schießen.

Ein Polizeifahrzeug steht am Donnerstag (30.07.2009) vor dem Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Bielefeld; Rechte: dpaBild vergrößern

Absperrung des Tatorts in Bielefeld

Ein Gemeindeangehöriger, der für den Ordnungsdienst zuständig war, hatte den Mann mit seiner Waffe durch die geöffnete Tür gesichtet. Er konnte die rund 80 Teilnehmer der Versammlung warnen. Sie flohen durch den Notausgang ins Freie. Der 82-Jährige betrat anschließend das Gebäude, verließ es aber kurz darauf wieder und ging in Richtung seines Autos. Zwei Zeugen Jehovas1 verfolgten und überwältigten ihn. Die Polizei nahm den Mann vorläufig fest. Wie sich später herausstellte, hatte der Angreifer drei gefüllte Magazine, ein Messer sowie ein Samuraischwert bei sich.

Mögliches Motiv: Kontakt zu Tochter verloren

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Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag (31.07.09) mitteilten, hatte der Mann offenbar geplant, in die Menge zu schießen. Persönliche Aufzeichnungen würden darauf hinweisen, hieß es. Wegen eines technischen Defekts habe seine Maschinenpistole jedoch nicht ausgelöst. Der festgenommene Rentner befindet sich in Polizeigewahrsam. Der Mann aus dem westfälischen Halle gehört nicht den Zeugen Jehovas an.

Als Tatmotiv gilt ein Familienkonflikt des 82-Jährigen: "Er macht die Zeugen Jehovas dafür verantwortlich, dass er über lange Jahre den Kontakt zu seiner Tochter verloren hatte", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ein konkreter Bezug zu den Zeugen Jehovas in Bielefeld sei allerdings nicht erkennbar. Laut ersten Untersuchungen ist der Mann nicht psychisch krank. Der 82-Jährige wollte sich bei der Polizei nicht zu der Tat äußern.

Zeugen Jehovas geschockt

Eine Informationstafel am Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Bielefeld; Rechte: dpaBild vergrößern

Schild am Eingang des Versammlungssaals

Ein Sprecher der Zeugen Jehovas äußerte sich am Freitag bestürzt über den Vorfall. "Es ist natürlich ein Schock für alle Gemeindemitglieder, so unmittelbar mit Gewalt konfrontiert zu sein, wenn man das noch nie erlebt hat", sagt Matthias Tews, Ältester der betroffenen Gemeinde. Ihr Glaube gebiete es ihnen, nicht zu hassen oder zu verdammen. Die Zeugen Jehovas lehren Gewaltverzicht und lehnen jede Kampfausbildung oder den Gebrauch von Waffen ab.

Die Gemeinde in Bielefeld wurde 1967 gegründet und versammelt sich seit über 20 Jahren in ihrem Königreichssaal. Nach eigenen Angaben gibt es im Raum Bielefeld etwa 2.500 Zeugen Jehovas in 28 Gemeinden.

Stichwörter

1 Zeugen Jehovas

Die Zeugen Jehovas sind aus dem Strom der adventistischen Bewegungen entstanden. Ihr Gründer, Charles Taze Russel war von deren Vorstellungen, wie etwa der Berechenbarkeit der Wiederkunft von Jesus Christus und des Endes der Welt, stark beeinflusst. Nach einigen Jahren verließ er aber die adventistische Sekte und brachte 1879 eine eigene Zeitschrift mit dem Titel "Zions' Wachturm" heraus. Darin wollte er seine gewonnenen Erkenntnisse und Lehren besser verbreiten. Mit Erfolg. 1881 gründete er die "Wachturm-Gesellschaft". Später nannten sich die Mitglieder "ernste Bibelforscher" und seit 1931 heißen sie "Zeugen Jehovas".

Wichtigster Begriff ihrer Lehre ist "Hamargedon", die bald stattfindende, apokalyptische Endschlacht. Überleben werden diese nur die Zeugen Jehovas. Danach, so glauben es die Anhänger, leben sie in einem Paradies auf Erden. Es werde dann keine Schrecken und kein Leid mehr geben.

Da diese Wiederkunft unmittelbar bevorsteht, setzen die Zeugen Jehovas ihre Energie für die Verkündung ihrer Lehren ein. Dazu gehen die Mitglieder im so genannten "Felddienst" an die Öffentlichkeit. Dazu gehören Besuche von Tür zu Tür und stumme Verkündigungen mit der "Wachturm"-Zeitschrift in der Hand.

Die weltweite Bewegung der Jehovaszeugen wird über die Wachturmgesellschaft vom jeweiligen Präsidenten geleitet. Hauptsitz ist in New York. Daneben besitzt die Gesellschaft noch weitere Verwaltungsgebäude in mehreren Ländern der Welt.

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Stand: 31.07.2009, 17:00 Uhr


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