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Alfred Biolek: Wein wie ich ihn mag

Wie beim Kochen bin ich als Weinliebhaber - das Wort sagt es ja schon - Amateur und kein Experte. Insofern sind alle meine Aussagen sehr persönlich und beruhen weitestgehend auf meinen eigenen Erfahrungen. Dass mir Weinkenner und Experten dabei geholfen haben, diese Erfahrungen zu machen, wird nicht verwundern. Aber ich habe nie die Meinung der Experten einfach übernommen. Denn auch der größte Weinexperte kann - abgesehen von ein paar objektiven Kriterien - nur sagen, wie ihm oder ihr der Wein schmeckt.

Es herrscht seit einigen Jahren in der Weinwelt eine große Expertenhörigkeit. Weinsammler verlassen sich zunehmend nicht mehr auf ihren Geschmack, sondern auf das Urteil von Weinpäpsten wie Robert M. Parker. Das halte ich für eine fatale Entwicklung. Sie hat weder mit dem Wein noch mit seinen Wonnen etwas zu tun.

Es degradiert den Wein zu einem fast beliebigen Produkt, dessen Qualität nicht mehr davon abhängt, welchen Genuss es mir bereitet, sondern wieviele Punkte er auf irgendeiner Bewertungsskala bekommt.Mein Verständnis ist davon meilenweit entfernt. Für mich ist in der Beurteilung eines Weines die oberste Instanz der eigene Geschmack und nicht der eines selbsternannten Weinpapstes.

Mein Weg zum Wein

Illustration eines Korkens der durch die Luft fliegt. Auf ihm sitzt
ein Schmetterling.

Natürlich muss sich ein Geschmack entwickeln: Erst wer anfängt Weine bewusst zu trinken, auf die Traubensorte und auf das Herkunftsland zu achten und wer bewusst Weine miteinander vergleicht, beginnt damit, ein - wie ich es nenne - Weingewissen und somit seinen Geschmack zu entwickeln. Dabei sollte man sich vorher von Kennern - Freunden, Weinhändlern, Weinbüchern - ruhig inspirieren lassen. Geschmack hat - nicht nur beim Wein - sehr viel mit Erinnern zu tun.

Es gibt eine Variante des Zufallsweintrinkers: den Gewohnheitsweintrinker. Das hat nichts mit einem Alkoholiker zu tun, der ja gerne auch Gewohnheitstrinker genannt wird. Ich meine damit Weinliebhaber, die in einer Weinregion leben und aus Gewohnheit nur den lokalen oder regionalen Wein trinken, obwohl sie auch Weine aus anderen Regionen kennen und schätzen. Ich gehörte viele Jahre zu dieser Kategorie. Schon in der Jugend, die ich im württembergischen Remstal verbrachte, durfte ich das eine oder andere Glas mittrinken. Natürlich war damals der Geschmack ziemlich egal - es kam nur auf die recht angenehme Wirkung des Weines an.

Es wurde nicht viel besser, als ich zum Studium nach Freiburg ging, das mitten im badischen Weinland liegt.

Auch die Jahre beim ZDF, die ich in Mainz und Wiesbaden verbrachte, machten mich trotz der Nähe zu den besten Weinregionen nicht wirklich zum bewussten Weintrinker. Durch Auslandsreisen und durch den Besuch italienischer Restaurants in Deutschland hatte ich gelernt, dass man Weine nicht nur auf Parties, sondern auch zum Essen trinken kann. Und zum Essen schmeckt nur trockener Wein, das merkte ich bald. So wurden der Edelzwicker (Verschnittwein aus dem Elsass) und später der Pinot Grigio zur "Einstiegsdroge" einer neuen Weinwelt, der bescheidene Anfang einer neuen, bewussten Haltung zum Wein.

Als ich in den siebziger Jahren begann, vor der Kamera zu arbeiten, wurde mir durch Begegnungen und Einladungen klar, dass neben Edelzwicker, Pinot Grigio und Blanc de Blanc noch andere, größere Genüsse auf mich warteten. Zu diesem Zeitpunkt - Mitte bzw. Ende der siebziger Jahre - hatte ich auch schon einen Weinhändler meines Vertrauens gefunden.

Stand: 11.08.2009


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