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Fritz Pleitgen philosophiert mit Kindern über den Journalistenberuf
Ein Professor hat "weiße Haare, trägt eine Krawatte und eine Brille wegen der Experimente", so ein Kind vor der Vorlesung von Fritz Pleitgen. Dem entspricht der WDR-Intendant nur fast. Er erklärt Schülern die Arbeit von Journalisten: "Ich glaub' nur, was ich sehe".
Zunächst müssen 220 acht- bis elfjähriger Grundschüler das Gedränge beim Einschreiben über sich ergehen lassen. Dann erhalten sie am Freitagmorgen (10.11.06) ihre Kinderstudienausweise. Für einen Vormittag sind sie zu Gast in der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum. Der 'große' Student Stefan (27) aus dem Projektteam erklärt die Regeln im Hörsaal: "Wenn der Student Fragen hat, hebt er die Hand - auf keinen Fall schnipsen! Und statt klatschen wird auf den Tisch oder den Stuhl geklopft."
Zwar klappt das mit dem Klopfen nicht direkt, als Pleitgen sich den Weg zum Rednerpult bahnt. Aber nach der Ankündigung als Chef der "Sendung mit der Maus" und von "Käpt'n Blaubär" hat er die Zuhörer, die aus mehreren Grundschulen der Umgebung stammen, auf seiner Seite.
"Theo, Philo & Sophie" lautet der Titel der Veranstaltungsreihe, die von der Evangelischen Fachhochschule organisiert wird. "Uns geht es vor allem um philosophisch-theologische Themen", erklärt Projektleiterin Maike Siebold. "Es ist ein Ergänzungsangebot zur Kinderuni, bei der es meist um naturwissenschaftliche Phänomene geht." Der Andrang aus den Grundschulen ist groß, schon einen Tag nach der Ankündigung waren die Veranstaltungen ausgebucht.
Was Pleitgen an diesem Vormittag vermitteln möchte, ist gar nicht so einfach zu begreifen für die aufmerksamen Zuhörer. Wie arbeiten Journalisten? Wie werden sie glaubwürdig? Ihre Aufgabe ist es, möglichst wahrhaftig zu berichten. Aber auch die Zuschauer sind mit ihrem kritischen Blick gefragt: "Ihr müsst immer nachfragen - denn es sind auch nur Menschen, die Filme machen und versuchen, die Wahrheit zu erzählen", betont der Intendant. Während seines Vortrags zeigt er Ausschnitte aus seinem neuen Film über die Rocky Mountains. Und erwartungsgemäß kommen die Tieraufnahmen besonders gut an - auch wenn ein Junge den Elch fälschlicherweise für ein Kamel hält.
Mit den bewegten Bildern hat Pleitgen Eindruck hinterlassen: "Mir hat die Geschichte über die Indianer besonders gut gefallen", sagt Anna-Lena, acht Jahre alt. Die gleichaltrige Aline fand "das mit den Pferden" besonders toll. Und Lotta, fast neun, hat gelernt, "dass die Indianer als erste in Amerika waren". Auch der zehnjährige Muhammet wusste bisher "nichts über die Indianer und wie sie leben". Chrissi, zehn Jahre alt, findet, dass Professor Pleitgen "eigentlich ein netter Typ" ist.
Bücher lesen, Nachrichten hören, im Internet lesen und ein wenig fernsehen - das sind die Ratschläge, die Pleitgen seinen jungen Zuhörern mit auf den Weg gibt. Mit einem "Donnerwetter!" kommentiert er seine Ernennung zum Kinderprofessor, die von ohrenbetäubendem Geklopfe - inzwischen klappt es also ganz hervorragend - begleitet wird. Fazit des fast zehnjährigen Sebastian: "Ich habe gelernt, dass man öfter nachfragen und nicht immer alles glauben soll."
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Was Kinder interessiertStand: 10.11.2006, 12:48 Uhr
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