Triathlon war früher etwas für Spinner und Exoten. Heute macht das jeder, sagt Dieter Hofmann. WDR.de sprach mit dem Präsidenten des nordrhein-westfälischen Triathlonverbands zum Start der Deutschen Meisterschaften am Samstag (02.08.08) in Gelsenkirchen über die rasante Entwicklung der Sportart.
WDR.de: Sie waren 1985 in Essen beim ersten Triathlon in Deutschland am Start. Wie war das damals?
Dieter Hofmann: Der Wettkampf in Essen wurde damals mit einfachsten Mitteln durchgeführt. Wir schwammen im Grugabad, es wurde eine Radstrecke abgesteckt und der Zieleinlauf war auf einem Sportplatz unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Außer den Athleten und ein paar Freunden interessierte sich kaum jemand dafür. Seit dieser Zeit hat sich viel getan. Triathlon ist längst keine Randsportart mehr. Allein in Nordrhein-Westfalen nehmen pro Jahr 26.000 Sportler an Veranstaltungen teil.
WDR.de: Schwimmen, Radfahren, Laufen - es heißt, Triathleten können keine der drei Disziplinen so richtig gut.
Hofmann: Das war vielleicht in den Anfangszeiten so. Damals kamen viele Läufer und Schwimmer und haben es einfach einmal ausprobiert. Heute wird der Nachwuchs schon früh in allen drei Disziplinen geschult. Das Leistungsniveau an der Spitze ist hoch. Die Top-Triathleten müssen in allen drei Disziplinen fit sein. Wer nicht schnell genug schwimmen kann, kommt im Leistungssport nicht mehr mit.
WDR.de: Zwei- bis dreimal pro Woche joggen, genauso häufig schwimmen und radeln. Der Trainingsaufwand müsste jeden Breitensportler doch abschrecken?
Hofmann: Man hat ein relativ hohes Trainingspensum, das stimmt schon. Triathlon vereint drei gesundheitsfördernde Ausdauersportarten. Die Kombination und die unterschiedlichen Streckenlängen machen für viele den Reiz aus. Die Einsteigerdistanz umfasst 0,5 Kilometer Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen. Das stellt für sportlich ambitionierte Menschen kein Problem dar. Dieser Herausforderung kann sich jeder Breitensportler stellen. Vorausgesetzt er kann schwimmen.
WDR.de: Sie selbst haben am bekannten Ironman in Hawaii teilgenommnen. Bei diesem Ausdauerwettkampf schwimmen die Athleten 3,8 Kilometer, fahren 180,2 Kilometer mit dem Rad und laufen zum Abschluss einen Marathon. Da muss man schon einen Tick haben, oder?
Hofmann: Die 80er Jahre waren eine Pionierzeit, da waren solche Leistungen natürlich eine Besonderheit. Das hat sich geändert. Für den Wettkampf in Hawaii muss man sich seit 1988 bei einem der weltweit stattfindenden Ironman-Wettbewerbe qualifizieren. Die Ironman-Veranstaltung in Frankfurt 2009 war innerhalb von wenigen Minuten ausgebucht. 3.000 Sportler haben sich da binnen kurzer Zeit angemeldet. Bei einem Startgeld von 300 bis 400 Euro - das muss man sich mal vorstellen. Der Ansturm ist enorm groß. Aber das sind keine Pioniere oder ausgeflippten Leute. Das macht heute jeder.
WDR.de: Bei den deutschen Meisterschaften in Gelsenkirchen startet fast das komplette Olympia-Team. Wie wichtig sind solche Aushängeschilder für die Nachwuchsarbeit?
Hofmann: Nachwuchssorgen haben wir eigentlich nicht. Die Arbeit muss sich natürlich weiter entwickeln. Wir versuchen, Zugang zu den Schulen zu finden. Triathlon soll in Nordrhein-Westfalen wie in Bayern Schulsport werden. Triathleten, wie der amtierende Weltmeister Daniel Unger, der zwar aus Baden-Württemberg stammt, aber in der Bundesliga schon für das Team Witten startete, sind durchaus wichtige Vorbilder. Oder auch Stephan Vuckovic. Der hat mit dem Gewinn der Silbermedaille auf der Kurzstrecke bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 für sehr viel Popularität gesorgt.
WDR.de: Wenn Triathlon hierzulande boomt, warum konnte sich dann kein Athlet aus Nordrhein-Westfalen für die Spiele in Peking qualifizieren?
Hofmann: Trotz der großen Breite ist es in den letzten Jahren nicht gelungen, ein entsprechendes Potenzial von Nachwuchssportlern bis in die Spitze zu bringen. Zum Teil erfahren die jungen Sportler in anderen Bundesländern eine bessere Förderung. Ein Sportinternat zu besuchen, ist unerlässlich. Abitur oder Ausbildungen und Spitzensport unter einen Hut zu bringen, ist für Nachwuchstalente enorm schwierig und ohne Unterstützung kaum zu schaffen. Im Olympiastützpunkt in Essen wird momentan hart daran gearbeitet.
Das Gespräch führte Simone Maurer.
Triathlon
Triathlet aus NRW will nach Peking
Ein Junkie läuft um sein Leben
Deutsche Triathlon Union e.V.
Nordrhein-Westfälischer-Triathlon-VerbandStand: 02.08.2008, 06:00 Uhr
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