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Dienstag, 09.02.2010

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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Wirtschaft > Experten-Interview: Opel-Lösung nicht nachhaltig


"Staatshilfe könnte bei GM versickern"

Experten-Interview zur Zukunft von Opel

Der US-Autobauer General Motors (GM) will alle deutschen Opel-Standorte erhalten, aber gleichzeitig überall Arbeitsplätze streichen. Dieses Konzept gehe nicht auf, sagt Autoexperte Stefan Bratzel - und mögliche Staatshilfen könnten schnell in Detroit landen.

Stefan Bratzel ist Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach und Leiter des Instituts Center of Automotive.

WDR.de: Wie schätzen Sie das Ergebnis der Deutschland-Tour des neuen GM-Europachefs Nick Reilly ein: Verstrickt sich die Politik wieder in dem Widerspruch, dass sie alle deutschen Opel-Standorte retten will, aber ein Erhalt aller Werke eine nachhaltige Sanierung des angeschlagenen Autobauers eher behindert als befördert?

Autoexperte Stefan Bratzel; Rechte: FHDW Bergisch-GladbachBild vergrößern

Autoexperte Stefan Bratzel

Stefan Bratzel: Ja, man muss hier sehr genau hinschauen: GM vermischt betriebswirtschaftliche Fragen mit den Hilfsangeboten der Länder - beides kann zwar zusammen passen, es muss aber nicht. Wie es sich jetzt andeutet, sieht das Sanierungskonzept von GM vor, überall ein bisschen zu streichen - welche Einschnitte wo gemacht werden, ist aber nicht allein auf ein betriebswirtschaftliches Sanierungskonzept für Opel zurückzuführen, sondern scheint genauso durch die finanziellen Hilfsangebote der Länder beeinflusst zu sein.

Opel hat aber eine Überkapazität von rund 30 Prozent, und die müssten nach wirtschaftlichen Kriterien um mindestens 20 Prozent reduziert werden. Ich bin der Meinung, man müsste sich auf den Erhalt und die Auslastung einiger ausgewählter Werke konzentrieren. Nach der Methode "überall ein bisschen streichen" kann eine Sanierung von Opel meiner Meinung nach kaum nachhaltig funktionieren.

WDR.de: Warum nicht?

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Bratzel: GM muss die hohen Kosten, unter denen Opel leidet, in den Griff bekommen. Wenn GM überall Arbeitsplätze streicht, aber alle Standorte erhält, bleiben trotzdem hohe Fixkosten hängen, denn einen Standort zu unterhalten, ist sehr teuer. Betriebswirtschaftlich würde es deshalb Sinn machen, nicht alle zu erhalten, sondern in einige Werke gezielt zu investieren und sie zu modernisieren, so dass man auch drei oder vier verschiedene Modelle auf den gleichen Bändern produzieren kann. Wenn dann ein Modell am Markt schlecht läuft, kann man mehr von einem anderen produzieren und das Werk damit auslasten - so lassen sich Kosten sparen. Man darf nicht vergessen, dass wir 2010 nach dem Auslaufen der Abwrackprämie ein sehr schwieriges Jahr haben werden. Die gesamte Branche wird weiter mit einer sehr niedrigen Auslastung ihrer Werke kämpfen.

WDR.de: GM veranschlagt 3,3 Milliarden Euro für die Opel-Sanierung - das ist deutlich weniger als der Zulieferer Magna, der zusätzlich noch Staatshilfen bekommen hätte. Kann das überhaupt funktionieren, ohne dass sich die Länder oder auch der Bund an der Opel-Sanierung finanziell beteiligen?

Opel-Mitarbeiter bei der Montage; Rechte: ddpBild vergrößern

"Opel braucht neue Baureihe"

Bratzel: GM ist ja immer noch der gleiche Konzern und nach neuen Zahlen auch nach der Entschuldung durch den amerikanischen Steuerzahler defizitär. Der Konzern sagt ja auch selbst, dass es ohne finanzielle Hilfe von den Regierungen nicht reichen wird. Ich schätze, dass in den kommenden drei bis fünf Jahren etwa fünf bis zehn Milliarden Euro benötigt werden, um Opel wieder wettbewerbsfähig zu machen. Eine Restrukturierung, also eine Sanierung, gibt es nicht zum Nulltarif. Es fallen ja nicht nur die Kosten für die Streichung von rund 10.000 Stellen in Form von Abfindungen oder Pensionsverpflichtungen an. Opel müsste meiner Meinung nach den Corsa recht bald auf neue Beine stellen und seine Werke modernisieren. Außerdem bräuchte Opel wohl eine neue Baureihe, um im Wettbewerb mit anderen Autobauern mithalten zu können. All das kostet sicher mehr als 3,3 Milliarden Euro.

WDR.de: Welche Rolle spielt die neue Eigenständigkeit von Opel im GM-Konzern bei der Sanierung?

Bratzel: Die Eigenständigkeit von Opel innerhalb des Konzerns ist sicher gut. Aber mit Blick auf das Ziel, Opel so fit zu machen, dass es im Wettbewerb mithalten kann, muss die europäische Tochter vernünftig im GM-Konzern integriert sein - und beispielsweise mehr gemeinsame Bauteile entwickeln, die dann in den Autos von Opel und von GM zum Einsatz kommen, um so Kosten zu sparen. Wenn Opel mithalten will, muss der Hersteller attraktive Autos zu möglichst günstigen Kosten produzieren, und das geht nur durch eine vernünftige Integration in den Mutterkonzern.

WDR.de: Bedeutet das, das möglicherweise gezahlte Hilfen von den Ländern auch in Detroit versickern könnten?

Der nordrhein-westfaelische Ministerpraesident Juergen Ruettgers in der Produktion des Opel Werkes 1. Rechte: ddpBild vergrößern

"Nicht zuviel versprechen"

Bratzel: Das ließe sich gar nicht verhindern, darüber kann es auch gar keine Kontrolle geben. Schließlich verwaltet die Mutter in Detroit die Konten ihrer Tochterunternehmen, auch die von Opel. Man könnte wohl schlecht künstlich die Bedingung aufrecht erhalten, dass beispielsweise von einem Bundesland gezahltes Geld nur in den Erhalt des entsprechenden Standortes fließen dürfe. Das ist sicher eine Wunschvorstellung. Würde GM dieses Geld beispielsweise in die Entwicklung neuer Bauteile für Modelle von GM und Opel investieren, käme es ja sowohl dem Mutterkonzern in Detroit als auch Opel zugute. Die Politik sollte den Bürgern und Opel-Mitarbeitern nicht versprechen, dass dieses Geld nachweisbar hier in Deutschland bleibt.

Das Gespräch führte Petra Blum.

Stand: 26.11.2009, 02:00 Uhr


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