Von Christian Mixa
Nach Olympiasieg und Champions Trophy wollen die deutschen Hockey-Frauen nun in Madrid den Weltmeister-Titel holen. Der WM-Triumph der Herren ist für das Team um die Kölner Spielführerin Marion Rodewald dabei eine zusätzliche Motivation.
Es ist nicht das erste Interview, das Marion Rodewald an diesem Tag gibt. Genau genommen war das Medieninteresse an den deutschen Hockey-Damen und ihrer Spielführerin nicht mehr so groß seit dem sensationellen Sieg im Olympischen Finale 2004 gegen die Niederlande. Hockey in Deutschland erlebt zurzeit ein neues Zwischenhoch. Mehr als 100.000 Zuschauer strömten zur Weltmeisterschaft der Herren nach Mönchengladbach. Gekrönt wurden die Hockey-Festspiele vom Titelgewinn der Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB).
"Der Erfolg der Herren gibt uns noch mal einen zusätzlichen Motivationsschub", sagt Marion Rodewald vor dem Start der Frauen-WM (27.09.- 07.10.06) im Club de Campo in Madrid. Dort zählt das DHB-Team zu den Mitfavoriten, seit sie im Juli dieses Jahres die renommierte Champions Trophy der sechs weltbesten Nationen gewonnen haben.
"Das Ziel ist erst einmal das Halbfinale", sagt Rodewald angesichts der Hammergruppe bei der WM, wo es die deutsche Mannschaft mit China und den Niederlanden gleich mit zwei ganz dicken Brocken zu tun bekommt. Mindestens einen davon müssen sie aus dem Weg räumen, damit sie um die Medaillen spielen können. Außerdem warten noch England und Gastgeber Spanien. "Die Vorrunde ist sehr stark - aber wenn wir da durchkommen, ist alles möglich."
Gegen vermeintlich übermächtige Teams hat die Nationalmannschaft 2004 auch Olympia-Gold geholt, mit viel Herz und einem starken Zusammenhalt auf und neben dem Platz. Das zeichnet auch den aktuellen Kader aus, obwohl es nach Athen einen Umbruch gegeben hat. "Wir können nur im Team funktionieren, wenn sich alle aufeinander verlassen können", sagt die Spielführerin.
Rodewald ist die große Stütze in der deutschen Innenverteidigung. "Sie ist aus der Mannschaft gar nicht wegzudenken. Sie hat einen riesigen Erfahrungsschatz und vielleicht die professionellste Einstellung von allen", sagt Wolfgang Kluth, ihr Coach bei Rot-Weiss Köln und gleichzeitig Co-Trainer des Nationalteams. Mit Yvonne Frank steht eine weitere Kölnerin im deutschen Tor.
Auch Kerstin Hoyer sehnt den Anpfiff herbei. "Es wird Zeit, dass es endlich losgeht, die Vorbereitung nach der Champions Trophy im Juli war sehr lang und sehr hart." Die Kölnerin stürmt bei der WM neben ihrer rot-weißen Teamkollegin Maike Stöckel, die so etwas wie die Entdeckung dieser WM werden könnte. "Maike ist eine der Top-Spielerinnen in Deutschland, eine spielende Stürmerin mit einem sehr starken Drang zum Tor", lobt Wolfgang Kluth.
Die 22-Jährige ist ein Beweis für die exzellente Nachwuchsarbeit im deutschen Frauen-Hockey, wo die "U21" zuletzt Vize-Weltmeister wurde. "Bei den Juniorinnen sind wir bereits auf einer Stufe mit den Niederlanden", sagt Coach Kluth. Und das, obwohl Hockey dort ein echter Volkssport ist, mit dreimal so vielen Aktiven wie hierzulande. Über die vorbildlichen Strukturen im DHB wird viel geredet, seit Jürgen Klinsmann Herren-Bundestrainer Bernhard Peters als Sportlichen Leiter für die Fußball-Nationalmannschaft abwerben wollte. Moderne Trainingsmethoden, ständiger Austausch der Trainer, auch mit Kollegen aus dem Ausland, und vor allem eine einheitliche Konzeption vom Jugendbereich bis zu den Senioren - diese Erfolgsrezepte praktiziert der DHB auch bei den Damen.
So wurde der Abstand zur Weltspitze nach und nach kleiner, bis zum Olympiasieg gegen die Hockey-Großmacht aus den Niederlanden. Damals standen die Nationalspielerinnen auf einmal in einer Reihe mit deutschen Olympia-Heldinnen wie Ulrike Meyfarth und Franziska Almsick, wurden als "Gold-Mädels" vom Boulevard gefeiert. Die Euphorie in den Medien flaute zwar schnell wieder ab, doch an der Basis gab es einen Schub. In den Vereinen meldeten sich wieder mehr Mädchen an, ein Autobauer stieg beim DHB als Hauptsponsor ein. Trainer Wolfgang Kluth bleibt realistisch: "Hockey wird in Deutschland immer familiär bleiben, aber wir sind auf einem guten Weg. Wir müssen nach dem Titel der Herren jetzt bei den Sponsoren und bei der Vermarktung am Ball bleiben - am besten mit einer guten WM-Platzierung in Madrid".
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Die Hockey-Weltmeisterschaft im Internet
Informationen des Deutschen Hockey Bundes
Stand: 26.09.2006, 06:00 Uhr
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