Wenn Peter Joppich seinen Beruf ausübt, versteckt er sein Gesicht hinter einer dunklen Maske und ist bewaffnet. Im Rahmen der Serie
Siegertreppchen1 besuchte WDR.de den Olympischen Fechtclub in Bonn und sprach mit dem Weltmeister im Herren-Florett.
WDR.de: Herr Joppich, man sagt, dass Sie schon als Kind davon träumten, als Pirat die Welt zu erobern. War das Säbelgerassel alter Piratenfilme tatsächlich ausschlaggebend für Sie, mit dem Fechten zu beginnen?
Peter Joppich: Ja, das kann man wirklich so sagen. Als ich noch ganz klein war, fand ich Musketiere, Piraten und überhaupt alles, wo gefochten wurde, total gut. Hinzu kamen die Olympischen Spiele 1988 in Seoul, die ich als Fünfjähriger vor dem Fernseher verfolgt habe. Danach habe ich meine Eltern gefragt, ob ich das nicht auch machen könnte, und bin dann direkt in einen Fechtverein eingetreten.
WDR.de: Vorbilder waren also Errol Flynn und Anja Fichtel? Die hat ja als Fechterin 1988 in Soul für Deutschland Gold gewonnen.
Joppich: Ausschlaggebend war eher, dass Anja Fichtel die Goldmedaille gewonnen hat, und die Deutschen damals generell sehr gut waren. Das war wohl das gewisse I-Tüpfelchen.
WDR.de: Die meisten Ihrer Freunde werden sich damals eher für Fußball interessiert haben. Was hat Sie am Fechten so fasziniert, dass Sie dabei geblieben sind?
Joppich: Faszinierend beim Fechten ist die Schnelligkeit, dass man so unheimlich fit im Kopf sein muss. Außerdem finde ich, dass es ein sehr ästhetischer Sport ist, der zudem enorm spannend sein kann. Als Kind war ich ein sportlicher Allrounder, habe gern Tennis und Fußball gespielt. Irgendwann kam aber beim Fechten der Erfolg. Ich wurde besser und besser, und habe mich dann entschlossen, mich voll auf diesen Sport zu konzentrieren.
WDR.de: Und das hat sich ausgezahlt: Sie hatten 2006 ein Traumjahr, haben viele Weltcups gewonnen, holten sich die Deutsche Meisterschaft und krönten die Saison schließlich mit dem Weltmeistertitel.
Joppich: Einerseits war das ein Traumjahr, andererseits war die Saison aber auch vom Verletzungspech überschattet. Ich hatte gleich zu Beginn Fuß-Probleme und musste vier Wochen pausieren. Später kam dann noch eine Meningitis dazu, so dass ich erst spät in die Vorbereitungen für die WM einsteigen konnte. Dass dann am Ende der Titel für mich rausspringt, war wirklich total unglaublich.
WDR.de: Bei anderen Sportarten wird man als Weltmeister schnell zum Star und hat finanziell ausgesorgt. Bei den Fechtern ist das nicht so. Frustriert Sie das?
Joppich: Ein bisschen traurig ist es schon, weil man sich das für sich selbst natürlich auch wünscht. Aber neidisch auf andere Sportler bin ich deswegen nicht. Wir sind eine Randsportart, sind nicht so populär und haben auch nicht die großen Sponsoren. Aber schade ist es natürlich trotzdem, weil Fechten eigentlich eine wunderschöne Sportart ist. Vielleicht kommt da ja irgendwann mal was.
WDR.de: Nach den Erfolgen 1988 gelangten die Fechter um den damaligen Bundestrainer Emil Beck zu einiger Berühmtheit. Warum ist das heute Ihrer Meinung nach anders?
Joppich: Das kann ich schwer vergleichen, weil ich 1988 noch sehr klein war und die Geschichten auch nur vom Hörensagen kenne. Aus meiner Sicht ist es so, dass die Weltspitze heute sehr eng beieinander liegt. Neben den bekannten Fechtnationen drängen jetzt auch die Asiaten nach ganz oben. Es ist schwer geworden, sich da hervorzuheben.
WDR.de: Sie müssen doch viel Zeit und Arbeit investieren, um in Ihrem Sport erfolgreich sein zu können. Wie machen Sie das?
Joppich: Ich bin in der Sportfördergruppe der Bundeswehr, dadurch habe ich viel Zeit zu trainieren. Ohne das wird es sehr schwer. Für diejenigen, die im Beruf stecken, fällt zum Beispiel das Vormittags-Training aus. Ich trainiere oft zweimal am Tag; und am Wochenende bin ich meistens unterwegs auf Weltcups.
WDR.de: Nun ist es von den Anfängen als kleiner Pirat bis zum Weltmeister ein weiter Weg. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Joppich: Da habe ich meinem Trainer, Uli Schreck, viel zu verdanken. Dem ist mein Talent schon in der B-Jugend aufgefallen, als ich noch zwei Köpfe kleiner war als die anderen und sie trotzdem oft mit großem Kampfgeist bezwungen habe. Er hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, in Bonn auf das Sportinternat des OFC zu kommen. Mit 13 habe ich das dann gemacht, und Uli Schreck hat mir da alles beigebracht, was ich wissen muss, und mich so groß rausgebracht.
Das Interview führte Markus Wessel
Hochleistungssport findet nicht nur dort statt, wo sich Fernsehkameras und Zuschauer drängeln. Nicht nur da wo Millionen verdient werden, findet man Sportlerinnen und Sportler, die täglich viele Stunden trainieren, um den einen Tick besser zu werden als ihre Konkurrenz. Aus dem Schatten der populären Sportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey treten diese Athleten, wenn überhaupt, nur alle vier Jahre einmal hervor - bei Olympischen Spielen. Ansonsten nimmt die Öffentlichkeit kaum Notiz. WDR.de besucht diese Sportler in NRW und stellt sie in der Serie "Siegertreppchen" vor.
Die Homepage des Olympischen Fechtclubs Bonn
Homepage von Peter JoppichStand: 01.03.2007, 06:00 Uhr
Programmhinweise, weitere Themen und Fotos