Der Raum ist fast zu klein für all die Leute, das Elektronikzubehör und die Erfindungen. Schwerter, die Geräusche machen, liegen neben dem LED-Origami. Es ist Dorkbot-Treffen in Aachen.
Wenn Jan Borchers den Arm hebt, blinkt seine Jacke. Je schneller er sich bewegt, desto hektischer - mal heller, mal dunkler. Via Infrarot kommuniziert seine Jacke mit einer anderen: Was die eine macht, macht die andere auch. Borchers ist Professor am Lehrstuhl für Medieninformatik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Hier, im MediaSpace - abseits von Seminaren und Vorlesungen - lautet das Motto "people doing strange things with electricity" - Menschen machen komische Sachen mit Elektrizität.
Der Raum, in dem das vierte Treffen der Dorkbotac stattfindet, liegt im zweiten Stock des Informatikgebäudes der RWTH Aachen. 13 Männer und drei Frauen stehen an kleinen Holztischen und verkabeln Chips und Platinen. An manchen Tischen blinkt und leuchtet es schon, an anderen basteln sie noch oder bauen auf.
Dorkbot ist ein weltweiter Verbund von Künstlern, Erfindern, Informatikern und Bastlern, die Spaß daran haben, alltägliche Dinge mittels Elektrizität zu verändern oder Neues zu schaffen.
Dorkbotac ist die lokale Dorkbot-Gruppe in Aachen, die Zulauf aus ganz NRW und sogar aus Hessen hat. Viel mehr als 20 Teilnehmer kommen aber nie zusammen, erzählt René Bohne, der zusammen mit Jan Borchers an den blinkenden Luminet-Anzügen gearbeitet hat.
Eine Gruppe von Leuten drängt sich um den LED-Cube. "Das muss ich mal testen", sagt Heiko und fährt mit den Fingern über die interaktive Oberfläche. Währenddessen erklärt Tobias Weyand anderen das gemeinsame Projekt von ihm und Heiko: Ein Nintendo, der mittels eines Musikdaten-Übertragungsprogramms Sounds erzeugen kann - ganz ohne ein Instrument anzuschließen. So könne er, egal wo er sei, Musik produzieren. Basteln im herkömmlichen Sinne musste er dafür nicht; er hat die Software des Nintendos verändert.
Auch die anderen Projekte kommen nicht ohne Software aus. Die Programme, die beispielsweise die LED -Lampen steuern, ihnen befehlen, wann sie an und ausgehen sollen, sind selbst geschrieben. Man ergänze sich gegenseitig, sagt Borchers. "Der eine lötet lieber, der andere programmiert besser."
Die Dorkbot-Treffen sind zum Erfahrungsaustausch da. Leute, die der Spaß am Programmieren, Löten und an elektrischer Kunst verbindet, sollen zusammenkommen und sich gegenseitig ihre Projekte vorstellen. Wer nicht weiter weiß, kann sich an die Gruppe wenden. "Das sind meist Sachen wie: 'Welches Buch soll ich mir kaufen als Einsteiger?' bis hin zu 'Wie funktioniert ein Transistor?' oder 'wie kann ich einen Motor mit einem Mikrocontroller ansteuern' ", erzählt Bohne. Öfters gebe es auch kleine Präsentationen, bei denen Neuigkeiten aus dem Bereich Elektronik und Technik vorgestellt werden.
"Ihr könnt damit Snake spielen, Tetris oder Space Invaders - ihr müsst euch nur einen Joystick holen", sagt ein Mann zu den Umstehenden. Kleine rote Lichtpunkte erscheinen auf einer weißen Platte - der Spieleklassiker Tetris formiert sich. "Es wäre vorstellbar, das an eine Hauswand zu projizieren und mit dem Handy zu spielen." Vorerst bleibt das Spiel aber auf die Platte gebannt. Bis es soweit entwickelt ist, dass man das Spiel auf eine Hauswand projizieren kann, müsste noch weiter fleißig gebastelt und programmiert werden.
"Es geht auch gar nicht darum, perfekt zu sein", sagt Borchers, der während eines Forschungssemesters in den USA mit dorkbot in Berührung kam. "Die Leute sollen ihre Hinterhofprojekte anderen zeigen."
Die hier vorgestellten Werke sind aber oft viel mehr als nur Hinterhof-Bastelei. Bohne beispielsweise hat über die blinkenden Luminet-Anzüge seine Diplomarbeit geschrieben. Und das Keyboard, das mit blinkenden LED s anzeigt, welche Taste als nächstes gedrückt werden muss, gibt es so ähnlich auch im Laden. Fürs Keyboard ist die LED -Hilfsleiste aber nicht gedacht, sondern für ein Klavier: Das gibt es nicht schon mit blinkenden Tasten fertig zu kaufen.
Dorkbot ist kein Verein, es gibt keine Mitgliedsbeiträge oder Verpflichtungen. Obwohl viele dorkbot -Gruppen sich in Universitäten treffen, muss niemand Akademiker sein, um mitzumachen. Die Gruppen möchten elektronische Kunst fördern und Menschen motivieren, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Trotzdem sind die Teilnehmer in Aachen mit ihren Namen sehr zurückhaltend. "Es ist eben ein bisschen Hackerkultur bei deutschen dorkbotern zu erkennen", sagt Bohne. Und die geben sich normalerweise ungern mit vollem Namen zu erkennen. Wobei Hacken an sich nicht illegal ist. Borchers definiert Hacken als das Sich-Zueigen-Machen von Technik. Dabei wird sie auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten. "Wenn der Toaster Toast auswirft, ich aber möchte, dass dann zeitgleich im Schlafzimmer eine Glocke läutet, muss ich den Toaster hacken."
Stand: 29.08.2009, 02:00 Uhr
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