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Prof. Dr. NRW

Landespolitik auf dem Lehrplan

Seit diesem Sommersemester ist Andreas Blätte Nordrhein-Westfalens erster Professor für Landespolitik. Den gebürtigen Bayer faszinieren an NRW die politischen Innovationen: Ob neue Ministerien wie das Integrationsministerium oder neue politische Konstellationen wie rot-rot-grüne Bündnisse.

Zum Sommersemester 2009 wurde der 32-jährige Andreas Blätte Juniorprofessor für NRW-Politik der Uni Duisburg-Essen. Möglich wurde die Stiftungsprofessur durch die WestLB-Stiftung, angesiedelt ist sie an der 2006 gegründeten NRW-School of Governance. Studierende können hier den Master-Studiengang "Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung" absolvieren.

WDR.de: Herr Blätte, als Bayer wurden Sie zum ersten Professor für NRW-Politik. Was qualifiziert Sie für diese Aufgabe?

Andreas Blätte; Rechte: WDR/SchurianBild vergrößern

"Professor NRW"

Andreas Blätte: Ich habe mich an der School of Public Policy in Erfurt intensiv mit Integrationspolitik befasst - wie wirksam sich Migranten-Verbände in Politik und Gesellschaft einbringen. Und für dieses Thema war ich natürlich viel in NRW unterwegs. Viele Verbände haben ihren Sitz in Köln, in Bonn. Bei der Gestaltung der Integrationspolitik hat Nordrhein-Westfalen eine Vorreiterfunktion. Es gibt hier mehr Menschen mit Migrationshintergrund als anderswo in Deutschland. Und seit vier Jahren gibt es ein Integrationsministerium, das erste in Deutschland. Integration ist ein so genanntes Querschnittsthema, das bei Bildungsfragen, in der Arbeitsmarktpolitik oder auch beim Antidiskriminierungsgesetz auftaucht. Mich interessiert, wie ein diffuses Politikfeld systematisiert wird und schließlich sogar ein Ministerium entsteht.

WDR.de: Wie würden Sie Nordrhein-Westfalen politisch beschreiben?

Blätte: NRW ist ein großes Bundesland - und ein politisch innovatives Bundesland. Die Größe ruft hier keine Trägheit hervor. Durch den Strukturwandel gibt es eine spannende Unordnung und viele neue Ideen. Auch im neuen Innovationsministerium werden unterschiedliche Politikfelder, werden Wissenschaft, Forschung und Technologiepolitik gebündelt. Und: NRW ist ein Bundesland mit großem Gewicht. Nach meinen Erfahrungen aus Erfurt kann ich sagen, Politik wird hier deutlich professioneller betrieben als in einem kleinen Bundesland.

WDR.de: Aber ist Landespolitik nicht Politik zweiter Klasse?

Blätte: Das ändert sich. Vor allem durch die europäische Integration. Es gibt längst nicht mehr nur die Bundesebene, sondern auch die europäische Ebene und die Landesebene. Ich glaube, die Aufmerksamkeit für Landespolitik wird noch zunehmen. Eine politische Entscheidung, die in Düsseldorf fällt, ist ja nicht weniger wichtig, als eine, die in Berlin fällt!

WDR.de: Wie wird sich NRW politisch entwickeln?

Blätte: Politikwissenschaftler nach Prognosen zu fragen, ist immer gefährlich (lacht). Aber natürlich ist die Frage hochinteressant, ob sich in NRW die politischen Konstellationen nach der Landtagswahl 2010 verändern. Sollte es zu einem rot-rot-grünen Bündnis in Düsseldorf kommen, dann hat das eine ganz andere Bedeutung, als wenn das in einem der neuen Bundesländer geschehen sollte.

WDR.de: Das Bindestrichland wird zum Vorreiter?

Flagge des Landes Nordrhein-Westfalen vor dem Landtag in Düsseldorf; Rechte: WDR/A. M. van TreeckBild vergrößern

NRW - "Faszination" für den gebürtigen Bayern

Blätte: Ja, in NRW wurden Regionen zusammen geführt,die historisch nicht zusammengehörten. Trotzdem funktioniert es, was sicher ein Verdienst von Johannes Rau war und der Kampagne "Wir in NRW". Ich glaube ohnehin, dass sich die kleinen Bundesländer nicht bewährt haben. Das wird in den nächsten Jahren ein Dauerthema bleiben. Wenn sich Vertreter großer und kleiner Bundesländer - etwa Rüttgers und Thüringens Ministerpräsident Althaus - treffen, dann ist das eine ungleiche Begegnung - und das ist nicht gut für die Politik.

WDR.de: Ihr Lehrstuhl ist bei der "NRW-School of Governance" angesiedelt. Kritiker werfen ihr eine Nähe zur schwarz-gelben Landesregierung vor, das Institut sei eine Kaderschmiede.

Blätte: Die NRW-School steht für ein wissenschaftlich hohes Niveau, Parteilichkeit hat da keinen Platz. Doch es ist ein Institut neuen Typs. Wir wollen Studierenden gezielt Karrieren in Politik und Verwaltung ermöglichen, wir forschen und lehren sehr anwendungsbezogen. Deshalb muss es natürlich Kontakte zur Landesregierung geben - zu jeder Landesregierung! Wir machen hier aber auch viele Projekte mit Akteuren, die nicht in der Regierung sind.

Das Gespräch führte Christoph Schurian.

Stand: 27.04.2009, 10:53 Uhr


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Maske eines römischen Legionärs; Rechte: akg
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