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Dienstag, 09.02.2010

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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Verkehr > Masterplan gegen den drohenden Verkehrsinfarkt: "Kein großer Wurf"


"Kein großer Wurf" gegen den Stau

Masterplan des Bundesverkehrsministers:

Das Kabinett hat den 'Masterplan Güterverkehr und Logistik' beschlossen. NRW ist als Autobahn-reichstes Bundesland besonders betroffen. Positiv oder negativ? WDR.de sprach mit Verkehrswissenschaftler Alexander Eisenkopf.

Professor Alexander Eisenkopf; Rechte: Eisenkopf

Professor Alexander Eisenkopf

Das Konzept umfasst 35 Maßnahmen mit Kosten von 10,2 Milliarden Euro allein im kommenden Jahr. Kernpunkt des Masterplans: Mehr Güterverkehr soll von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Bislang entfallen rund 70 Prozent des Güterverkehrs auf den Straßenverkehr, zwölf Prozent auf die Binnenwasserstraßen und rund 18 Prozent auf den Bahnverkehr. WDR.de sprach mit Professor Alexander Eisenkopf, Verkehrswissenschaftler an der Zeppelin University Friedrichshafen, über die Pläne und ihre Auswirkungen für NRW:

WDR.de: In NRW haben heute wieder tausende Autofahrer im Stau gestanden. Das Kabinett hat nun den Masterplan von Minister Tiefensee gebilligt - ein guter Tag für die Autofahrer?

Professor Alexander Eisenkopf: Das wird sich erst in Zukunft erweisen. Die Rahmenbedingungen sind natürlich nicht besonders positiv. Die Autofahrer werden ja von verschiedener Seite in die Zange genommen: die hohen Spritpreise, eine verstopfte Infrastruktur - und meine Befürchtung ist, dass die im Masterplan angedachten Maßnahmen nicht ausreichen, um dies deutlich zu verbessern.

WDR.de: Wo ist das Problem?

Eisenkopf: Letztendlich fehlt es an Investitionen. Der Masterplan sieht zwar zusätzliche Investitionen vor - es geht da um Größenordnungen von einer Milliarde Euro, die pro Jahr mehr investiert werden sollen, das bleibt aber deutlich unter dem von vielen Experten geschätzten Zusatzbedarf von mindestens zwei Milliarden Euro. Für mich hat dieser Masterplan zunächst einen symbolischen Charakter: Es ist positiv, dass man sich dieses Problems angenommen hat. Ein großer Wurf wäre er gewesen, wenn man sich dazu durchgerungen hätte, mehr Geld in die Hand zu nehmen. So ist es keiner.

WDR.de: Ein Punkt im Masterplan ist das Überholverbot für LKW auf bestimmten Strecken, zum Beispiel, wenn die Autobahn nur zweispurig ist. Sinnvoll?

Stau auf der Autobahn; Rechte: dpaBild vergrößern

Masterplan gegen Verkehrsinfarkt?

Eisenkopf: Es spricht vieles dafür, zu sagen: LKW dürfen nur in bestimmten Abschnitten oder überhaupt nicht überholen. Eine andere Frage ist aber, ob die schon bestehenden gesetzlichen Reglementierungen scharf genug verfolgt werden. Es gibt ja jetzt schon Regeln, zum Beispiel, dass ein LKW nur überholen darf, wenn er einen bestimmten Überholweg nicht überschreitet. Wenn man das besser kontrolliert, könnte das schon helfen. Ansonsten löst natürlich ein Überholverbot nicht das grundsätzliche Problem - und das ist die Überlastung der Autobahnen.

WDR.de: Eine weitere Idee: Die Mautgebühr soll gestaffelt werden - je nach Verkehrsbelastung auf der jeweiligen Strecke. Zu Stoßzeiten und bei großen Städten wird es dann teurer.

Eisenkopf: Grundsätzlich sind Ökonomen gegenüber Modellen aufgeschlossen, wo es heißt: Wo eine größere Knappheit ist, muss auch mehr bezahlt werden. Das wird sicherlich ein sinnvolles Instrument sein, um Engpässe zu bestimmten Tageszeiten in bestimmten Regionen zu bepreisen. Die Frage ist, wie die Transportunternehmer darauf reagieren. Verlagern sie ihre Fahrten? Können sie sie überhaupt verlagern? Das ist ein Experiment. Wir werden sehen, was dabei herauskommt. Grundsätzlich bin ich dafür.

WDR.de: Auch bei den Arbeitszeiten an Baustellen will die Politik nun eingreifen. Demnach soll künftig öfter auch an Sonn- und Feiertagen und nachts gearbeitet werden.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee; Rechte: dpaBild vergrößern

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee

Eisenkopf: Ein sehr positiver Ansatz. Wenn man unterwegs ist, hat man heute oft das Gefühl, es gibt hier kilometerlange Baustellen, aber es wird nicht gearbeitet. Baustellen werden oft kostengünstig eingerichtet - kostengünstig für den Bauherrn, aber nicht für die Gesamtwirtschaft. Die Zeit, die Sie durch Staus an Baustellen verlieren oder die Unfälle, die dort passieren, werden nicht im Sinne eines optimalen Baustellen-Managements einkalkuliert. Da könnte noch einiges getan werden.
Allerdings müssen wir auch folgendes berücksichtigen: Wenn wir, wie gefordert, mehr Geld in die Autobahnen investieren, bedeutet das auch mehr Baustellen. Und zwar keine Baustellen irgendwo in der Prärie, sondern Erweiterungen von schon vorhandener Infrastruktur, also beispielsweise der Ausbau von zwei auf drei Spuren. Das führt natürlich wieder zu Staus.

WDR.de: NRW hat das dichteste Autobahnnetz aller Bundesländer. Trifft uns der Masterplan besonders?

Eisenkopf: Ja, zum Beispiel beim Thema flexible Mautgebühr. Wenn die Gebühr für LKW auf besonders belasteten Autobahnen steigt, schlägt das natürlich in NRW besonders durch, weil Sie hier relativ stark überlastete Autobahnen haben. Durch eine erhöhte Maut wird auch die Wirtschaft stärker belastet. Es ist ein klarer Standortnachteil, wenn die Unternehmen höhere Maut zahlen müssen. Das ist eine Konsequenz, die spürbar werden wird.

WDR.de: Und wo ist NRW positv betroffen?

Eisenkopf: Beim Thema Baustellen-Management. In einem so dicht mit Autobahnen versehenen Land wie NRW gibt es natürlich mehr Baustellen. Wenn die verkehrsfreundlicher werden, ist das natürlich eine Erleichterung.

Das Gespräch führte Silke Wortel

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Stand: 16.07.2008, 12:52 Uhr


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