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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Integration > Der "Zentralrat der Ex-Muslime"



"Der Islam ist nicht reformierbar "

Muslime in Deutschland schwören ab

Am Mittwoch (28.02.07) stellt sich der neue "Zentralrat der Ex-Muslime" vor. Der islam-kritische Verband wurde in Köln gegründet. WDR.de sprach mit der Vorsitzenden Mina Ahadi über die Abkehr vom Glauben, islamische Organisationen und gefährliche Kritik.

Die etwa 40 Gründungsmitglieder des "Zentralrats der Ex-Muslime" stammen zum großen Teil aus islamischen Ländern. Ein Teil gehört noch immer dem Islam an, steht islamischen Organisationen jedoch kritisch gegenüber. Die Organisation pocht auf das Recht auf Abkehr vom Glauben. Zudem will sie eine Debatte über den Alleinvertretungsanspruch der islamischen Verbände anstoßen. Die Vorsitzende, die Exil-Iranerin Mina Ahadi, macht sich seit langem vor allem für die Rechte islamischer Frauen stark. Die Menschenrechtlerin ist auch Gründerin des "Internationalen Komitees gegen Steinigung".

WDR.de: Was ist das Hauptanliegen Ihrer Organisation?

Mina Ahadi; Rechte: PrivatBild vergrößern

Vorsitzende Mina Ahadi

Mina Ahadi: Wenn etwas passiert wie diese Karikaturengeschichte, dann fühlt sich der Zentralrat der Muslime für alle Menschen aus der Türkei, Irak, Afghanistan, Iran zuständig. Im Namen dieser Personen wird dann gesagt, die Muslime fühlten sich betroffen, Kritik an ihnen sei nicht erlaubt.

Ich erlebe das ganz anders und sehe, dass die meisten mit den islamischen Organisationen nicht einverstanden sind. Von den Exil-Iranern beispielsweise behaupte ich, dass 70 Prozent nicht religiös sind. Abgesehen davon sind die Personen der Organisationen und ihre politische Richtung von niemandem gewählt. Wir wollen nun selbst sagen, was wir denken.

WDR.de: Steht der Islam generell im Fokus Ihrer Kritik?

Mina Ahadi: Der Islam steht im Mittelpunkt. Ich selbst habe im Iran gesehen, wie die islamischen Organisationen den Kopftuchzwang eingeführt haben, wie gesteinigt wurde und Leute in Gefängnisse gesteckt wurden. Dieser politische Islam hat Frauen und Menschen generell sehr viel angetan. Wir haben uns aber nicht von ihm abgewandt, um dann Katholiken zu werden. Wir sind gegenüber allen Religionen kritisch.

WDR.de: Sie werden vor allem in Deutschland tätig sein. Auf was werden Sie hier Ihr Augenmerk richten?

Moschee in Essen; Rechte: dpaBild vergrößern

Privatsache Islam?

Mina Ahadi: Auch in Deutschland hat man es mit einem politischen Islam zu tun, deren Organisationen zwei Gesichter haben: Einerseits sitzen sie mit Innenminister Wolfgang Schäuble und anderen Politikern zusammen und reden nett. Andererseits haben sie Kontakt zu islamischen Regimes im Iran oder in Saudi-Arabien. Und sie verlangen Dinge, die absolut nicht in Ordnung sind: Mädchen sollen keinen Freund in Deutschland haben, nicht in die Disco gehen, ein Kopftuch tragen.

WDR.de: Warum haben Sie einen so provokativen Namen für Ihre Kampagne gewählt?

Mina Ahadi: Der Islam ist meiner Meinung nach nicht reformierbar. Abgesehen davon hat die Geschichte in Europa und im Iran gezeigt, dass Reformen allein nicht erfolgreich sind. Man muss radikal sein, muss zeigen, dass Religion mit unserem Leben nichts zu tun hat. Wenn, dann nur als Privatsache, aber nicht als politisches Phänomen. Im Endeffekt muss Religion ausschließlich eine Privatsache werden.

WDR.de: Die Abkehr vom Islam gilt bei Muslimen allerdings als todeswürdiges Verbrechen.

Mina Ahadi: Wir alle befinden uns durch diese Aktion in Gefahr - und genau das möchten wir auch zeigen. Da ich seit 26 Jahren mit einer Todesstrafe aus dem Iran lebe, ist das nichts Neues für mich. Terror als ein Instrument von islamischen Organisationen kenne ich, aber ich akzeptiere das nicht. Ich will den Islam kritisieren können. Ich kritisiere meine Kultur, und ich verlange von allen, dass sie Kritik üben. Bitte keine Toleranz mit dieser Tradition.

WDR.de: Was ist in nächster Zeit vom "Zentralrat der Ex-Muslime" zu erwarten?

Muslimisches Mädchen in der Schule; Rechte: dpaBild vergrößern

"Alle sollen offen reden dürfen."

Mina Ahadi: Bei einer Islamkonferenz im November werden wir diskutieren, welche Wirkung der Islam auf unser Leben gehabt hat. Dann ist eine Tagung zum Thema "Scharia und Frauenrechte" geplant. Wir werden versuchen, Tabus zu brechen und klarzustellen, dass man als Frau offen reden darf: über Sex, Männergewalt, unser Leben.

Darüber hinaus werden wir zu allem Stellung nehmen. Wenn der Zentralrat der Muslime zum Beispiel sagt, das und das sei Gotteslästerung, werden wir sagen, Karikaturen sind okay, machen Sie das ruhig. Wir werden die freie Meinungsäußerung verteidigen, immer da sein, wo die islamischen Organisationen sind, und unsere Stimme erheben.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.

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Stand: 28.02.2007, 06:00 Uhr


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