Von Ingo Neumayer
Vier Meter lang, 57 Tonnen schwer, 200.000 mal stärker als das Erdmagnetfeld: Am Dienstag (27.05.08) traf der weltweit größte Magnet, der in der Hirnforschung eingesetzt wird, in Jülich ein. Er soll helfen, Krankheiten wie Alzheimer früher zu erkennen.
Ein Schwertransporter aus dem englischen Oxford brachte den Mega-Magneten ins Forschungszentrum Jülich. Dort wurde er per Kran abgeladen und in ein eigens dafür errichtetes Gebäude gebracht. In dem 150 Quadratmeter großen Raum sorgen 870 Tonnen Stahl dafür, dass das Magnetfeld nach außen abgeschirmt wird. Und das Großgerät hat nicht nur ein eigenes Haus, sondern auch einen Namen: "9komma4" heißt der Magnet in Anlehnung an seine Feldstärke von 9,4 Tesla. Damit wirkt er 200.000 mal stärker als das Erdmagnetfeld.
Eingesetzt wird der 20 Millionen Euro teure "9komma4" ab 2009 in der Gehirnforschung. Vom Prinzip her ähnelt das Gerät den Magnetresonanz-Tomographen (MRT), die - besser bekannt als "Kernspin-Tomographen" - zur Standardausstattung der meisten Kliniken gehören. Bei den dort eingesetzten Geräten beträgt die Stärke allerdings nur 1,5 oder 3 Tesla. Ein großer Unterschied, wie Sprecherin Anette Stettien WDR.de erklärte: "Je höher das Magnetfeld, desto besser wird die Bildqualität. Wir können jetzt viel detailliertere Bilder der Strukturen und Vorgänge im Gehirn machen - bis hin zum Verhalten einzelner Zellen." Das soll dazu beitragen, Tumore und Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson schon viel früher als bisher festzustellen. "Genauere Erkenntnisse über krankhafte Veränderungen im Gehirn könnten uns helfen, den Ausbruch der Krankheit um Jahre aufzuschieben", sagte Projektleiter Jon Shah.
Mit 9,4 Tesla Feldstärke ist laut Stettien die Grenze der menschlichen Belastbarkeit erreicht. Patienten, die sich in die Röhre des "9komma4" legen, müssen nicht nur sämtlichen Schmuck ablegen, sie dürfen auch nicht tätowiert sein: "In der tätowierten Farbe findet sich oft ein Kupferanteil, der auf das Magnetfeld reagieren würde." Anders als bei den üblichen Kernspintomographen muss der Patient bei der Untersuchung nicht bewegungslos liegenbleiben, denn die Röhre ist mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern deutlich größer. "So reicht der Platz, um den Probanden Aufgaben zu stellen, bei denen sie einen Knopf drücken müssen, und dabei ihre Gehirnfunktionen auf digitalen Bildern zu beobachten", erläuterte Shah.
Serienreife wird der Mega-Magnet wohl nicht erreichen. Dafür ist er zu schwer und mit rund 20 Millionen Euro zu teuer für den Standardeinsatz im Krankenhaus. Das Forschungszentrum Jülich arbeitet allerdings eng mit den Unikliniken Köln, Aachen und Düsseldorf zusammen. "Außerdem melden sich bei uns immer wieder Leute, die sich freiwillig als Untersuchungsobjekt zur Verfügung stellen wollen", so Stettien.
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Dossier: Forscherland NRWStand: 27.05.2008, 11:47 Uhr
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