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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Sport > Top-Rennen für die Hälfte des Geldes


"Doping hat uns fast den Rest gegeben"

Interview mit Rund-um-Köln-Organisator Artur Tabat

Nach den Doping-Skandalen ist der Profi-Radsport in Deutschland vielerorts so gut wie tot. Artur Tabat, der seit 1972 das Rennen "Rund um Köln" organisiert, erklärt im Interview mit WDR.de, wie man ein Profirennen auch ohne großen Etat stemmt. Am Ostermontag (24.03.08) bedroht der Schnee die 100. Auflage des Traditions-Rennens.

WDR.de: Herr Tabat, in Deutschland verlassen Sponsoren den Profi-Radsport wie Ratten das sinkende Schiff. Wurde auch "Rund um Köln" der Geldhahn zugedreht?

Artur Tabat; Rechte: wdr/JansenBild vergrößern

Artur Tabat - der Organisator

Artur Tabat: "Kann man so sagen. Unser Hauptsponsor ist abgesprungen, weitere wichtige Geldgeber haben ihr Engagement entweder ganz oder teilweise eingestellt. Wir haben in diesem Jahr in etwa die Hälfte des Etats zur Verfügung wie in den vergangenen Jahren."

WDR.de: Sind Sie sauer auf die dopenden Profis, die den Radsport und damit auch ihr Rennen in Schieflage gebracht haben?

Tabat: "Ich war geschockt vom Ausmaß des Dopings im Radsport - das habe auch ich so nicht geahnt. Ich organisiere seit 1972 dieses Rennen und wir haben eigentlich schon immer mit mehr oder weniger großen finanziellen Problemen zu kämpfen gehabt. Aber die Doping-Geschichten haben uns fast den Rest gegeben. Im wahrsten Sinne auch mir. Ich habe den letzten Sommer nach einem Schlaganfall lange in der Reha verbracht."

WDR.de: Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, "Rund um Köln" 2008 nicht stattfinden zu lassen? Andere Rennen wie die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, die Drei-Länder-Tour oder die Niedersachsen-Rundfahrt haben wegen der Doping-Skandale und den finanziellen Folgen ja aufgegeben.

Radsport am Boden; Rechte: dpaBild vergrößern

Doping - der Radsport ist am Boden

Tabat: "Nein, das kam für mich gerade in diesem Jahr nicht in Frage. Denn wir feiern unser 100jähriges Jubiläum. Und das wollte ich unbedingt noch machen. Damit ist mein Lebenswerk sozusagen komplett. Wir haben angesichts des vergleichsweise kleinen Etats aber lange Zeit mit dem Gedanken gespielt, lediglich ein Amateurrennen auszurichten. Erst Ende Januar - nachdem wir unzählige Klinken geputzt haben - stand fest, dass auch diesmal wieder Profis starten werden."

WDR.de: Sie haben im Vergleich zu den Vorjahren die Hälfte des Geldes zur Verfügung. Wo spart man?

Tabat: "Der erste Schritt war: Meine vielen Mitarbeiter haben sich bereit erklärt, komplett ehrenamtlich mitzuhelfen. Sicherheitsdienst, Streckenführung, medizinische Versorgung - mit allen konnte ich günstigere Konditionen vereinbaren. Zudem haben wir den Zieleinlauf nach der Runde durch's Bergische Land auf die rechte Rheinseite nach Köln-Kalk verlegt. Das ist zwar nicht so imposant wie ein Zieleinlauf auf der Rheinuferstraße, bringt uns aber eine Einsparung von 60.000 Euro. Nicht zuletzt ist es den Fahrern ans Portemonnaie gegangen. Die Profis starten für weniger als die Hälfte der Gagen."

WDR.de: Waren die Fahrer in den Verhandlungen einsichtig? Nach dem Motto: "Wir haben euch die Suppe eingebrockt, nun müssen wir sie auch gemeinsam auslöffeln"?

Juan Jose Haedo; Rechte: dpaBild vergrößern

Sieger 2007 in Köln: Juan Jose Haedo

Tabat: "Ich habe die Verhandlungen an meinen Mitarbeiter Alexander Donike abgegeben, denn dafür bin ich zu weich. Ich weiß doch, wie wenig die Fahrer zum Teil verdienen, da hätte ich es nicht über's Herz gebracht, ihnen weniger anzubieten. Donike hat mir aber berichtet, dass bis auf das belgische Team Quickstep alle einsichtig waren. Wir werden ein Top-Starterfeld erleben."

WDR.de: Welche Stars werden dabei sein?

Tabat: "Es wird eine erstklassige Sprinter-Fraktion am Start sein: Erik Zabel und Alessandro Petacchi von Milram sind dabei, Gerald Ciolek und André Greipel von High Road, dazu Robert Förster von Gerolsteiner. Hinzu kommen Top-Fahrer wie Jens Voigt von CSC oder Lokalmatador David Kopp, der das Rennen 2005 ja auch schon einmal gewonnen hat."

WDR.de: Glauben Sie an eine Zukunft ihres Rennens?

Tabat: "Schwierig. Schon in diesem Jahr habe ich einige Postkarten von ehemaligen Streckenhelfern bekommen. 'Wir wollen mit dem Sch...-Doping nichts mehr zu tun haben' steht darauf. Der Profi-Radsport hat nur eine Zukunft in Deutschland, wenn es in den kommenden zwei Jahren gelingt, ihn wieder sauber zu bekommen. Die Öffentlichkeit unterstützt auf Dauer nur einen Radsport ohne Doping."

Das Gespräch führte Olaf Jansen

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Stand: 22.03.2008, 06:00 Uhr



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