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Triathlet aus NRW will nach Peking

Noch einmal Schwitzen für Olympia

Es hätte sein Olympia-Ticket sein können. Als Vierter kam Andreas Raelert, Triathlet aus Buschhütten im Siegerland, bei den Europameisterschaften in Lissabon ins Ziel. Doch weil zwei weitere Deutsche unter den besten 15 sind, geht es nun ins Stechen.

Lissaon: Triathleten am Schwimmstart; Rechte: WDR/FarinhaBild vergrößern

Kurz vor dem Rennen

Heftige Windböen, umgestürzte Absperrungen und glattes Kopfsteinpflaster machten aus der Triathlon-Europameisterschaft am Samstag (10.05.08) in Lissabon ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine Zehntel Sekunde fehlte Andreas Raelert zum dritten Platz. Der 31-Jährige schaffte die 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen in weniger als einer Stunde und 54 Minuten.

WDR.de: Was bedeutet dieses Ergebnis für Sie?

Andreas Raelert: Es war ein sehr enges Finish um Platz drei. Aber ich bin sehr zufrieden, dass ich den vierten Platz erringen konnte und damit die Qualifikation für das Weltcup-Rennen in Madrid geschafft habe. Das ist sehr wichtig für die Olympia-Qualifikation, aber keine Vorentscheidung. Die Mindestanforderung war, unter die Top-15 zu kommen. Wäre ich da als einziger Deutscher, dann wäre ich sicher in Peking dabei. Da es außer mir aber noch Christian Prochnow und Maik Petzold geschafft haben, müssen wir drei in Madrid noch einmal antreten - wer dort am schnellsten ist, fährt zu den Spielen.

WDR.de: Beschäftigt Sie eigentlich die Diskussion um China, Menschenrechte und einen möglichen Boykott?

Andreas Raelert: Im Rennen natürlich nicht, und auch in der Vorbereitungsphase belaste ich mich damit nicht. Meine persönliche Meinung ist: Klar sollte man diese Menschenrechtsverletzungen nie aus den Augen verlieren, aber man sollte Sport und Politik voneinander trennen. Die Entscheidung, dass Peking die Spiele bekommen hat, wurde vor vielen Jahren gefällt. Man wusste um die Problematik. Ich habe momentan das Gefühl, dass der Sport politisch instrumentalisiert wird, was ich persönlich nicht gutheiße.

WDR.de: Zurück zum Sport: Was macht die Faszination des Triathlons aus?

Raelert auf dem Fahrrad; Rechte: WDR/FarinhaBild vergrößern

Raelert auf dem Fahrrad

Andreas Raelert: Die Faszination ist sehr vielfältig, allein schon durch die Kombination der drei Disziplinen. Schwimmen, Radfahren, Laufen sind sehr naturverbundene Sportarten, Freiluftsportarten. Man hat die Möglichkeit, in einer Gruppe zu trainieren, aber man ist doch im Wettkampf mehr oder weniger auf sich selbst gestellt. Es ist keine Mannschaftssportart, sondern eine Einzelsportart. Etwas für Individualisten.

WDR.de: Was war der bewegendste Moment in Ihrer Triathlon-Karriere?

Andreas Raelert: Es gab zwei sehr bewegende Momente, und das waren die olympischen Spiele 2000 in Sydney und 2004 in Athen. Für mich sind die olympischen Spiele das größte sportliche Ereignis. Und weil ich jetzt schon zwei Mal dort war und die ganze Atmosphäre, dieses Flair erleben durfte, habe ich Erfahrungen, von denen ich das ganze Leben lang zehren will. Daraus schöpfe ich auch die Motivation für die Qualifikation in Madrid. Die olympischen Spiele waren etwas Großartiges, komplett anders als Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften. Nicht im sportlichen Sinne, sondern ganz allgemein. Die Gemeinschaft, die man dort trifft, ist schon etwas ganz Besonderes.

WDR.de: Wie viele Paar Schuhe verlaufen Sie eigentlich im Jahr?

Andreas Raelert: Meine Güte ... wie viele sind denn das? 15 Paar Laufschuhe? Mindestens. Ich bestreite ja mit meinen Laufschuhen mein Tagesgeschäft, ich laufe täglich.

WDR.de: Haben Sie ein Maskottchen oder einen Glücksbringer?

Andreas Raelert: Nein. Daran glaube ich irgendwie nicht.

WDR.de: Haben Sie denn irgendein Ritual vor dem Wettkampf?

Andreas Raelert: Auch nicht, da bin ich komplett langweilig. Ich versuche natürlich, mich so gut wie möglich auf so ein Rennen zu konzentrieren. Eines sagt man mir nach: Je größer der Druck ist, desto besser sind die Resultate.

WDR.de: Und was machen Sie jetzt? Feiern, schlafen, ungesund essen?

Andreas Raelert: Nein nein, in zwei Wochen ist schon das nächste Rennen, morgen früh fliegen wir um fünf Uhr weiter. Da wird der Abend heute ziemlich unspektakulär.

WDR.de: Nicht mal ein Glas Sekt?

Vorne: Andreas Raelert beim Laufen; Rechte: WDR/FarinhaBild vergrößern

Vorne: Andreas Raelert

Andreas Raelert: Doch, das gönn' ich mir schon, und ungesundes Essen vielleicht auch. Aber so schön dieser vierte Platz bei den Europameisterschaften auch ist: Ich darf die Realität nicht aus den Augen verlieren. Es war ein tolles Rennen, das mich sehr motiviert und mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben hat. Aber nun sind die Karten neu gemischt, alle starten bei Null. Maik Petzold, Christian Prochnow und ich gehen in Madrid zusammen an den Start und dann zählt die interne Reihenfolge.

Das Interview führte Elisabete Farinha.

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Stand: 11.05.2008, 13:37 Uhr



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