Von David Ohrndorf
Via Internet private Computer durchsuchen - das darf künftig der Verfassungsschutz. Wie am Mittwoch (20.12.06) der Landtag in Düsseldorf beschlossen hat, können die Beamten bei Verdacht auf schwere Straftaten PCs mit Hackermethoden ausspionieren. Allerdings könnten die Ermittler an Firewalls scheitern.
Auf "technischer Augenhöhe mit den Verfassungsfeinden" sieht NRW-Innenminister Ingo Wolf den Verfassungsschutz. Die Beamten könnten von ihrem neuen Recht beispielsweise Gebrauch machen, wenn sie auf einem Computer Verabredungen zu Anschlägen oder Bombenbaupläne vermuteten. Sobald Kriminelle sich mit ihrem Computer ins Internet einwählen, könnte sich der Verfassungsschutz mit Hilfe von speziellen Programmen Zugriff auf die Rechner verschaffen.
Verfassungsschutz als Hacker: Konsequenzen für User
Online-Zugriff auf Privatrechner
Private Festplatten im Visier
Verfassungsschutz mit Hackermethoden"Das klingt doch ein bisschen nach James Bond", sagte ein Experte für Computer-Sicherheit zu WDR.de. "Besonders naive Täter bekommt man so vielleicht. Aber wer eine Bombe bauen kann, der kennt sich doch vielleicht etwas besser mit Computern aus." Grundsätzlich würde der Verfassungsschutz mit den Methoden arbeiten, die auch Hacker verwenden, um Zugang zu fremden Rechnern zu erlangen. "Aber wenn Sie auf dem privaten Computer eine
Firewall1 haben und die auch richtig eingestellt ist, dann wird es schwierig. Egal, ob Sie Hacker oder vom Verfassungsschutz sind", so der Experte.
Man müsse immer mit Abwehrmaßnahmen der anderen Seite rechnen, heißt es aus dem Innenministerium. Pressesprecherin Dagmar Pelzer sagte zu WDR.de: "Es kann sein, dass die Methode in einigen Fällen nicht funktioniert. Wir wissen aber, dass viele Extremisten leichtsinnig mit ihren Daten umgehen." Deswegen sei es wichtig dieses Mittel gegebenenfalls zumindest ausprobieren zu können.
Ähnliche Probleme gibt es auch beim Ausspähen von E-Mails. Sobald die Nachricht den heimischen Rechner verlassen hat, ist sie zwar relativ leicht mitlesbar - praktisch unmöglich wird dies allerdings, wenn die E-Mail verschlüsselt wird. Das NRW-Innenministerium ist auf Länderebene Vorreiter bei der Einführung von Computerdurchsuchungen via Internet. Auf Bundesebene hat sich auch Innenminister Schäuble kürzlich dafür ausgesprochen diese Möglichkeit dem Bundeskriminalamt einzuräumen.
Ob Verfassungsschützer und -feinde mit der Gesetzesnovelle technisch tatsächlich ebenbürtig werden, ist aber fraglich. Die "neuen Methoden" der Landesregierung funktionieren nur, solange die Verbrecher die umfangreichen Informationen derselben Regierung zum Thema Computer-Sicherheit nicht im Internet finden.
Das Internet ist keine Einbahnstraße. PC-Benutzer können Daten aus dem Internet auf den eigenen Rechner holen, der umgekehrte Weg ist aber genauso möglich: Andere Benutzer oder Programme holen sich Informationen vom PC des ahnungslosen Internetbenutzers ab. Eine Firewall ist ein Schutzsystem, bestehend aus Hardware und/oder Software, das den Datenverkehr überwacht und so Missbrauch verhindern soll. Diverse Regeln legen fest, was erlaubt und was verboten ist.
Neues Verfassungsschutzgesetz in NRW
Terror-Fahnder wollen mehr Rechte
Beschlussempfehlung und Bericht
Secure-ITStand: 20.12.2006, 11:45 Uhr
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