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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Wissen > Polizei beendet Besetzung der Kölner Uni


Polizei räumt Aula der Uni Köln

Studenten wollen ihre Proteste weiterführen

Von Andreas Poulakos

Die Polizei hat am Freitagmorgen (20.11.09) die Besetzung der Aula an der Kölner Universität beendet. Rund 80 Studenten leisteten passiven Widerstand und ließen sich aus dem Saal tragen. Zu Ausschreitungen kam es nicht.

Student wird von Beamten aus dem Saal getragen; Rechte: WDR/PoulakosBild vergrößern

Passiver Widerstand

Die Studenten hatten die Aula seit Dienstagabend (17.11.09) besetzt gehalten. Sie protestierten damit unter anderem gegen die Verschulung des Studiums durch die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge. Bis zu 300 Studenten hatten in dem Hörsaal ihr Lager aufgeschlagen und alle Kommilitonen aufgefordert, sich an den Diskussionen zu beteiligen. Am Donnerstag (19.11.09) hatte das Rektorat den Besetzern gedroht, die Aula räumen zu lassen. Gleichzeitig wurde den Studenten angeboten, ihre Proteste in einem kleineren und weniger repräsentativen Hörsaal fortzusetzen. Das hatten die Besetzer abgelehnt.

"Räumung bringt nichts"

Studenten sitzen auf dem Boden der Aula; Rechte: WDR/PoulakosBild vergrößern

"Wir bleiben hier!"

Nach den gescheiterten Verhandlungen hatte die Uni Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Die Polizei rückte um halb sechs Uhr morgens mit einer Hundertschaft an und forderte die Studenten auf, das Gebäude freiwillig zu verlassen. Rund 40 Besetzer kamen der Aufforderung nach. Die etwa 80 verbliebenen Studenten wurden von der Polizei einzeln aus dem Saal geführt oder getragen. Nachdem ihre Personalien festgestellt waren, durften die Besetzer gehen. Die Aktion verlief friedlich. Die Studenten scherzten sogar gemeinsam mit den Beamten, die teilweise nicht viel älter waren als sie selbst.

"Das Ganze bringt überhaupt nichts", sagte ein Sprecher der Besetzer zu WDR.de. "Wenn das Rektorat glaubt, dass wir jetzt alle brav nach Hause gehen, ist das ein Irrtum." Die Studenten wollen ihre Aktionen auf dem Unigelände fortsetzen.

"Der Lehrbetrieb wird gestört"

Porträt Patrick Honecker; Rechte: WDR/PoulakosBild vergrößern

Patrick Honecker

"Wir brauchen die Aula dringend", sagt Patrick Honecker, Sprecher der Uni Köln. "Der Lehrbetrieb wird durch die Besetzer empfindlich gestört." In der kommenden Woche werde das Rektorat darüber entscheiden, ob die Anzeigen gegen die Besetzer weiter aufrecht erhalten werden. "In der Vergangenheit haben wir nach solchen Aktionen allerdings darauf verzichtet," sagt Honecker. Am Freitagmorgen sollen in der geräumten Aula wieder Vorlesungen stattfinden.

Solidarität mit österreichischen Studenten

Hunderte Studenten demonstrieren seit einer Woche an den nordrhein-westfälischen Universitäten für eine Abschaffung der Studiengebühren, eine Reform der neuen Studiengänge und insgesamt bessere Studienbedingungen. In mehreren Städten halten Aktivisten seit Tagen Hörsäle und andere Universitätseinrichtungen besetzt - zum Beispiel in Bonn, Duisburg und Aachen. In Bielefeld hatten die Besetzer den Hörsaal am Donnerstagabend (19.11.09) freiwillig geräumt.

Gegen die Reformen des Bologna-Prozesses regt sich bereits seit längerer Zeit Widerstand. Im Juni 2009 beklagten Schüler und Studenten bundesweit die unzumutbaren Zustände im Bildungssystem. Zehntausende demonstrierten damals gegen das Turbo-Abi, Kopfnoten und verschulte Bachelor-Studiengänge. Nun kommt es erstmals zu gemeinsamen Protesten in Deutschland und Österreich: Dort haben Studenten zu internationalen Aktionen aufgerufen. An den österreichischen Universitäten gibt es bereits seit Ende Oktober massive Proteste.

Stand: 20.11.2009, 10:24 Uhr


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Maske eines römischen Legionärs; Rechte: akg
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