Sambesi

2) Der donnernde Fluss

  • Dienstag, 25. September 2012, 20.15 - 21.00 Uhr

Landschaftsaufnahme

Die spektakulären Viktoriafälle locken alljährlich unzählige Besucher an. Doch der Fluss, der sie speist, ist über weite Strecken nahezu unbekannt: Der Sambesi. Noch nie zuvor ist der mächtige Strom so umfassend portraitiert worden wie in der zweiteiligen Naturdokumentation des österreichischen Naturfilmers Michael Schlamberger. Der Sambesi durchfließt die prächtigsten Ökosysteme des schwarzen Kontinents und erlaubt einen Blick auf alle klassischen afrikanischen Tierarten. Als viertlängster Fluss Afrikas erstreckt er sich über fast 2.600 Kilometer und durchfließt sechs Staaten. Der zweite Teil der Folge begleitet ihn von den Viktoriafällen im Grenzland von Sambia und Simbabwe bis an die Küste von Mosambik, wo er sich mit dem Indischen Ozean vereinigt. Auf seiner langen Reise pumpt der Sambesi unablässig Lebenskraft in die südliche Hälfte des afrikanischen Kontinents und bestimmt das Schicksal von Milliarden Existenzen. Im Wechsel von Trocken- und Regenzeit verändert er ständig sein Gesicht, wird vom dünnen Rinnsal zum riesigen Überschwemmungsgebiet. Doch 1.000 Kilometern von seiner Quelle im Hochland von Sambia entfernt vollzieht er seine wohl faszinierendste Verwandlung. An der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe erreicht er eine Landschaft, die vor Jahrmillionen von Vulkanausbrüchen zernarbt wurde. Die Felsspalten und Basaltrisse in seinem Bett verändern den Charakter des Sambesi vollkommen. Der mächtige Fluss wird zu einem aufgewühlten Wildwasser. Mehr als einhundert Meter stürzt es über die Viktoria-Fälle in die Tiefe. Bis zu 550 Millionen Kubikmeter Wasser in der Minute rasen über den Felsabriss. Kein anderer Fluss bildet einen so mächtigen, zusammenhängenden Wasserfall, nirgendwo sonst zeigt der Sambesi seine Macht so deutlich. Die Gischt der Fälle ist kilometerweit zu sehen. Mosi Oa – Tunja, donnernder Rauch, nennen die Einheimischen das gewaltige Naturschauspiel.

Der Kariba Staudamm in Simbabwe besteht aus einer 128 m hohen und 617 m langen Bogenstaumauer aus Beton

Tief hat sich der Fluss in das Vulkangestein eingegraben und bildet eine 160 Kilometer lange Schlucht. Erst ganz allmählich verlangsamt der Fluss sein Tempo, und die Steilwände zu seinen Ufern weichen sanften Hängen. Ganze Kolonien Scharlachspinte bauen Nisthöhlen in die Wände, Löwen lauern durstigen Wasserbüffeln auf, und im Wasser fühlen sich Flusspferde wohl. Sie gehören zu den häufigsten Großtieren entlang des Flusses. In weiten Teilen bestimmen Wetter und Landschaft hauptsächlich den Charakter des Sambesi. Unterhalb der Viktoriafälle allerdings kamen Mitte des letzten Jahrhunderts andere Mächte ins Spiel. 1959 wurde die Kariba-Talsperre fertiggestellt. Durch den Rückstau entstand eine riesige Seenlandschaft. Der Kariba-Stausee ist mit einer Länge von 220 Kilometern der zweitgrößte künstliche See der Welt. Vor dem Bau der Kariba-Talsperre wurden die Ebenen unterhalb des großen Damms, die Mana Pools, Jahr für Jahr vom Hochwasser überschwemmt. Heute werden Zeitpunkt und Umfang der Überflutungen von Menschenhand gesteuert, nur vier Becken des Sambesi führen immer Wasser. Diese Wasserstellen sind ein Treffpunkt für viele Tiere, darunter die seltensten Raubtiere des Schwarzen Kontinents: Afrikanische Wildhunde. Nur das dominante Paar bekommt Nachwuchs; die übrigen Tiere des Rudels sind in der Regel Brüder des Rüden und Schwestern der Hündin.

Wenn die Wasserflächen austrocknen, gibt es für die Fische kein Entrinnen mehr - ein Magnet für tausende Vögel

Von weit her kommen auch Elefanten aus den ausgetrockneten Savannenwäldern zu den Mana Pools. Auf dem Höhepunkt der Trockenzeit wird die Nahrungssuche für die gewaltigen Tiere immer schwieriger. 2-300 Kilogramm müssen sie pro Tag fressen. Die Schoten der Anabäume sind ein wahrer Leckerbissen in diesen dürren Zeiten, und die Dickhäuter lassen sich zu regelrechten Zirkuskunststücken hinreißen, um an sie zu gelangen. Auf seinem letzten Teil der Reise, in Mosambik, nimmt der Sambesi Kurs Richtung Südost. Bevor er auf den Indischen Ozean trifft, verästelt sich der Fluss in ein riesiges Delta aus Mangrovensümpfen mit großen und kleinen Kanälen. Der Bullenhai ist als eines von ganz wenigen Tieren in der Lage, zwischen den Welten aus Salz- und Süßwasser zu pendeln. Vor dem Bau des Kariba Damms wanderten einige Exemplare bis 1.000 Kilometer den Fluss hinauf. Wie der Rest von Afrika war auch der Sambesi in den vergangenen 100 Jahren großen Veränderungen durch den Menschen unterworfen. Seinen gewaltigen Einfluss auf die Lebensrhythmen seiner Anrainer aber hat der wilde Strom des schwarzen Kontinents bis heute nicht verloren.

Viktoria Fälle: Mehr als einhundert Meter stürzt der Sambesi an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia in die Tiefe

Autor: Michael Schlamberger


Stand: 17.07.2012



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