Von David Ohrndorf
Rund 3.000 Demonstranten haben sich am Samstag (08.12.07) an der Baustelle des Kohlekraftwerks in Neurath versammelt. In eisiger Kälte protestierten sie gegen den Kraftwerksneubau und die Politik der NRW-Landesregierung.
Während die Klimakonferenz in Bali bei 31 Grad und wolkenlosem Himmel tagt, frieren sich die Demonstranten in Grevenbroich-Neurath die Füße ab. Fünf Grad zeigt das Thermometer, aber über die schmale Straße vor dem Kraftwerksneubau weht zusätzlich ein eisiger Wind. Als das Vorprogramm beginnt, ist es vor der Bühne noch recht leer. Schließlich erreichen nach Angaben der Polizei und der Veranstalter doch noch rund 3.000 Demonstranten die Kundgebung vor der riesigen Kraftwerksbaustelle.
Josef Tumbrinck vom NABU freut sich über soviel Zuspruch: "Die Kollegen in Berlin haben es einfacher. Da fährt man mit der U-Bahn zur Demo." Deshalb zähle eigentlich jeder Demonstrant dreifach, lacht der Demo-Organisator. Auf der Bühne erscheinen der Reihe nach Vertreter von Umweltorganisationen, Globalisierungsgegner und auch der Präses der evangelischen Kirche von Westfalen.
Die Nachricht aller Redner ist klar: Kohlekraftwerke müssen weg und der Neubau, soweit es noch geht, verhindert werden. Trotz der Kälte: Die Demonstranten klatschen und johlen immer wieder. Bei den Bands, die zwischen den Rednern auftreten, tanzen einige - Bewegung hält warm.
Während die Demonstranten ankommen, gibt es Bewegung auf der Kraftwerksbaustelle. RWE-Mitarbeiter besteigen ein Gerüst und lösen die Seile an einem riesigen vorbereiteten Plakat. Darauf steht: "Klimaschutz jetzt: neue, effizientere Kraftwerke". Ein Senior schüttelt den Kopf: "Die können viel behaupten. Für mich ist das erst Klimaschutz, wenn die die Kohle-Kraftwerke abschalten."
Im Laufe des Nachmittags mischt sich tatsächlich auch ein RWE-Mitarbeiter unter die Demonstranten und verteilt zaghaft eine Mitteilung mit der Überschrift: "Kohle leistet zu Klimaschutz und Versorgungssicherheit wertvollen Beitrag". Besonders viele dieser Zettel wird er nicht los.
"Nein, das bin nicht ich!", der Greenpeace-Mitarbeiter auf dem Dach eines Kleinbusses ist genervt. Ständig pöbeln ihn Demonstranten an und meckern, er solle "den Scheiß" sein lassen. Was ist passiert? Eigentlich wollte Greenpeace in der Dämmerung mit einer "Lichtkanone" einen Slogan auf den Kühlturm projizieren. Aber RWE ahnte die Aktion offensichtlich schon voraus und bestrahlt den Kühlturm nun selber mit einem Logo. Weil der Greenpeace-Aktivist seine Lichtkanone aber in die selbe Richtung hält, sieht es aus, als würde er das RWE-Logo auf den Turm projizieren, deshalb wird er nun beschimpft. Später wird kurzerhand eine andere Betonfläche auf der Kraftwerksbaustelle mit dem Slogan "Stop CO2" beschossen.
Zum Ende der Demonstration formen 1000 Teilnehmer den Schriftzug "Act now" ("Handele jetzt!") mit Lampions nach. Auf dem Weg nach Hause diskutieren sie darüber, wie es nun weitergehen soll. BUND-Sprecher Dirk Jansen meint: "Das war erst der Anfang. Wir werden uns noch oft vor diesem Kraftwerk wiedersehen".
Die RWE verteidigte die Kraftwerkspläne: "Wir sehen mit Sorge, dass die Kohle ins Zwielicht gerückt wird, obwohl sie zur Verringerung von klimaschädlichen Emissionen einen wertvollen Beitrag leisten wird", erklärte der Vorstandsvorsitzende der RWE Power AG, Ulrich Jobs.
Die Vorsitzenden der NRW-Grünen, Daniela Schneckenburger und Arndt Klocke, werteten die Demonstration hingegen als Erfolg für die Klimaschutzbewegung. Der Klimaschutz dürfe nicht allein den Regierungen überlassen werden. Eine starke Bürgerbewegung müsse die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft dazu bringen, auf den Bau neuer Kohlekraftwerke zu verzichten und den Umstieg auf alternative Energien zu ermöglichen.
Die neuen Strom-Kraftwerke in NRW
BoA 2&3
Internetseite des BUND
Die Klima-AllianzStand: 09.12.2007, 13:38 Uhr
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