Von David Ohrndorf
Auch der "Super Tuesday" hat für die Kandidaten der US-Präsidentschaftswahlen kein eindeutiges Ergebnis gebracht. Während sich bei den Republikanern eine Mehrheit für John McCain abzeichnet, liefern sich Hillary Clinton und Barack Obama ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im Netz wurden die Wahlen die ganze Nacht über kommentiert.
"Faszinierend und fesselnd ist der Blick auf die US-Primaries", findet der Pfandtassen-Blogger. Er macht sich sein Bild vom "Super Tuesday" bei Twittervision. Einer Weltkarte, auf der im Sekundentakt Kommentare "ganz normaler Menschen" zur Wahl erscheinen. Aufforderungen zur Wahl zu gehen oder Anfeuerungsrufe für den einen oder anderen Kandidaten. Zwischen den vielen Nachrichten amerikanischer Nutzer blinkt auch immer wieder eine Nachricht aus Deutschland auf der Karte auf. Um 6 Uhr 14 schreibt ein Düsseldorfer: "Huch, schon so spät?"
Einer der Blogger der die Nacht durchgemacht hat, ist Patrick Jedamzik aus Gelsenkirchen. Seit 23 Uhr 45 veröffentlicht er in seinem patje-Blog teilweise minütlich neue Hochrechnungen des US-Fernsehsenders CNN und kommentiert die Ergebnisse. Vorbereitet hat er sich "mit einigen wenigen Stunden vorgeholtem Schlaf und einer Flasche Cola". Er ist für Barack Obama, weil er sich eine Veränderung in der Außenpolitik wünscht. Allerdings würden die USA, seiner Meinung nach, nie zu einem pazifistischen Staat werden, "egal unter welchem Präsidenten".
Im Forum von Politik.de lästern die Kommentatoren über die Kandidaten. Nachdem bekannt wird, dass Hillary Clinton am Wahltag erneut Tränen vergossen hat, schreibt Manoftomorrow: "Wie heult die denn erst los, wenn sie schwierige Entscheidungen fällen muss".
Auch die Aktivitäten der Kandidaten im Netz werden genau beobachtet. Dort geht es den Wahlstrategen offenbar besonders um junge Wähler. "Was hier an Geld verballert wird, ist schon ziemlich absurd", findet Sascha Kurfiss in seinem Ideenverteiler-Blog. Allerdings freut sich der Kommunikationsberater auch über "interessante Werbeaktionen", wie Youbama. Eine Video-Plattform, die dem bekannten Youtube nachempfunden ist. "Wenn das Martin Luther King schon gehabt hätte!"
Pottblogger Jens hat spaßeshalber mal das "Candidate Match Game" eines amerikanischen Fernsehsenders durchgespielt. Vergleichbar mit dem Deutschen "Wahl-O-Mat" wurden ihm Fragen gestellt und daraus der Kandidat ermittelt, der am besten zu ihm passt. Es ist Hillary Clinton. Um 5 Uhr 24 kommentiert ein User, möglicherweise etwas voreilig: "Gewonnen! Hillary wird Präsidentin. Glückwunsch".
Auch über die Zukunft des Internets macht sich die Netzgemeinde Gedanken. Vorratsdatenspeicherung ist nämlich auch in den USA im Gespräch. "Die Clinton ist der US-Schäuble", schreibt ein Kommentator. Denn die Kandidatin ist für eine Datenspeicherung, während Obama sich klar dagegen ausgesprochen hat. Die Kandidaten der Republikaner haben sich zu dem Thema bisher nicht eindeutig geäußert.
Nicht nur in Blogs und Foren hinterlässt der "Super Tuesday" Spuren. Natürlich hat "der Tag, an dem die meisten Delegierten gewählt werden" auch eine eigene Wikipedia-Definition. Im Laufe des Wahltages wird der Eintrag immer wieder überarbeitet und um Details ergänzt. Im Bilder-Portal "Flickr" veröffentlichen die Nutzer fleißig ihre ganz persönlichen Eindrücke der Vorwahl: Fotos von Wahlzetteln, von Fernsehteams die Wähler befragen und von einem ausgelatschten Turnschuh, der angeblich dem nächsten amerikanischen Präsidenten gehören soll. Einen Namen nennt der Fotograf allerdings nicht. Nur soviel ist erkennbar: es handelt sich offenbar nicht um einen Damenschuh.
Amerika hält den Atem an
Komplizierte Kandidatenkür bei US-Wahlen
Präsidentschaftswahlen 2004Stand: 06.02.2008, 14:39 Uhr
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