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Sicher hinterm Steuer auch noch mit 80

Essener Verkehrswacht bietet Senioren umfassenden Check

Von Christian Herrmanny

Mit zunehmendem Alter wächst die Unsicherheit beim Autofahren. In Essen können mobile Senioren jetzt nicht nur ein Fahrsicherheitstraining absolvieren, sondern auch Hirnleistung messen lassen, Sehtests oder Bewegungstraining machen.

Alfred Kilzer; Rechte: WDR/HerrmannyBild vergrößern

Alfred Kilzer, Jahrgang 1927

Die Sonne steht tief, als die zwölf Fahrer am frühen Vormittag ihre erste Runde über den Verkehrsübungsplatz fahren. Außerdem ist der Boden stellenweise gefroren. Eigentlich beste Voraussetzungen für ein Sicherheitstraining im Pkw. Außergewöhnlich ist allerdings das Alter der Teilnehmer: 82 ist die älteste Fahrerin, Mitte 60 der jüngste. "Ich erhoffe mir von dem Training eine Bestätigung meiner Fahrtüchtigkeit", sagt beispielsweise Alfred Kilzer, Jahrgang 1927. Seit 1943 hat er den Führerschein. Zweifel daran, dass er ein umsichtiger und sicherer Autofahrer ist, hat er "absolut nicht". "Aber wer hat die schon, wenn er Auto fährt? Jeder glaubt doch von sich, er ist der Beste", so Kilzer.

Problemgruppe der "ganz alten Autofahrer"

Slalomparcours; Rechte: WDR/HerrmannyBild vergrößern

Mehrere Parcours müssen absolviert werden

Die erste Übung besteht aus einem Slalomparcours. Als das Tempo erhöht werden soll, fallen doch die ein oder anderen orangefarbenen Pylone. Einige der Fahrer sind pro Jahr nur rund 3.000 Kilometer mit dem Wagen unterwegs, andere legen noch 15.000 zurück, schätzen sie. "Ich bin froh, dass man als älterer Mensch das Auto hat", sagt die 82-jährige Helga Kilzer. "Man braucht das ja, um einzukaufen oder Freunde zu besuchen." Die Mobilität der immer älter werdenden Menschen ist auch der Grund, warum die Verkehrswacht Essen dieses Projekt ins Leben gerufen hat. "Die so genannten jungen Alten sind nicht das Problem, sondern die ganz alten Menschen", meint Karl-Heinz Webels, Ideengeber und Vorsitzender der Verkehrswacht. "Die wollen wir rechtzeitig animieren, ihre Mobilität zu erhalten."

Bundesweites Pilotprojekt

Sehtest; Rechte: WDR/HerrmannyBild vergrößern

Auch die Wahrnehmung wird geschult

Geboten wird bei dem Essener Projekt allerdings mehr als ein spezielles Fahrsicherheitstraining. Theoretische und praktische Fahrstunden gehören dazu, vor allem aber ein Hirnleistungstest und eine Bewegungsschule. "Wir machen das deshalb, weil es gerade bei älteren Menschen Beeinträchtigungen gibt, die dazu führen, dass man nicht mehr sicher Auto fahren kann", sagt Hartmut Fahnenstich, Sozialmediziner von der "Memory Clinic" des Essener Elisabeth-Krankenhauses. "Es gibt eben physiognomische Veränderungen der Hirnleistung im Alter, dass man so etwas häufiger überprüfen muss. Beispielsweise den Bereich der Urteilsfähigkeit." So werde etwa ein auf die Straße rollender Ball nicht mehr mit spielenden Kindern in Zusammenhang gebracht, die Gefahr werde schlichtweg "übersehen".

Leichte Macken an jedem zweiten Wagen

Auto mit Schramme; Rechte: WDR/HerrmannyBild vergrößern

Gerade die Beifahrerseite weist oft Macken auf

Die Senioren sind inzwischen beim Bremstest angekommen, zunächst auf nasser Fahrbahn, später auf rutschigen Folien. Der Bremsweg verlängert sich enorm, vereinzelt bricht ein Auto aus. Aber: "Die Senioren pflegen ihre Wagen normalerweise sehr", meint Carsten Decker von der DEKRA. Fast alle Autos sind recht neu, haben ABS und gute Reifen. Decker macht allerdings darauf aufmerksam, dass mehr als jedes zweite Teilnehmerauto vorne rechts eine Macke hat. "Entfernungen und Geschwindigkeit können Ältere oft nicht mehr so gut einschätzen. Oft bemerken sie den Poller oder die Laterne auch gar nicht, wenn sie sie berühren." Akustische Abstandwarnsysteme könnten hier gute Hilfe leisten.

Auch weniger sichere Fahrer erreichen

Auto vor RutschbelagBild vergrößern

Schwer berechenbarer Bremsweg

Alfred Kilzer und sein Auto haben alle Übungen gut überstanden. Er fühlt sich bestätigt und fit genug, auch weiterhin mit dem 140-PS-Wagen zu fahren. "Es war keine verlorene Zeit, im Gegenteil. Obwohl ich lange Jahre ja schon den Führerschein habe und immer Auto fahre: Man lernt nur dazu. Nach meinem persönlichen Empfinden fühle ich mich in vollem Umfang fit für den Straßenverkehr." Der Initiator Karl-Heinz Webels weiß, dass es sich bei den insgesamt 70 angemeldeten Senioren wohl ausschließlich um sichere Fahrer handelt. Aber er will mittelfristig auch die anderen erreichen: "Solche Sicherheitstrainings sollten selbstverständlich werden, wie Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt. Die Senioren kompensieren ja vieles durch ihre Routine. Aber wir wollen ein präventives Angebot machen, ehe der Staat vielleicht mal auf die Idee kommt, Dinge repressiv zu verhängen."

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Stand: 23.10.2007, 16:55 Uhr


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