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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Politik > Biodiversität: UN-Treffen und Gegengipfel


Graswurzelbewegung und UN-Treffen

Verhandlungen vor der UN-Biodiversitäts-Konferenz

Von Sabine Tenta

Die große UN-Naturschutzkonferenz in Bonn wirft ihre Schatten voraus: Am Montag (12.05.08) starten bereits ein offizielles UN-Treffen zur Sicherheit von Bio-Gentechnik und ein Gegenkongress. WDR.de erklärt, wer dabei was verhandelt.

Die UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (19. bis 30.05.08) in Bonn mit 5.000 Delegierten und viel Ministerprominenz steht im Fokus der Öffentlichkeit. Eine Woche zuvor findet jedoch bereits ein UN-Treffen statt, das deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommt. Aber es geht um ein wichtiges Thema, nämlich den Handel mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO), wie zum Beispiel Gen-Mais. Laut einer Forsa-Umfrage von 2007 lehnen 68 Prozent der Bundesbürger GVO ab. Während die UN-Offiziellen um die Sicherheit des Handels mit GVO verhandeln, startet parallel der Gegenkongress Planet Diversity, der GVO für ein unkalkulierbares Risiko hält.

Was steckt hinter dem UN-Treffen?

Logo der UN, auf dem Langen Eugen in Bonn; Rechte: dpaBild vergrößern

Das Logo der UN

Auf dem UN-Treffen (12. bis 16.05.08) geht es um die Sicherheit von GVO. Ein internationaler Vertrag (Cartagena-Protokoll) regelt den grenzüberschreitenden Handel mit GVO. Wer muss wie und in welchem Umfang informiert werden? Wie müssen die Deklarationen der GVO aussehen? Antworten auf diese Fragen sind dort festgelegt. Zurzeit gibt es 147 Vertragsstaaten, darunter auch Deutschland und alle anderen Staaten der Europäischen Union. Die USA, Australien und Argentinien haben das Protokoll nicht unterzeichnet. Sie gehören jedoch zu den größten Lebensmittelexporteuren weltweit. Veranstaltet wird das Treffen, das offiziell "COP-MOP41" heißt, von den Vereinten Nationen (UN), Gastgeberland ist diesmal Deutschland.

Was steckt hinter dem Gegenkongress Planet Diversity?

Greenpeace-Aktion gegen Gen-Mais mit grimmigen Pappmaiskolben; Rechte: dpaBild vergrößern

Protest-Aktion von Greenpeace

Nicht weit vom offiziellen Verhandlungsort entfernt findet vom 12. bis zum 16. Mai ebenfalls in Bonn eine Veranstaltung namens Planet Diversity statt. Den Auftakt macht am Montag (12.05.08) eine Demonstration mit anschließendem "Festival der Vielfalt" - mit Bühnenprogramm und Infoständen. Planet Diversity versteht sich als Gegengipfel zu den beiden offiziellen UN-Veranstaltungen und wird von einem Bündnis verschiedener Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO) veranstaltet. Dazu gehören unter anderem Greenpeace, der BUND, das Forum Umwelt und Entwicklung und der Evangelische Entwicklungsdienst. Organisiert wird Planet Diversity von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

Was wird verhandelt?

Maisfeld, in das ein riesiges Fragezeichen gemäht wurde; Rechte: dpaBild vergrößern

Fragen zum Gen-Mais werden gestellt

Bei dem UN-Treffen wird es nach Angaben des ausrichtenden Bundes-Landwirtschaftsministeriums im Wesentlichen um zwei Punkte gehen: Was ist überhaupt ein Schadensfall und wer haftet dann wie dafür? Das ist laut Ministeriumssprecherin Ursula Huber der erste Punkt. Der zweite sei die Finanzierungsfrage, denn die Umsetzung des Cartagena-Protokolls koste Geld. Eine Konfliktlinie könne zwischen Staaten gezogen werden, die ein Interesse am Export von GVO haben wie zum Beispiel Mexiko. Und jenen Staaten, die eine Einfuhr ablehnen, "dazu gehören zum Beispiel viele afrikanische Staaten".

Bei Planet Diversity diskutieren die Teilnehmer in Workshops und Fachvorträgen Fragen wie gesundheitliche Auswirkungen von GVO, Haftungs- und Entschädigungsfragen, Klimawandel und Bioanbau. Es geht darum, dezentrale, lokale Alternativen zu industriellen Monokulturen zu entwickeln und dabei das Wissen aus traditionellen Anbaumethoden zu nutzen.

Wer nimmt an den beiden Treffen teil?

Cop-Mop 4 und planet-diversity am 12-16.Mai 2008 in Bonn; Rechte: cop mop 4 und planet diversity, WDR, KirschBild vergrößern

Die Logos der Veranstaltungen

An dem UN-Treffen werden nach offiziellen Angaben rund 2.000 Delegierte teilnehmen. Ranghöchste Teilnehmerin der deutschen Delegation ist Ursula Heinen (CDU), Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

An Planet Diversity nehmen rund 500 Menschen aus 100 Ländern teil. Nach Angaben der Organisatoren handelt es sich um die "Graswurzelbewegung, also die Basis, die betroffen ist". Dazu gehören Bauern, Umwelt- und Verbraucherschützer, Saatgutproduzenten und Wissenschaftler. Zudem werden mehrere Träger des Alternativen Nobelpreises auf dem Kongress sein, unter anderem Vandana Shiva aus Indien und der Stifter des Preises, Jakob von Uexküll.

Welche Ziele haben die Veranstaltungen?

Hauptziel des UN-Treffens ist, "eine Annäherung zu finden und Impulse zu geben bei den Haftungsfragen", so Ursula Huber vom Bundes-Landwirtschaftsministerium. Als inhaltliche Hauptziele von Planet Diversity nennt Organisator Benedikt Haerlin: "Stopp des Agrarsprits, keine Gentechnologie auf den Äckern und den Tellern, keine Patente auf Leben." Darüber hinaus sollen sich die Gegner von biologischen Gentechniken durch den Kongress vernetzen.

Trifft Planet Diversity auf die Delegierten des UN-Vortreffens?

Am Ende des Kongresses Planet Diversity wird es nach Angaben von Benedikt Haerlin ein Manifest geben, das den Delegierten des UN-Treffens am 16. Mai überreicht werden soll.

Stichwörter

1 Das Vortreffen zur UN-Naturschutzkonferenz

Die UN -Naturschutzkonferenz in Bonn (19. bis 30.05.08) ist die 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Die so genannte "Conference of the Parties" ist die neunte Folgekonferenz des Erdgipfels von Rio de Janeiro (1992) und heißt daher offiziell "COP 9".

Im Vorfeld findet ebenfalls in Bonn das UN -Treffen zu Sicherheit und Handel gentechnisch veränderter Organismen statt (12. bis 16.05.08). Es geht zurück auf den Durchbruch für eine internationale Vereinbarung dazu im kolumbianischen Cartagena, deshalb auch "Cartagena-Protokoll". Zum vierten Mal treffen sich die Vertreter der Vertragsstaaten nun. Das Treffen in Bonn heißt offiziell "COP-MOP 4", weil es im Vorfeld der Naturschutzkonferenz "COP 9" stattfindet und ein "Meeting of the Parties" (MOP) ist.

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Stand: 12.05.2008, 06:00 Uhr


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