Abitur schon nach Jahrgang zwölf: Für viele Schüler bedeutet das mehr Stress und Unterricht am Nachmittag. Die Landesregierung will nun Musterpläne erarbeiten, damit Lehrer wissen, wo sie kürzen können. Ist weniger Stoff der richtige Weg?
Nur noch mittelschwere Texte in Latein, keine Logarithmen mehr in Mathe und von der Weimarer Republik nur noch der Untergang: Die heute 13-Jährigen sollen nach Plänen der Landesregierung einiges nicht mehr lernen müssen, was ihre älteren Mitschüler noch pauken. Denn sie werden 2013 als erste das Abitur schon nach dem 12. Jahrgang ablegen. Um Stress und Nachmittagsunterricht zu reduzieren, will das Schulministerium die Lehrpläne in fast allen Fächern kräftig "entschlacken".
Die Schüler wird's freuen, auch viele Lehrer begrüßen die Reform. Aber was denken Sie? Bedeutet das Turbo-Abi für Schüler Turbo-Stress? Ist es der richtige Weg, schneller und dafür weniger zu lernen? Sollte das Schulwissen von allzu viel theoretischem Ballast befreit werden? Oder bilden wir nur noch für die Wirtschaft aus, während die Bildung selbst auf der Strecke bleibt?
20. März 2008 19:12
anonym
Ich denke, dass das Abitur in 8 Jahren
Gymnasialzeit eigentlich eine gute Idee darstellt.
Das Problem besteht nur darin, dass die ganze Angelegenheit nicht gut organisiert
wird, so dass es zu zahlreichen Problemen bei der Umsetzung der eigentlich guten Idee kommt.
Ein weiterer sinnvoller Ansatzpunkt wäre auch, mal im Schulministerium und in den einzelnen Schulen darüber nachzudenken, wie es möglich ist, dass es in Zukunft weniger Unterrichtsausfall geben wird, da die ansich ansonsten gute Idee aufgrund mangelnder Planung und Vorbereitung und aufgrund zahlreicher Unterrichtsstunden, die bisher sowieso schon ausgefallen sind scheitern wird, da dann einfach zu wenig Stoff in der Schule behandelt wird, als dass man sagen könnte, bei dem Abitur handele es sich um eine Prüfung, die dem Kandidaten bei Bestehen eine besondere 'Reife' attestiert. Von einer Entschlackung der Lehrpläne ist nicht viel zu halten, da in der Schule häufig sowieso schon viel zu wenig gelrnt wird.
20. März 2008 16:35
Meister, 56
Ich denke, hier wird vermischt was in der Praxis schwer zu unterschieden ist -
von Seiten de Personalentscheiders (von wegen 'Verwertbarkeit') kann ich beisteuern, dass es immer schwieriger wird, Bewerber auf Grund von Noten einzuschätzen.
Wir haben vom sehr guten 10a-ler bis zum versagenden Abiturienten schon alles gesehen in den letzten 15 Jahren.
Wenn Jugendliche zu wenig lernen, kann das viele Gründe haben, z.B.
- Mangel an Fähigkeit
- Mangel an Interesse/Motivation
- Lehrer die den Stoff nicht richtig vermitteln (können), z.B. auch wegen Einsparungen an den Schulen
Ich wollte nicht entscheiden müssen, welcher Grund im Einzelfall vorliegt, wenn die Lernergebnisse schlecht sind.
Aber die 'Ergebnisse' machen es immer schwieriger gute Azubis/Personal zu finden.
Bessere Lehrbedingungen und leistungsbezogenere Wahl der Schulform sind staatlich beeinflußbar.
Aber aus vielen Beiträgen gewinne ich den Eindruck, dass da gesellschaftlich eine Menge im Argen liegt (Schlammblut)
20. März 2008 14:32
Mona, 54
Ich habe auch Kinder und somit Erfahrung damit, die sind aber schon aus dem gröbsten raus, der Lernstreß war schon vorhanden, deswegen bin ich gegen das Turboabi.
20. März 2008 11:49
anonym
18. März 2008 12:59
poldie, 46
Arbeit gibt es genug! Für 1 Euro kann man bei den Kommunen im Park arbeiten.
20. März 2008 11:45
Molly, 34 J.
18. März 2008 11:16
Anke
tja anke, das sucht sich halt jeder selber so aus. entweder verlässt man sich auf den mann und meint man könnte mit dem hausfrauen dasein sein leben so führen oder wird nur arzthelferin. bei beiden sachen steht man auf der strasse wenn der mann dann mal wegläuft. selber schuld. schlimm genug das so leute auch noch hartz IV leistung erhalten.
19. März 2008 20:15
Enno, 37
'Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung.
Die Jugend soll erzogen werden im Geiste der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zur Verantwortung für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und Friedensgesinnung.'
(Art. 7 Verfassung des Landes NRW)
19. März 2008 09:11
anonym
Herr Volker Müller-Benedict schrieb letztens in der Zeit über 'sekundäre Gründe' für Ungleichheit von Bildungschancen. Interessierte mögen dort nachlesen.
Ich komme aus einem Arbeiterhaushalt. Als meine Grundschule meinen Eltern sagte, ich müsse aufs Gymnasium, hatten sie Angst - mir nicht helfen, mir nicht alles Nötige ermöglichen zu können.
Die Probleme, die ich dann wegen Geldmangels hatte, betrafen nicht meine Ausbildung - Bücher, Instrumente und anderes Unterrichtsmaterial gab's in der Bücherei und vom Flohmarkt, Motivation und Lob von meinen Eltern.
Konflikte gab es mit Mitschülern, die es wichtig fanden, Eltern zu haben, die in die Oper gehen, dass auf dem Pulli der richtige Name steht und man in einem Haus wohnt und nicht zur Miete.
Wie Hermine bei Harry Potter als 'Schlammblut' gilt, so gehört man einfach nicht dazu. Wenn man dann trotzdem gute Noten hat, ist man auch noch ein Streber.
Daran ändern staatliche Beihilfen auch nichts. Das Standesdünkel ist in den Köpfen.
18. März 2008 12:59
poldie, 46
Warum wirtschaftlich verwertbar machen??
Dazu muss doch wohl erst mal Arbeit vorhanden sein...????
18. März 2008 11:45
Hans aus Köln
hallo horst 65
lol wieder am stänkern in den foren??!!
findest auch immer wieder welche, die dich noch ernst nehmen.
aber die stellungnahmen sind wieder recht amüsant!!!!!!!
18. März 2008 11:44
Andrea
@ anonym:
Wie soll ich denn dann den Zivil- oder Wehrdienst für junge Männer einordnen? Das erhöht die 'wirtschaftliche Verwertbarkeit' doch in keinster Weise! Im Gegensatz zu Mädchen/Frauen werden männliche Schul- oder Ausbildungsabsolventen doch staatlich sanktioniert verzögert in die Arbeitswelt entlassen...
18. März 2008 11:31
anonym
Der Landesregierung geht es doch gar nicht um bessere Bildung. Es geht viel mehr darum die Schüler schneller wirtschaftlich verwertbar zu machen.
18. März 2008 11:29
Ex-Lehrerin 66
Ich habe - und das schon seit langem während meiner Dienstzeit - Wut auf jeden Arbeitgeber, der da Abiturienten bevorzugt, wo es nicht nötig ist! Wenn man andere Schulabschlüsse wieder mehr berücksichtigt und anerkennt, erhöht sich mit Sicherheit die Motivation der betreffenden Schüler, mehr 'Bildung' zu erlangen, und es würde ein verhängnisvoller 'Circulus vitiosus' unterbrochen...
18. März 2008 11:16
Anke
Auslandsjahr nach dem Abi? Bedauerlicher Weise muß das finanzierbar sein. Ich habe schon Mühe und Not, die zweimal jährlich anfallenden Semestergebühren für mein Kind zu zahlen! Dann kommen noch Semester-Ticket, Bücher, Nachschlagwerke und der übliche Kleinkram in Form von Schreib-/Druckerpapier, Druckerpatronen usw. hinzu. Mag sich nach Peanuts anhören, aber wenn im Familienbudget wenig Geld vorhanden ist, dann schmerzen auch die kleinsten Ausgaben. Insofern wird in der Tat eine Zweiklassen-Gesellschaft etabliert. Kannste zahlen - darfste studieren. Ansonsten ab in eine Ausbildung und nach spätestens drei Jahren Geld verdienen.
18. März 2008 10:56
Helen
'Schüler können mit ihrer Lebenszeit sinnvollere Dinge machen als ein Jahr länger zur Schule zu gehen' so die Stimme des Landeselternrates. Dann kommt noch ein Vorschlag: nach dem Abi ein Jahr ins Ausland.
Das klingt wie aus einer Satire-Sendung. Statt jetzt und hier eine bessere Schule zu planen mit einer anderen intensiven schülergerechten Bildung (und individueller Förderung, Verpflegung etc.)- das braucht Zeit, Ideen und vor allem Geld! - hält man so wenig von Schule, dass man sie am besten schnell turbomäßig durchzieht und dann das Verpasste mit Mamas oder Papas Sparbuch im niveauvollen Auslandsaufenthalt nachholt. Denn irgendwo muss die Lebenserfahrung ja her, wenn die Schulzeit mit Pauken, Trompeten und Nachhilfe vollgestopft ist...
Da stimmt doch im ganzen Gedankengang etwas nicht. Ich erwarte von einem Elternrat und einer Schülervertretung, dass sie sich turbomäßig für die finanzielle und strukturelle Situation an den Gymnasien einsetzen.
18. März 2008 07:30
Torsten
Wenn man in den Jahren bis zum Abi die Zeit nicht mit so viel sinnlosem Stoff vergeuden würde...12 Jahre würden ausreichen.
Ich hab auch ohne Abi studiert (Glück gehört dazu im Leben) und kann nur sagen: erschreckend, was da teilweise nach 13 Jahren vom Gymnasium kommt. Rechtsschreibung, Kopfrechnen, Allgemeinwissen, ...??? Grauenhaft.
17. März 2008 22:38
H.Steichert, 67 Jahre
Turbo Abi ist ein typisch westdeutsches Sprachgebilde, welches intuitiv Aversionen hervorrufen soll. In der Zeit einer Globalisierung von Gedanken und Ideen steht heute aber höchstens noch die Frage: Wie können deutsche Schüler nach dem 11. Jahrgang ein qualifiziertes Abitur erwerben!! In den Ländern Asiens wird es uns vorgemacht, dass so etwas geht. Schauen wir uns doch nur einmal in den musischen Fächern um, hier ist die Jugend aus den Ländern Asiens dem deutschen Schüler doch weit überlegen, was unsere begrenzten Schultheoretiker immer bezweifeln. Schlicht und einfach muss unsere Ausbildung wieder auf die Gebiete konzentriertb werden, die wichtig für den jungen Menschen sind. Mehr Praxisbezogenheit ! Wo lernt man in Deutschland, wie eine Steuerklärung auszufüllen ist? Aber da sind unsere Lehrer wohl überfordert,oder?
17. März 2008 21:35
Klaus, 42
1. G8 bedeutet: 1 Schuljahr weniger = 1-2 Semester mehr - bitte liebe Mittelstandseltern, wenn Ihr das so haben wollt.../ tja liebe Arbeiterkinder, das war's ja wohl endgültig!
2. 'habe gestern mit einer BezReg. wg. G8 telefoniert, Ergebnis: Man hat ein U-Fach in der SI um 2 auf 6 Stunden gekürzt, den entsprechenden Kernlehrplan aber bei seiner alten Konzeption (für 8 U-Stunden) belassen.
Bei der BezReg. ist man völlig ratlos, wie der Kernlehrplan umgesetzt werden soll und bittet die Schulen um Hilfe!
3. Hat schon einmal einer der ahnunglosen Bürokraten, die in NRW seit 30 Jahren Schulpolitik verbrechen in der 8. und 9. Stunde 6.-Klässler unterrichtet - Ergebnis: Farce!
4. Warum sich die Landeselternschaft so für G8 engagiert? - 3 mögliche Gründe:
a. Die haben selbst keine Kinder
b. Die Kinder dieser Menschen sind bereits in Lohn und Brot und daher kann man getrost Lügen über das angeblich zu hohe Alter unserer Absolventen verbreiten!
c. Ignoranz
17. März 2008 20:06
Sven, 27
Wie wär's denn mit dem Entschlacken von Fächern?
Zwei Projektwochen im Jahr, in denen die Schüler wahlweise Kunst, Pädagogik, Hauswirtschaft etc. wählen können. Die übrige Zeit kann sich Schule dann auf Kernkompetenzen (vor allem Mathe, Deutsch, Englisch, Naturwissenschaften) und Allgemeinwissen (Erdkunde, Geschichte) konzentrieren.
17. März 2008 18:54
Papa, 42
Es geht doch gar nicht um das Zentralabitur, es geht um Abitur nach 12 Jahren und die Umsetzung dieses Vorhabens durch die Landesregierung. Und so wie es gemacht wurde, ist es eben 'ungenügend'. Und ja, ich bin für Chancengleichheit. Das bedeutet nämlich dass jedes Kind, das Leistungsfähig ist, das Abitur machen kann. Das war bisher nicht der Fall, nun durch G8 hat sich die Situation dahingehend verschlimmert, dass Kinder aus Arbeiterhaushalten eben noch schlechtere Chancen haben, als Kinder aus reicheren Haushalten. Übrigens eine Erkenntnis der Bundesregierung, so ganz aus der Luft gegriffen ist diese Theorie wohl nicht.
Und bevor jemand schreit: Ich kann ggf. Nachhilfe für meine Kinder bezahlen und bin Akademiker, trotzdem finde ich die Situation mit G8 ungerecht.
17. März 2008 16:28
Jo, 53
Wohin die sog. 'Chancengleichheit' geführt hat, sieht man allerorten.
Mindestvoraussetzung für fast jeden Lehrberuf ist das Abitur, einen Hauptschulabschluß kann man gleich in den Papierkorb werfen. Entsprechend mußte in der Vergangenheit das Niveau der Abiturprüfungen, gerade an Gesamtschulen, angepaßt werden. Das Zentralabitur war da natürlich pures Gift.
17. März 2008 16:26
anonym
@ Horst, 65
Kennen Sie 'Das Leben des Brian'?
>>Warum möchtest Du Loretta sein, Stan?<<
>>Weil ich Babys haben möchte<<
...
>>Du kannst keine Babys kriegen Stan<<
>>Unterdrücke mich nicht...!<<
...
>>Das ist symbolisch! Für unser Ringen gegen die Untergrückung!<<
>>Symbolisch für sein Ringen gegen die Realität...<<
17. März 2008 16:26
Mona, 54
Ich bin natürlich auch für Chancen-
gleichheit, sehr gute Schüler müssen genauso gefördert werden, wie Kinder,
die Lernschwierigkeiten haben. Lehrer
müssen aber auch erkennen, wenn Schüler sich unter-überfordert fühlen.
Ich bin aber gegen Gleichmacherei, es
kann ja wohl nicht sein, dass plötzlich
alle Kinder einen höheren IQ haben, als
unser Einstein je gehabt hat. Es gibt
hochbegabte Kinder, die können aber
genauso aus Arbeiter-, sowie aus Akademikerfamilien stammen, diese
müssen gleichermaßen gefördert werden. Der Förderalismus ist ge-
scheitert und muss vom Bund übernom-
men werden (gilt f.Bildung). Anforder-
ungen von Grund-Haupt-Realschulen
müssen erhöht werden, gleiches würde
ich mir für das Abi wünschen. Hier muss
eine Schulform (Gesamtsch)her, nicht
wie bisher, sonst haben wir zu viele Verlierer. Kinder müssen Sprachen lernen, am besten schon ín der Grundschule anfangen. Aber das kostet
und hier ist der Knackpunkt, die Politik
spart auf 'Teufel komm raus'.
17. März 2008 16:18
stefan
@17. März 2008 15:47
Rollo
Das kann man bei Wikipedia nachschlagen :-)
Hier in kürze: Anwendung evoluistischer Prinzipien auf soziale Systeme. Häufig wird dabei die Überlegenheit des am besten an sein Umfeld angepassten mit dem angeblichen 'Recht des Stärkeren' verwechselt.
Oder schlicht: Wer kein Glück hat, hat Pech gehabt.
17. März 2008 16:05
Älteres Semester
Ich habe 1983 mein Abitur an einem Gymnasium gemacht.
Bei der Abschiedsrede sagte der Stufenleiter:
'Ein Drittel von euch hat das Abi verdient, ein drittel kann in den nächsten Jahren nachweisen, dass es doch verdient war und ein Drittel von euch hat's geschenkt bekommen.'
Wahrscheinlich war das die letzten 150 Jahre so und das ist auch ganz in Ordnung. Schule ist nicht das Maß aller Dinge, auch wenn manche das gerne so sehen würden.
17. März 2008 16:03
Silke, 39
@ Horst, 65
Ihrer Ansicht nach soll jeder, unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit, Abi machen können?!?
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Stand: 12.03.2008, 06:00 Uhr
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