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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Sport > Wettskandal: Verler Spieler räumen Manipulationen ein


Verler Fußballer räumen Manipulationen ein

Spieler des Regionalligisten SC Verl suspendiert

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Fußball-Wettskandal haben offenbar die ersten Spieler des SC Verl eine Beteiligung eingeräumt. Sie gaben zu, von der Wettmafia bestochen worden zu sein und für sie Spiele manipuliert zu haben.

Tischkicker mit DFB-Logo; Rechte: imago sportfotodienstBild vergrößern

Der Wettskandal zieht weite Kreise

Nach Informationen eines Insiders sollen drei Spieler des Regionalligisten SC Verl bei einer Mannschaftssitzung zugegeben haben, bei zwei Meisterschaftsspielen in der letzten Saison 2008/2009 von der Wettmafia bestochen worden zu sein. Ein vierter Verler Spieler soll nach Recherchen von WDR.de bei den geplanten Spielmanipulationen wieder abgesprungen sein. Er soll sich vor den beiden gekauften Regionalligapartien jeweils krank gemeldet haben.

SC Verl suspendiert Spieler

"Alles weitere werden die zukünftigen Ermittlungen ergeben", heißt es in der Erklärung des SC Verl vom Dienstag (24.11.09). Der Regionalligist distanziere sich von "diesen kriminellen Handlungen". Der SC Verl stelle sich vor diejenigen Akteure in seinem Spielerkader, "die nicht an diesen Manipulationen beteiligt sind", heißt es in dem Schreiben weiter.

Peter Mankartz, Vorsitzender des SC Verl, sagte am Dienstag (24.11.09) WDR.de, er wolle sich über die schriftliche Erklärung hinaus nicht äußern. Der Club teilte dort auch mit, dass er die Spieler Patrick Neumann und Tim Hagedorn vom Spiel- und Trainingsbetrieb suspendiert hat. "Meines Wissens nach hat nicht ein Spieler ein Geständnis abgelegt - weder bei der Staatsanwaltschaft noch bei uns", sagte Mankartz am Mittwoch (25.11.09). Zur Suspendierung der Spieler hätten "Anhaltspunkte" geführt. Der SC Verl hatte in seinem Schreiben am Vortag zudem mitgeteilt, dass er mit den Ermittlungsbehörden Stillschweigen vereinbart habe, "um weitere Ermittlungen nicht zu gefährden".

Zwei andere Spieler teilten der Bochumer Staatsanwaltschaft am Dienstag ihre Erkenntnisse über Manipulationen bei Partien der vergangenen Saison mit. "Bei diesen beiden Spielen ging es nicht mehr um Aufstieg oder Abstieg. Hier haben die Mittelsmänner der Wettmafia angesetzt und versucht, Spieler des SC Verl dazu zu bewegen, auf Niederlage zu spielen", sagte der zweite Vorsitzende des SC Verl, Jochen Scholz, am Mittwoch. Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am Dienstag auf Anfrage von WDR.de einen Kommentar zu den Geschehnissen abgelehnt. Oberstaatsanwalt Gerrit Gabriel sagte, die Ermittlungsbehörde werde sich derzeit "zu weiteren Details nicht äußern".

Lippstädter Kaufmann in U-Haft

Bereits am vergangenen Freitag (20.11.09) war im Zuge einer bundesweiten Razzia ein 34-jähriger Kaufmann aus dem westfälischen Lippstadt wegen Betrugsverdachts verhaftet worden. Der Beschuldigte, der seither in Untersuchungshaft sitzt, soll Verler Spielern nach Erkenntnissen der Ermittler mindestens 20.000 Euro dafür gezahlt haben, dass sie die für ihren Klub sportlich bedeutungslosen Meisterschaftsspiele gegen die U-23-Teams von Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Köln absichtlich verlieren.

Spieler schickte aus Kabine SMS an Wettpaten

Junge mit rotem T-Shirt mit der Aufschrift "FC Fairplay"; Rechte: dpaBild vergrößern

"Fairplay" gefordert

Der erste Manipulationsversuch in dem Auswärtsspiel der Verler am 30. Mai 2009 in Mönchengladbach war allerdings gescheitert. Bereits nach 41 Spielminuten führten die Verler überraschend mit 3:0. In der Halbzeit soll einer der gekauften Spieler in der Kabine eine SMS an seinen Wettpaten geschickt haben: "Was soll ich tun?" Zwar schaffte Mönchengladbach bis zur 81. Minute begünstigt durch individuelle Fehler der Ostwestfalen noch den 3:3-Ausgleich, doch in der 89. Minute erzielte der Verler Torjäger Christian Knappmann den 4:3-Siegtreffer. Knappmann war in den Manipulationsversuch nicht eingeweiht.

Am 6. Juni 2009, dem letzten Regionalligaspieltag der Saison 2008/2009, unterlagen die Verler durch ein Eigentor von Ihsan Kalkan in der 41. Minute gegen die U23 des 1. FC Köln mit 0:1. Der Eigentorschütze, der einen abgefälschten Ball ins eigene Netz lenkte, soll jedoch nicht zu den gekauften Spielern zählen.

Gewinn von über 100.000 Euro

Nach den Erkenntnissen der Bochumer Fahnder setzte die Wettmafia insgesamt 41.550 Euro auf einen Kölner Sieg beim SC Verl und erzielte bei einer Quote von 2,4 einen Gewinn von über 100.000 Euro. An die gekauften Verler Spieler sollen 20.000 Euro geflossen sein. Die Wettpaten sollen die Kicker gedrängt haben, mit einer Niederlage gegen Köln die fehlgeschlagene Manipulation bei ihrem Spiel in Gladbach auszumerzen.

Ex-Trainer "wie vor den Kopf gestoßen"

Wettscheine für Sportwetten; Rechte: ddpBild vergrößern

Wetten auf den Sieg

Der damalige Verler Trainer Mario Ermisch, der inzwischen bei dem ostwestfälischen Verbandsligisten TuS Dornberg tätig ist, erklärte, er sei nach den Geständnissen seiner früheren Verler Spieler "wie vor den Kopf gestoßen". Er "habe nicht glauben wollen, dass die so was machen". Jetzt seien für ihn aber auch einige merkwürdige Szenen aus dem Gladbach-Spiel erklärlich, in dem wichtige Mittelfeldspieler in der zweiten Halbzeit komplett versagt hätten.

Einer der Mittelfeldakteure habe in der 52. Minute einen von den Borussen verwandelten Foulelfmeter verschuldet. Dagegen legte der Verler Ex-Coach für den Eigentorschütze Kalkan, der die 0:1-Niederlage gegen Köln maßgeblich eingeleitet hatte, die Hand ins Feuer: "Der hat mit den Manipulationen nichts zu tun. Der Junge konnte gar nicht wissen, dass er in diesem Spiel aufläuft. Das habe ich völlig überraschend entschieden", sagte Ermisch.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version diese Textes hatten wir über "Geständnisse" berichtet. Da es sich um Eingeständnisse gegenüber Teamkollegen und nicht gegenüber Ermittlern handelt, haben wir die entsprechenden Passagen geändert.

Stand: 25.11.2009, 17:55 Uhr



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