Von Bodo Scheffels
Zwei Jahre nach dem Heros-Skandal ist die Branche noch nicht zur Ruhe gekommen. Preisdrückerei und heftiges Gerangel um Aufträge setzen die Firmen unter Druck. Jetzt will die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste Vertrauen zurückgewinnen.
540 Millionen Euro veruntreut, hunderte geschädigte Unternehmen, bislang fünf Verurteilte: Der Heros-Skandal war eines der dreistesten Kriminalstücke in Deutschland. Das Top-Management der Geldtransportfirma Heros hatte immer wieder Geld von Kunden abgezweigt, um den eigenen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten - und sich, so die Vorwürfe, ein luxuriöses Privatleben leisten zu können. Der Skandal nahm in der Filiale Viersen seinen Anfang - mittlerweile wurden vier Manager und eine Mitarbeiterin aus Mönchengladbach zu hohen Strafen verurteilt.
Die Branche aber leidet noch immer unter den Nachwirkungen: Zwar wurden verstärkte Kontrollen eingeführt, aber noch immer ist der Preisdruck hoch. "Der Markt ist hart umkämpft", so Uwe Deichert von der Landeszentralbank in Düsseldorf. Das sorgt dafür, dass Unternehmen möglicherweise zu Preisen anbieten, bei denen sie keinen Gewinn mehr machen können. Und damit die Versuchung wieder da ist, Kundengelder zum Stopfen von Löchern im eigenen Unternehmen zu nutzen. "Die Werttransportunternehmen sind zumindest etwas durchsichtiger geworden", so Deichert. Trotzdem lässt sich auch mit intensiven Kontrollen nicht jede Gefahr ausschließen.
"Viele Transporteure sind seit dem Skandal vom Markt verschwunden", sagt Ralf Hübsch von Verdi. "Zum einen, weil die neu eingeführten Kontrollen und Auflagen nicht eingehalten werden konnten. Zum anderen aber auch, weil große Konzerne die Preise weiterhin drücken." Das führt dazu, dass auch die Beschäftigtenzahl in der Werttransport- und Sicherheits-Branche sinkt. "Viele Unternehmen wurden aufgekauft. Die größeren können jetzt die Touren anders planen und brauchen weniger Personal", so Hübsch. Und können so Kunden zufrieden stellen, die immer niedrigere Preise verlangen.
"Durch den Heros-Skandal ist der Eindruck entstanden, dass man es mit einer wenig Vertrauen erweckenden Branche zu tun hat", sagt Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW). "Trotz der offensichtlich kriminellen Machenschaften bei Heros müssen sich auch deren Auftraggeber Fragen gefallen lassen", so Olschok. So seien die Fehlentwicklungen durch mangelnde Auswahl und Überwachung der Dienstleister erst möglich geworden. Viele Kunden hätten die ungesund niedrigen Preise von Heros gerne zur Verbesserung der eigenen Bilanzen genutzt. Auch hier galt für viele: je billiger der Dienstleister, desto besser für den Auftraggeber. Das aber rechtfertige nicht das bewusste Inkaufnehmen von Verspätungen: "Wer etwa - wie im Fall Heros - von verspäteten Geldflüssen weiß und diese in Kauf nimmt", so Olschok, "wird zukünftig auf einem Teil der Schäden sitzen bleiben."
Der BDGW hat einen Sicherheitskatalog entwickelt, der seit kurzem nicht mehr nur für die Mitgliedsunternehmen verbindlich ist, sondern auch als Norm für die ganze Branche umgesetzt wurde. Darin wird geregelt, dass Manager keinen Zugriff mehr auf Gelder und Buchungsprozesse haben dürfen, wie es bei Heros der Fall war. Zusätzlich werden regelmäßige Kontrollen durch externe Wirtschaftprüfer verlangt, Bilanzen müssen offen gelegt werden. Auch die Bundesbank hat reagiert: Hier wurde das Einzahlverfahren so umgestellt, dass Vorgänge wie bei Heros sofort auffallen würden.
Noch immer ist das Kapitel Heros nicht abgeschlossen. Zwar wurden bereits Urteile gesprochen, trotzdem wird wegen Untreue erneut vor dem Landgericht Hildesheim gegen den ehemaligen Heros-Chef verhandelt. Auch streiten sich die Geschädigten, darunter der Kölner Rewe-Konzern, immer noch mit den Versicherungen um die Übernahme des Schadens. Da die Gelder von Heros erst nach der Einzahlung veruntreut wurden, besteht nach Ansicht der Versicherung kein Anspruch auf Zahlung. Das sehen die geschädigten Unternehmen anders: Bislang wurden acht Urteile gefällt: fünf für und zwei gegen die Versicherung. "Wir werden jetzt in Berufung gehen ", sagt Jürgen Wörner von der Mannheimer Versicherung, die damals die Transporte von Heros versichert hatte.
Die Firma Heros selbst übrigens wurde nach dem Skandal zum Sanierungsfall und ging in die Insolvenz. Dann wurde sie an US-amerikanische Investoren verkauft, in Securlog umbenannt - und fährt mittlerweile wieder als Marktführer Geldtransporte durch Deutschland. Über die Veränderungen seit dem Skandal, über die Branche und eventuelle Schwierigkeiten durch die Kampfpreise am Markt wollte sich dort niemand äußern. Vielleicht weitsichtig, denn auch wenn die Firma Securlog mit Sicherheit unter besonderer Beobachtung steht: "Einen weiteren Fall Heros in einer anderen Firma kann trotz der neuen Kontrollen niemand endgültig ausschließen", sagt Ralf Hübsch von Verdi.
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Geldtransporter: Pleite und MillionenschadenStand: 19.06.2008, 06:00 Uhr
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