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Donnerstag, 02.09.2010

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Loveparade 2010

Sie befinden sich hier: > WDR.de > Loveparade 2010 > Loveparade: Demo vor dem Rathaus in Duisburg



Zorniger Protest gegen Oberbürgermeister

Teilnehmer kritisieren Polizei

Von Katrin Schlusen

Vor dem Rathaus in Duisburg haben am Donnerstag (29.07.10) mehrere hundert Menschen demonstriert. Ihre Forderungen: Die Verantwortlichen für die Todesfälle bei der Loveparade sollen sich endlich schuldig bekennen - und Oberbürgermeister Sauerland soll zurücktreten.

Organisator Markus Schröder mit einer Flüstertüte; Rechte: WDR/SchlusenBild vergrößern

Demo-Organisator Markus Schröder

Markus Schröder ist ein ruhiger Mann, 40 Jahre alt, Duisburger. Er hat die Demonstration vor dem Rathaus in Duisburg angemeldet und er fühlt sich verantwortlich. An diesem Vormittag wird er die Teilnehmer der Demo immer wieder zur Besonnenheit aufrufen: "Ich möchte, dass das hier alles friedlich bleibt - Chaoten können wir nicht gebrauchen." Jetzt aber steht er noch etwas abseits. Er hat sich eine kleine Binde um den Arm gewickelt, auf der "Ordner" steht. "Am Samstag habe ich ahnungslos gefeiert", berichtet er. Bis 23 Uhr, erst danach hat er erfahren, was passiert ist. Und dass seine Nichte mitten in der Gefahrenzone war. "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich doch niemals weiter getanzt", sagt er kopfschüttelnd. "Ich wusste, es muss eine Demo geben und zwar schnell." Deswegen hat er eine Kundgebung bei der Polizei angemeldet und in den vergangenen Tagen Flugblätter im Unglückstunnel verteilt.

"Schuld ist persönlich"

Minister Jäger wird von Journalisten interviewt; Rechte: WDR/SchlusenBild vergrößern

Stippvisite von Innenminister Jäger

Um 9.30 Uhr ist es soweit: Etwa 300 Demonstranten sind gekommen - und noch einmal genauso viele Journalisten. Die belagern gerade einen Mann im Anzug. "Wer ist das denn?", fragt Wolfgang. Er und seine Freunde sind heute extra nach Duisburg gekommen, unter anderem aus Dortmund und Dormagen. Das ist NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) - er lässt sich nur kurz sehen, bis zum Beginn der Kundgebung bleibt er nicht. Die Demonstration findet vor dem Rathaus statt. Jeder, der will, kann die Stufen hochsteigen und über ein Megaphon seine Meinung kundtun. Später will man gemeinsam zu dem Life-Saver-Brunnen in der Duisburger Innenstadt gehen.

Viele der Demo-Teilnehmer haben Plakate mitgebracht oder tragen selbst bemalte T-Shirts. Stefanie Radseck aus Moers hat sich auf das Rückenteil geschrieben: "Schuld ist persönlich". Was sie damit meint, erklärt sie so: "Oberbürgermeister Sauerland hat die Gefahr gekannt - das schlägt bei mir in Wut um."

"Keiner will Sie hier mehr"

Narrenpuppe mit Sauerland-Gesicht am Galgen; Rechte: WDR/SchlusenBild vergrößern

Zeichen der Wut: Galgen für OB Sauerland

Anderen Teilnehmern geht es genauso. Eine Frau trägt ein Schild: "Herr Sauerland, Sie haben mit dem Leben meines Sohnes gespielt." Demo-Organisator Markus Schröder formuliert es so: "Wir sind hier, um den Druck auf die Politiker zu erhöhen." Er kritisiert die Teilnehmer, die Absperrungen eingetreten haben. Oberbürgermeister Sauerland, Veranstalter Rainer Schaller, der Rat der Stadt und die Einsatzleitung der Polizei gehörten alle angeklagt, ruft der 40-Jährige durch ein Megafon und erntet zustimmenden Applaus. Es folgen Sprechchöre: "Wir haben die Schnauze voll" und "Sauerland raus" Ein Mann aus der Menge ruft: "Keiner will Sie hier mehr." Auf eine Puppe, die an einem Galgen hängt, wurde ein Foto Sauerlands geklebt. Doch die großen Türen des historischen Rathausgebäudes bleiben geschlossen. Es geht das Gerücht um: der Oberbürgermeister sei gar nicht da.

Kamerateams stürzen sich auf weinende Frau

Loveparade-Teilnehmer Dominik Pavone; Rechte: WDR/SchlusenBild vergrößern

Augenzeuge Dominik kritisiert Polizei

Dominik Pavone und seine Freundin Yvonne schildern den anderen Teilnehmern, wie sie die Loveparade erlebt haben. "Die Polizei hat gar nichts gemacht, gar nichts", sagt Dominik. "Für mich ist das eine klare Kiste: Das war unterlassene Hilfeleistung." Andere Teilnehmer sollten Handyvideos an die Medien schicken, damit es Beweise gebe. Man sieht den beiden an, wie tief der Schock sitzt. Nach dem Appell bricht Yvonne weinend zusammen, und sofort stürzen sich zig Kamerateams auf die schlanke, dunkelhaarige Frau.

Erhitzte Gemüter

Teilnehmer der Loveparade-Demo in Duisburg; Rechte: WDR/SchlusenBild vergrößern

Sprechchor: "Sauerland raus"

Aber nicht alle Redner kommen bei der Menge gut an. Einige werden von den Stufen des Rathauses geradezu heruntergeschrien - sie nutzen das Forum, um über etwas ganz anderes zu sprechen: etwa Kapitalismus oder Afghanistan. Einmal kommt es sogar fast zu Handgreiflichkeiten. Da springt dann wieder der ruhige Markus Schröder ein. "Wir sind doch alle erwachsen", ermahnt er die aufgebrachte Menge. Nach einer Stunde Kundgebung vor dem Rathaus machen sich die Teilnehmer auf den Weg zu einem nahegelegenen Brunnen in der Innenstadt. Da soll dann noch einmal jeder sagen können, was ihm auf dem Herzen liegt. Schröder: "Jeder, der noch etwas sagen will, soll es jetzt machen - nicht zu Hause auf der Couch oder am Stammtisch."

Stand: 29.07.2010, 14:00 Uhr


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